Süd-Pantanal

Infos und Tipps zu Hotels, Pousadas, Städten und Regionen entlang des Giganten "Rio Amazonas" und rund ums Pantanal

Beitragvon Trem Mineiro » Mi 2. Mär 2005, 14:42

Hallo Micki und Ari und alle anderen

Ich lese eure Beiträge fleißig und mit Interesse mit. Ich habe den Pantanal-Trip bisher immer aufgeschoben, aber die Beiträge haben mich nun endgültig auf den Geschmack gebracht. Und mit den Infos ist die Planung auch kein Problem.
Vielen Dank.

Manfred
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Pantanal

Beitragvon brasil-network » Do 3. Mär 2005, 16:13

Hallo Brasilienfreunde

Gern geschehen. In Bonito würde ich darauf achten, dass Ihr eine Unterkunft findet, die sich im Städtchen befindet. Die besagte "Pousada Aguas de Bonito" ist diesbezüglich gut. Ich habe im Moment die Kontakt-Details nicht zur Hand, aber evtl. findet Ihr im "Netz" eine passende Anschrift resp. Site. Es gibt aber auch einige private Anbieter, die Euch sicher günstige Zimmer abgeben. Die "Pousada Olho d'Agua" ist wirklich nicht schlecht, aber es ist sehr ruhig dort und wer noch Abends schnell ins Städtchen möchte, der nimmt das Taxi. Einige Ausflüge führen aber bei der Pousada vorbei (Gruta do Lago Azul oder zum Tauchen) und spart sich so einige Minuten Autofahrt. Jedem das Seine!
Das Problem im Pantanal ist (und das hat der Lemi richtig eingeschätzt), dass die Anbieter von Serviceleistungen (Pousadas, Guides, etc.) hohe Preise verlangen, da es eben nicht Anbieter wie "Sand am Meer" hat.
Die Guides vor Ort sind wirklich gut und kennen jeden Stein. Sie haben sich zu einer "Gewerkschaft" zusammengeschlossen und bieten alle dieselben Preise/Leistungen an. Zudem sind die Preise sehr oft in US-$ publiziert. Wer auf eigene Faust vor Ort etwas sucht, wird oft negativ überrascht (kommt auf die Reisezeit darauf an).
Ich kenne viele Pousadas in diesem Teil des Pantanals (Mato Grosso do Sul) aus eigener Erfahrung. Ich empfehle Euch, eine Pousada auszuwählen, die wirklich gute Ausflüge und Serviceleistungen (Tierbeobachtungen, Sportaktivitäten, Gastfreundschaft, etc.) anbieten. Diese befinden sich aber nicht unmittelbar bei Bonito. Dies deshalb, weil sich die Tierreichste Gegend der Region um Miranda befindet. Im Internet gibt es einige Pousadas oder Fazendas die solche Ausflüge anbieten, doch ist nicht alles Gold was glänzt... Evtl. habt Ihr Referenzen oder von Kollegen etwas gehört (allenfalls geben wir Euch gerne den einen oder anderen Tipp ab. Kontaktiert uns einfach mittels e-Mail oder dem Postverkehr auf dieser Site).


Grüsse!


Ari
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Beitragvon Trem Mineiro » Di 6. Dez 2005, 00:29

Süd-Pantanal – Bonito

Endlich habe ich’s geschafft, nach einem Jahr Verzögerung ist es doch gelungen, mal ins Pantanal zu fahren. Wie schon von Lemi vorgeplant, ging es nach Bonito und von dort auf eine der Fazendas ins Pantanal.

Was in den vorherigen Berichten/Postings nicht so zum Ausdruck kam ist, dass Bonito nichts mit dem Pantanal zu tun hat. Bonito ist Farm- und Kulturlandschaft mit saftigen gründen Weiden, viel Viehzucht und glasklaren Flüssen. Diese Flüsse, die eigentliche Attraktion von Bonito, sind für Schnorchler und Taucher eine echte Wucht, haben angenehme Wassertemperaturen und einen enormen Fischreichtum. Man lässt sich mit einer Schwimmweste und einer Taucherbrille versehen den Fluss gemächlich herunter treiben und sieht den Fischreichtum der Gegend mal von unten. Die Fische sind nicht scheu, wenn man sich vorsichtig bewegt, kommt man ganz nahe heran. Piranhas und Krokos gibt es dort nicht.

Bonito verfügt über 3 exclusive Hotels mit einigen Sternen, allerdings in der Preiskategorie zwischen 400 und 800 Reais pro Nacht (verhandelt) einschl. Frühstück und einer Mahlzeit. Diese Hotels sind bis auf das teuerste sehr schnell voll mit Paulistas und Ausländern. Alle Ausflüge zu den Attraktionen, Gruta Lagoa Azul, Wasserfall Boca die Onca und diverse Tauchgelegenheiten und Fazendas etc. müssen vorgebucht werden. Das hält die Preise hoch, allerdings sind auch die Kapazitäten durch Umweltbestimmungen limitiert (kleine Gruppen – max. Tagesbesucher)
In Bonito gibt es natürlich auch reichlich Pousads so um die 100-120 Reais, allerdings sehr spartanisch und für diesen Preis überteuert. Ist halt nicht Bahia.
Wie mir ein lokaler Führer, ein Deutscher, der sich bereits 12 Jahre mehr recht und schlecht in Bonito durchschlägt erzählte, hat Bonito das Problem, das die eigentliche Saison aus Wetter/Regengründen sehr kurz ist. Über das Jahr verteilt sind das nur 3 Monate. Da drängt sich alles, die restliche Zeit wird von verirrten Einzel-Touristen bevölkert, mit denen wenig Geschäft zu machen ist. Und man zieht schnell weiter ins Pantanal.
Unsere Zeit, Ende November, ist vom Wetter her auch eine schwierige Zeit gewesen. Heftige Regenfälle, die über 12 Stunden gingen wechselten sich mit ein /zwei Tagen Supersonne mit Temperaturen bis zu 34°C ab. Das alles im 2-Tage-Wechsel. Wohl dem, der in einem der besseren Hotels saß. (Dach regendicht bzw. kräftige Klimaanlage)
Wir waren mit einem normalen Auto unterwegs, da uns 1750 km Anfahrt mit unserem Jeep doch zu anstrengend waren. Leider sind die Wege um Bonito und zu den Attraktionen hin alles Erdstraßen. In der trockenen Zeit sind sie mit einem normalen Auto, was nicht zu tief liegt, gut zu befahren. Jetzt bei den heftigen Regenfällen wäre mir mein Jeep lieber gewesen. Kurz vor Bonito haben wir auf der Asphaltstrasse eine Loch erwischt, da haben wir in Bonito (wohin wir es noch ohne Platten geschafft haben) einen gebrauchten Reifen günstig erworben. Originalreifen gab es leider nicht. Auf dem Weg von Bonito ins Pantanal (Miranda) haben wir uns dann an einem schönen Tag für die Erdstraße entschieden. Leider war da ein kleiner buckeliger Felsen im Wege, ein Schlag und das Motorschutzschild (peito de Aco) knallte ein wenig gegen die Ölwanne und die ließ dann das Öl munter laufen. Wir haben’s zum Glück sofort bemerkt und den Wagen gestoppt. Dank Hilfe von anderen Autofahrern, die uns in den Bereich des nächsten Antennemastes (und wieder zurück) fuhren, konnten wir die Versicherung erreichen, die den Abschleppdienst, Taxi und ein Billighotel in Bonito organisierte. Nach ca. 5 Stunden warten bei 33°C waren wir wieder in Bonito zurück. Nach einem weiteren, zum Glück verregnetem Tag, an dem ein findiger Automechaniker die Aluminium-Ölwanne geschweißt hat (Originalteile gab es auch hier nicht), machten wir uns dann wieder auf den Weg ins echte Pantanal.

Fortsetzung folgt

Viele Grüsse

Manfred
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Bonito

Beitragvon brasil-network » Di 6. Dez 2005, 06:37

Hallo Mani

Schön von diesem Bericht zu lesen! Deine Eindrücke sind richtig und lassen mich gerne an meinen letzten Besuch erinnern.
Was die "abzockerei" betrifft, übertreffen sich die Hotels Jahr für Jahr auf's Neue. Wir hatten im Oktober ein Paar dort, die auf eigene Faust eine gute Unterkunft für drei Tage gesucht haben.
Schlussendlich landeten Sie regelrecht im "schicken" Hotel (neben der Graslandepiste) und wurden "Brasilienmässig" über's Ohr gehauen....
Hochsaison, Gringo, kein Wort portugiesisch... die idealen Kunden für Bonito. Aber eben. Dafür hat sich die Reise dorthin trotzdem ausbezahlt. Die tolle Landschaft, die vielen Wasser- und Flusslandschaften sowie die Tierwelt in dieser Region sind einfach toll. Wie Du richtig geschrieben hast, sind die Strassen wirklich im schlechten Zustand und der tägliche Regen macht das Fahren dort zur Kunst.
Warst Du auch beim Tauchen? Wenn ja, erzähl den Besuchern von diesem Abenteuer.

Gruss

Ari
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Beitragvon Trem Mineiro » Di 6. Dez 2005, 13:33

Oi Ari
Bonito ist nicht grade billig, aber ich fühlte mich nicht „abgezockt“, rein theoretisch hätte man auch was Günstiges finden können, dann aber sehr spartanisch. Aber echt, wer als Naturfreund nach Bonito kommt, nimmt auch ein einfaches Hotel in Kauf.
Was nicht so erfreulich ist, sind die Spritpreise. Im Staat Sao Paulo kostete der Sprit noch Reais 2,25, als ich mit leerem Tank über die Landesgrenze nach Mato Grosso do Sul kam, das Grenzstädtchen hieß Tres Lagoas, traf mich der Schlag. Gasolina Comun lag bei 2,74 Reais. Da wäre ich beinahe wieder zum Tanken zurück gefahren. Je weiter wir nach Westen fuhren, um so teuer wurde dann der Sprit. In Corumba, wo ich mich dann erst gar nicht hintraute, war der Preis wahrscheinlich über der Schallmauer von 3 Reais. Zurück in Belo fiel der Preis wieder auf 2,16 Reais. (Wenn ich dran denke, dass unser Jeep bei flotter Landstraßenfahrt um die 16 Liter braucht, war ich froh, dass der zuhause stand).

Ein besonderes Angebot in Bonito waren die Tauchgänge. Es existieren einige Grotten, Höhlen etc. in die man unter professioneller Anleitung, entsprechend der Tauchbefähigung (Tauchschein) Touren unternehmen kann. Höhepunkt ist das „Abismo Anhums“ eine Grotte, in die man sich 70 Meter abseilen muss (wird vorher geübt) und wo man dann in einem unterirdischen, fußballfeldgroßem See tauchen kann. Tiefe bis zu 15 Meter.

Für Nicht-Taucher ist das "Aquario Natural" die bevorzugte Option zum Schnorcheln. Als Brillenträger hatte ich da leider so meine Schwierigkeiten.

3 Tage Bonito fand ich als ausreichend und so machten wir uns dann (zum 2. mal) auf ins wirkliche Pantanal.

Viele Grüsse

Manfred

Man kann in Bonito auch einfache Tauch-Grundkurse machen, Ausrüstung wird gestellt.
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Beitragvon Trem Mineiro » Di 6. Dez 2005, 14:50

Oi Gente
Da unser eigentliches Ziel ja die Flora und Fauna des Pantanal war, erkundigten wir uns in unserem Hotel nach Ausflügen dorthin. Wir mussten feststellen, das es bis dorthin noch recht weit ist, über Erdstraßen (72 km) und den Rest auf Asphalt (52 km) mit Kratern nur um auf die Bundesstraße zwischen Campo Grande und Corumba zu kommen. Von dort aus geht es dann noch zwischen 50 und 70 km weiter ins eigentliche Pantanal. Die angebotene Tagestour auf eine Fazenda, Abfahrt mit dem Bus um 5:00, Rückkehr irgendwann nachts, das ganze für 100 Reais pro Person, fanden wir dann für doch zu stressig und auch zu kurz für Besichtigungen.
Wir entschlossen uns also zum Umzug auf eine Hotel-Fazenda nord-westlich von Miranda. Hier wurden uns 2 Optionen angeboten: Hotel-Fazenda Kaiman, 750 Reais pro Nacht und Fazenda San Francisco für 460 Reais, jeweils DZ mit Vollpension und Abenteuerprogramm. Obwohl uns die Reklame der Fazenda San Francisco uns ein wenig wie die Kaffeefahrten zu Heintje's Freizeit-Bauernhof-Rummel in Holland anmuteten, schlugen wir zu, auch weil die noch teuere „Kaiman“ ausgebucht war.
Wir wurden allerdings positiv überrascht. Die Pousada war ruhig gelegen, weitläufig, mit einfachen, sauberen, aber praktischen Zimmer. Mückenfrei und mit Klima-Anlage. Auch das Essen war einfach, aber schmackhaft. Das recht junge Team war freundlich, engagiert und flexibel. Obwohl die Fazenda wohl auch das Ziel dieser Tagestourbusse ist, wurde der Pausadabetrieb davon nicht beeinflusst.
Die Fazenda ist allerdings ein (industrieller) Landwirtschaftsbetrieb mit Viehzucht und maschinellem Reisanbau, was der Idee des Pantanal als Naturreservat eigentlich widerspricht. Die Fazenda hat eine Größe von 15.000 Hecktar, davon sind 4-6000 Hecktar bewirtschaftet (vorwiegend Reis) 8.000 Hecktar sind als Natur-reservat ausgewiesen. Die Fazenda bietet folgende Exkursionen an:
Rundritt zum Kennen lernen der Fazenda-Struktur, der Viehzucht und der näheren Umgebung der Pousada an. Zu beobachten sind viele Vögel, Tamanduás, Jacarés etc. wobei man zu Pferd in der Regel näher and die Tiere herankommt.

Kanu-Tour auf einem Seitenarm des Rio Miranda, mit Vogelbeobachtung und Piranha-Fischen. Da der Tag sehr regnerisch und bewölkt war, gab es sehr viele Vögel, auch seltenere Arten. Dauer der Tour so um die 2 Stunden, da die Strömung sehr gering war, wurden auch ungeübte Paddler nicht überfordert, denn rudern musste man selbst. Die Ausrüstung war in sehr guten Zustand, die Boote leicht, mit Breitarsch, also auch für ungeübte sehr sicher. Schlimm waren die Mücken, was aber bei einer Bootstour zu erwarten war. Auch die gängigen Anti-Mücken-Mittel nützen wenig. Gut sind lange Hosen zum zubinden, lange Ärmel, alles aus leichten, aber groben Stoff, die Mücken haben sogar versucht sich durch die Schwimmwesten zu bohren.

Nach dem Abendessen gab es dann eine Nachtsafari mit dem Geländewagen, auf dem waren in Etagen 10 gepolsterte Sitze montiert, ganz oben saß ein Führer mit einem starken Scheinwerfer, die die Gegend nach Tieren absuchte. Die Ausbeute war enorm. Lobo Guara, (kleiner Wolf) Cachorro do Mato (Füchse) Capivaras en masse (Wasserschweine) Rehwild, Eulen, Jaguaricas (kleine Jaguar-ähnliche Wildkatzen) Tamanduá Bandeira (großer Ameisenbär) Tatú (Gürteltier) und einige große Kaimane auf dem Weg . Die Kanäle sind voll mit den orange leuchtenden Augenpaaren der Jacarés. Ein Tipp für die Nachtfotographie. Mit Fotoapparaten, normal oder digital, ist wohl keinem meiner Mitfahrer ein vernünftiges Foto gelungen, da das Suchscheinwerferlicht nicht ausreicht und die Reichweiter eines Blitzes doch auf max. 5 m begrenzt ist. Da geht es nur mit einer Video-Kamera, 10-fach Zoom, am besten noch mit einem Telekonverter auf 20-fach verbessert. Da die Kamera praktisch kein Licht braucht, reichte der Suchscheinwerfer sogar für gute, helle Farbbilder aus.

Damit war der erste Tag beendet, wer an diesem Abend nicht müde war, muss eine super Kondition haben. Nach einem noch gereichten Kaffee oder Pinga ging’s in die Falle. Auch hier ist anzumerken, dass die Ausrüstung des Wagens sehr sicher war und auch stabil, die Führer ihre Erklärungen, auch der Tiernamen, zumindest auch in Englisch abgeben konnten.

Fortsetzung folgt.

Manfred
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Beitragvon Trem Mineiro » Mi 7. Dez 2005, 13:25

Süd-Pantanal – Miranda

Das Leben auf der Fazenda wurde über Nacht interessanter, eine Reisegruppe aus dem Commonwealth war eingetroffen. Engländer, Kanadier, Australier und ein Singapurianer, alle gemeinsam unterwegs seit 40 Tagen, unterwegs auf einer Südamerika-Rundreise. Der Führer der Gruppe ein Deutscher, sein Kollege ein Pantaneiro-Indianer. Das Gros der Gruppe besteht aus Frauen so um die 25-30. Die Mannschaft der Fazenda gibt sich plötzlich noch mehr Mühe.
Am nächsten morgen steht die Tag-Safari an. Jetzt geht es durch die Reisfelder. Die passen zwar nicht so ganz ins Pantanal, da die Felder aber von Bewässerungskanälen durchzogen sind und auch feucht gehalten werden, ist das ein Paradies für Vögel.
Diverse Raubvögel wie Gaviao-Rei, Carcaras, die verschiedenen Fischreiher wie Tuiuiu (Ibis), Cegonhas (Reiher), unzählige Papageienarten wie Periquitos, Periquitos principe negro, Araras, dazu chico-magros, biguas (Eisvögel) und Arten, deren Namen ich nicht behalten habe oder niemand kannte. Dazu trafen wir immer wieder auf Capivaras (Wasserschweine), Warane und Kaimane, wobei sich letztere in der prallen Sonne aufwärmten. Auf den Trockenflächen gab es öfters Emas (Strauße) und Seriemas. Da wir im Bereich der Reisfelder praktisch keine Mücken hatten, ging es nun an den Fluss Rio Miranda. Dort konnte man über Holzstege die überfluteten Uferregionen und Sumpflandschaften besuchen. Da das Wasser durch die starken Regenfäller der letzten Tage um ca. 1 m angestiegen war, gab es dort leider kaum Tiere zu beobachten, dafür aber Unmengen von Mücken. Dort sind auch Lodges für Fischer (Angler) errichtet, irgendwie müssen Angler resistent gegen Mücken sein. Wir waren es nicht.

Nachmittags stand eine Bootsfahrt auf einer Chalana an, die Attraktion war Piranha-Fischen. Aber auch hier hatten wir kein Glück. Durch das grade angestiegene Wasser hat sich das Nahrungsangebot der Fische so erweitert, das sie aus dem schiffbaren Teil der Flusses in die unzugänglichen Uferregionen verschwunden waren. Wir hatten einige Piranhas als Köder mitgenommen mit denen unser Führer versuchte, Eisvögel zu ihren Tauchmanövern zu verleiten, aber auch diese waren zu satt und reagierten nicht. Dieser Tag war sehr heiß, was wohl allgemein für Beobachtung der Fauna nicht günstig ist. Allerdings gab es doch noch ein außergewöhnliches Erlebnis. Plötzlich tauchte ein Kaiman auf, riesengroß, uralt, so um die 30 Jahre. Für ihn opferten wir unsere letzten Piranhas und erhielten im Gegenzug dafür erstklassige Photos. Später stellte sich heraus, das der Kaiman einen Namen hatte, „Mala“ – übersetzt bedeutet das Koffer, ist aber eine Bezeichnung für einen Gast, der uneingeladen immer vorbeikommt, mitisst und dann wieder verschwindet. Unser „Mala“ gehörte praktisch zum Touristenprogramm dazu. Auf der Rückfahrt wiederholte sich die Fütterungsaktion noch einmal. Unsere Engländer hatten diese Erklärung allerdings nicht bekommen und glauben wohl immer noch an das gefährliche Zusammentreffen mit einem wilden Kaiman.

Zum Abschluss des Tages gab es ein Churrasco Luar irgendwo in der Pampa, halber Ochse am Spieß über offenen Feuer gegrillt. Dazu Caipirinhas und Sertaneja-Musik. Um dem Überschuss an Engländerinnen abzuhelfen, hatten sich wohl alle männlichen Bediensteten der Fazenda zur Verfügung gestellt. Ach ja – Engländerinnen vertragen wohl doch keine Caipis, am anderen morgen war kaum jemand beim Frühstück.

Zum Abschluss der Exkursionen haben wir dann noch mal eine Cavalgada organisiert, die uns in die Busch-Reservate führte. Die Fazenda bietet sehr gute Pferde an, Mangalargas und Campolinas, mit denen das Reiten auch für den ein wenig anspruchsvolleren Reiter Spaß macht. Da jetzt die Reiter unter sich waren ging’s für 3 Stunden ins Gelände wobei wir es schafften, die Bruthöhle eines auch dort seltenen Aras Azul zu beobachten. Das Elternpärchen kehrte grade zurück.

Abschließend ist zu sagen, dass sich der Besuch auf der Fazenda gelohnt hat. Man kommt sich zwar ein wenig wie in einem eingezäunten Safari-Park vor, aber gleichzeitig hat man eine Konzentration von frei lebenden Tieren, wie man sie außerhalb der Fazenda im Pantanal kaum findet. Wer will schon zig Kilometer mit dem Auto fahren oder Wandern um mal ein Tamandua oder ein Jacare zu sehen. Dazu läuft der ungeübte Tourist an den meisten Tieren vorbei, es ist schon verblüffend, was so ein Führer einem alles zu zeigt und auch erklärt. Die Vorteile kompensieren den relativ hohen Preis für die Übernachtungen auf der Fazenda.

Uns fehlte jetzt nur noch eine Fahrt auf der „Estrada Park“ die uns ein wenig weiter ins Pantanal hereinführen würde. Da der Führer, der uns diese Fahrt angeboten hatte, aber über keinen Geländewagen verfügte und wir den erst im 40 km entfernten Miranda hätten organisieren müssen, haben wir das mit Rücksicht auf unseren grade reparierten Picasso dann sein lassen. In trockeneren Zeiten ist das befahren dieser Erdstraße mit normalen Autos aber möglich.
Wir werden sicher noch mal in Pantanal zurückkommen und dann die Erfahrungen, die wir bei dieser ersten Reise machten nutzen, um noch mehr von der unberührten Seite des Pantanals zu sehen. Für diese Reise war die Zeit, es regnet viel bis Weihnachten, nicht so günstig. Aber nächstes Mal wird alles besser.

Viele Grüsse

Manfred
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Mala - unser Kaiman
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Ibis - Tuiuiu
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Beitragvon Trem Mineiro » Di 13. Dez 2005, 03:37

Oi Gente

Zur Ergänzung der vorstehenden Berichte über Bonito und das Pantanal nachstehend der Link zu meinem Foto-Album.

http://manfred-schulz.medion-fotoalbum.de/

Das Album ist noch nicht ganz fertig, aber das ist mal der Anfang. Viel Spaß beim anschauen

Manfred
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Re: Süd-Pantanal

Beitragvon david » Mo 5. Jan 2009, 15:50

hallo miteinander
gespannt habe ich hier die vielen berichte vom pantanal bzw. bonito gelesen. danke auch an die vielen hilfreichen tipps, die ich aus den beiträgen entnehmen durfte.

ich werde im Mai für 4 monate nach südamerika gehen, wo ich auch das pantanal udn dessen region besuchen werde.

vermutlich werden wir von campo grande aus richtung bonito/pantanal stechen. nun noch einige fragen:
- sehe ich richtig, dass es ohne probleme geht einen bus zu nehmen richtung miranda bzw. bonito?
- preislich ist das ganze sehr hoch, wie ich ich sehe. ist es als rucksacktourist überhaupt noch zu bezahlen? (pousada olho d'agua in bonito kostet ja schon über 70 euro/nacht im 09. und da gehe ich ja davon aus, dass hier ja noch kein guide und keine tour dabei ist)
- auf den fanzendas sind die touren dabei, wie ich hier entnommen habe. bucht man da dann so quasi ein arrangement für 5tage? oder wie habt ihr das genau gemacht? sehe ich richtig, dass auch diese fanzendas ohne probleme mit bus/taxi erreichbar sind?

das problem das ich allgemiene habe ist halt, dass ich nur mit tax/bus mobile sein kann, da es uns vom alter her fast unmöglich ist ein auto in südamerika/brasilien zu bekommen) (unter 25 geht da gar nix) viele schreiben hier von jeep und co... wie sieht es eben mit taxi/bus aus? (touren selber von der fanzenda oder von bonito aus, sind ja kein problem, da mit guide. aber mann muss ja mal ohne eigenes auto zu den guten fanzendas/pousadas kommen...

herzlichen dank scho jetzt für den einen oder anderen tipp!
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Re: Süd-Pantanal

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 5. Jan 2009, 21:17

Hallo David
Ich glaube, es ist in ganz Brasilien kein Problem, mit dem Bus überall hinzukommen, die Leute ohne Auto (und ohne Geld für ein Taxi) sind ehr in der Mehrheit. Das Problem für die Touristen sind die fehlenden Sprachkentnisse. Aber irgendeine(r) wird dir schon helfen.

Wenn du lange genug suchst, wirst du auch in Bonito was billiges finden, ein wenig Zeit nehmen und halt auf Komfort verzichten, aber das macht den Backpacker ja wohl aus.

Auch die Fazendas kann man gut mit dem Bus erreichen (mit dem Taxi von CG zu weit). Die Touren spielen sich alle innerhalb der sehr großen Fazendas ab. Hierzu der Tip: Ich wurde mal von Deutschen angeschrieben (s. irgendwo steht ein anderer Thread) die so ein Fazenda-Paket vorab buchen wollten. Zu einem Schweinepreis in Euro. Wir haben dann spaßhalber das gleiche Paket auf portugisisch mit einer brasilianischen E-Mail-Adresse angefragt und das Paket zum gleichen Preis, aber in Reais (also um den Faktor 3 billiger) bekommen. Also lass einen Brasilianer anrufen, Voraus-Buchungen je nach Saison scheinen aber empfehlenswert zu sein.

Ich schreibe immer von diesen Fazendas beiMiranda, weil ich da gute Erfahrung gemacht habe, dass heißt aber nicht, dass es dort auch noch andere billigere Möglichkeiten gibt, das Pantanal zu erleben. Ich würde mich mal spätestens in Campo Grande nach alternativen erkundigen.

Viel Spaß dort, wird Zeit, dass ich mal wieder hinkomme

Manfred
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