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 Betreff des Beitrags: Streicht die Entwicklungshilfe
BeitragVerfasst: 05 Jul 2005 12:32 
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Im SPIEGEL-Online stand gestern ein hochinteressantes Interview mit dem kenianischen Wirtschaftsexperte James Shikwati über die schädlichen Folgen der westlichen Entwicklungspolitik, korrupte Herrscher und aufgebauschte Horrormeldungen aus Afrika...

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,363375,00.html

Ich glaube, der gute Mann hat vollkommen Recht. Was meint ihr?

Und hier haut der nächste Afrikaner in dieselbe Kerbe.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,15 ... 03,00.html


Zuletzt geändert von Jorginho am 06 Jul 2005 16:46, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 05 Jul 2005 12:38 
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Hallo,

Entwicklungshilfe darf nur als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert sein; direkte Zahlungen nur in aktuen Katastrophenlagen.

Viele Grüße

Moranguinho


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BeitragVerfasst: 05 Jul 2005 13:15 
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Moranguinho hat geschrieben:
Hallo,

Entwicklungshilfe darf nur als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert sein; direkte Zahlungen nur in aktuen Katastrophenlagen.

Viele Grüße

Moranguinho


Sehe ich genauso... ich hoffe (wahrscheinlich sowieso vergeblich), dass einige Politiker dieses Interview lesen und z.B. die blödsinnige Idee, eine "Armutsabgabe" auf Flugpassagen zu erheben, wieder begraben.


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BeitragVerfasst: 05 Jul 2005 14:08 
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Das Gegenteil von gut ist eben immer noch gut gemeint... :lol:

Viele Grüße

Moranguinho


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 Betreff des Beitrags: Meine Meinung zu den SPIEGEL-Online Artikeln ...
BeitragVerfasst: 10 Jul 2005 19:54 
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Spiegel hat geschrieben:
[...]
Shikwati, 35, Gründer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft "Inter Region Economic Network" in Nairobi (Kenia), ist ein leidenschaftlicher Anwalt der Globalisierung. Er plädiert für mehr Eigenständigkeit der Entwicklungsländer und für freien Handel.

[...]

Shikwati: Was sollen diese Kleiderberge? Hier friert niemand, stattdessen werden unsere Schneider arbeitslos. Ihnen geht es wie den Bauern. So kostengünstig kann niemand aus der afrikanischen Billiglohnwelt sein, dass er mit den gespendeten Produkten mithalten könnte. 1997 waren in Nigeria 137.000 Arbeiter in der Textilindustrie tätig, im Jahr 2003 waren es noch 57 000. Und so sieht es überall aus, wo überschäumende Hilfsbereitschaft auf fragile afrikanische Märkte trifft.

[...]

SPIEGEL: Was sollten die Deutschen tun?

Shikwati: Wenn sie wirklich die Armut bekämpfen wollen, sollten sie sich mit ihrer Entwicklungshilfe komplett zurückziehen und Afrika endlich die Chance geben, selbst für sein Überleben zu sorgen. Derzeit ist Afrika wie ein Kind, das immer gleich nach seinem Babysitter schreit, wenn etwas schief geht. Afrika sollte auf eigenen Füßen stehen.


Na gut, auf erneuter Anregung von Jorginho habe ich mir den thread nochmals angeschaut und sehe, dass Jorginho sein Eingangspost geändert hat.
Ich habe mir das ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen.

Ja, super, dieser afrikanische Anwalt verwehrt sich jeglicher Einmischung. Sehe ich jemanden blutend auf der Strasse liegen, gehe ich demnächst weiter. Schliesslich will ich die Erst-Helfer am Unfallort nicht arbeitslos machen. Und sollte ich den Schläger davon rennen sehen ... egal, wir bezahlen ja die Polizei dafür, diesen Verbrecher später dingfest zu machen ....
Wenn Kleider geliefert werden, handelt es sich nicht um Kleider gegen die Kälte. Vielleicht sollte jemand Shikwati darüber aufklären.
Das die Kleiderindustrie nicht nur aufgrund von Kleiderspenden darbt, sondern auch wegen den Produkten aus China, das sollte er zur realistischeren Darstellung der Situation erklärt haben. Was Shikwati so darstellt, ist Profanwirtschaft und verpauschaliert brutal ...

Ginge es nach jenem Anwalt, müssten wir einen Bretterverschlag um ganz Afrika zimmern und nach zehn Jahren abreissen, um zu sehen, ob sich alles verbessert hat. Vielleicht haben die sich ja alle in die Steinzeit zurückgeprügelt? Richtig, Afrika gab es vor Europa und auch vor Shikwati ... :roll:

Der Shikwati macht sich das ziemlich einfach.
Wenn ich Shikwatis Argumentation richtig verstanden haben, war das Wegsehen der ersten Welt bei den Massaker am Viktoria-See zwischen Tutsis und Hutus vollkommen richtig (zur Erinnerung: Radikale Kräfte in den Reihen der damaligen Hutu-Machthaber hatten gezielt die Ausrottung der Tutsi-Minderheit und die Ermordung oppositioneller Hutus betrieben. Binnen von nur 100 Tagen wurden 800.000 Menschen getötet, so dass sich sogar der Viktoria-See rot färbte). Gekonnt hatte die UNO auf die Hilfsgesuche des kanadischen Kommandanten des UN-Militärkontingents in Ruanda, General Roméo Dallaire, in Kigali angewiesen, nicht einzugreifen und wegzusehen. Spätestes da wussten die Hutu, dass sie für den Rest des Landes freie Bahn hatten.
Shikwati hat der UNO damals für deren gleichgültige Haltung wohl applaudiert :?: :!: :?:

Und was meinte der damalige UNO Vorsitzende Boutros Boutros-Ghali später dazu?
Wikipedia gibt ein Zitat von Boutros Boutros-Ghali wieder und hat geschrieben:
„Das wirkliche Problem ist die Gleichgültigkeit der westlichen Länder gegenüber der Probleme in der Dritten Welt. Sie sind bereit Milliarden auszugeben, wenn es um Probleme in Europa geht, oder dort, wo es sie gerade interessiert. Aber sie wollen keinen Cent ausgeben, wenn es um Afrika geht oder auch bestimmte Regionen in Lateinamerika.“


2002 geschah gleiches in Dafur. Shikwati müsste dabei wohl applaudieren.
Ebenso in Nigeria. Das Volk der Ogoni freut sich auch darüber, dass dort nicht eingegriffen wird und Bob Geldorf aus berufenen Munde in Richtung "naiv und spinnert" geschoben wird.

Spiegel hat geschrieben:
Geldof macht alles nur noch schlimmer [...] Geldof verstehe Afrikas Kernproblem nicht und bekämpfe die Symptome an Stelle der Krankheit, meint Mbeki. "Und diese Krankheit, Sir Bob, ist der schockierende Mangel an Rechenschaft, den afrikanische Regenten gegenüber ihren Bürgern ablegen. Die Staatschefs seien "eine Elite aus Politikern, Offiziellen und Generälen, von denen viele korrupt und inkompetent sind". Im Westen hätten nur wenige Politiker "den systematischen Diebstahl des Reichtums eines ganzen Kontinents durch seine eigenen Politiker" kritisch hinterfragt. Sie fürchteten, sich Rassismus- oder Neokolonialismus-Vorwürfen gegenüber zu sehen. [...] Nach eigener Aussage wollte Geldof die Staats- und Regierungschefs dazu drängen, die Hilfe für Afrika zu erhöhen, Schulden zu erlassen und Handelshindernisse aufzuheben.


Der oben genannte Moeletsi Mbeki ist der Bruder von Südafrikas Präsident Thabo Mbeki.
Interessant wird die Aussage dahingehend, dass ein Vorgänger seines Bruders Bob Geldorf ausdrücklich für "Live 8" gelobt hat und vor den Kameras das Ansinnen auch als vollkommen richtig bezeichnete: Nelson Mandela.
Interessanter noch, dass der SPIEGEL auf diesen fact in dem Artikel mit keinem Wort eingeht ...

Klar, die Kaste der Politiker hat einen verdammt erheblichen Anteil an den Scheiss, der dort passiert.
Okay, schauen wir einfach weg, so wie es Shikwati sagt und schaffen ein Ghetto mit Namen AFRIKA. Schaffen wir Handelshindernisse, erlassen keine Schulden und helfen Afrika nicht. Dann freut er sich wohl.

Vielleicht hätte er mal erkennen können, dass viele Geschäfte der ersten Welt, generell auf Kosten der Afrikaner gemacht werden und nur dort einige Proviteure gut damit leben. Und die Geschäftemacher sind Firmen der ersten Welt und nicht die dortigen (hiesigen) Politiker ... er verlangt eine Unschuld der ersten Welt, wo sie schon längst deren Unschuld verloren hat. Oder meint er eine Jungfrau entsteht dadurch wieder, dass man Nadel und Faden bemüht?

Als einzige Rechtfertigung für Shikwatis Aussagen gilt die recht bescheidene uninvestigative Frageweise des SPIEGEL-Reporters ... wahrscheinlich lassen sich darauf einige seltsame Antworten erklären lassen (ja, ich weiss, dass Shikwati sein eigenes Interview zur Redegierung vorgelegt wurde ...). Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so die Sachen meinte. Nur hätte SPIEGEL dann nicht die Schlagzeilen, wonach sie gieren ... :(



Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Meinung zu den SPIEGEL-Online Artikeln ...
BeitragVerfasst: 10 Jul 2005 23:33 
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Careca hat geschrieben:
Spiegel hat geschrieben:
[...]

Ginge es nach jenem Anwalt, müssten wir einen Bretterverschlag um ganz Afrika zimmern und nach zehn Jahren abreissen, um zu sehen, ob sich alles verbessert hat. Vielleicht haben die sich ja alle in die Steinzeit zurückgeprügelt? Richtig, Afrika gab es vor Europa und auch vor Shikwati ... :roll:

Der Shikwati macht sich das ziemlich einfach.
:(


Shikwati zeigt hier einen Grundgedanken auf, der immer wieder angesprochen wird, aber nun mal reine Theorie ist.
Nach der Entdeckung der wichtigsten afrikanischen Siedlungsgebiete hätte man (aus heutiger Sicht) eine Mauer um den Kontinent ziehen sollen und Afrika in dem Stadium lassen sollen, in dem es war. Eine Kultur, vielleicht 10.000 zurück.
Damals hatte Afrika so wenig zu bieten, das man sich außer Menschenhandel und ein wenig Gold und Diamanten kaum was von Afrika versprochen hat. Auch war das Land für damalige Verhältnisse sehr schwer zu besiedeln. Beides hat dafür gesorgt, dass die eingeborene Bevölkerung zumindest nicht wie in Amerika überwiegend ausgerottet wurde.
In der Folgezeit haben sich dann die Europäer „liebevoll“, aber halbherzig um den Kontinent gekümmert. Die Folge ist eine zerstörte Kultur, eine Führungsschicht, die nach Europäischen Maßstäben ausgebildet wurde, ohne unsere Werte zu übernehmen. Und inzwischen hat die Welt, wenn auch ein wenig verspätet, den Reichtum Afrikas entdeckt. Um den zu bekommnen, muss man heute mit korrupten Regierungen zurechtkommen, die man selber schuf. Und da passt ein uneiniger, von Bürgerkriegen zerrütteter Kontinent gut ins Konzept.

Leiderer ist der Vorschlag mit der Mauer, bzw. Bretterzaun im nachhinein nicht mehr durchführbar. Das Konzept mit der Hilfe zur Selbsthilfe wird auch nicht funktionieren, da ja die politischen Strukturen das gar nicht mehr zulassen. Alles Geld versickert in den Taschen der Regierenden.

Armes Afrika.

Gruß

Manfred

PS.: Dieses Thema kann man leider nicht in 3 Absätzen behandeln. Bei der Geschichte muß man auch berücksichtigen, das Teile Afrikas durch arabischen Völker "kolonisiert/erobert" wurden und die Europäer die Gebiete später nur "übernommen" haben. Das war schon nichts mehr zu retten, selbst wenn es jemand gewollt hätte.


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