alleswirdgut hat geschrieben:
....habe gerade schon mal auf die Karte geschaut, ob wir wohl auch weit genug weg sind. Ob 3.000 km reichen???
...
Tchernobyl ist auch ziemlich weit von Deutschland weg ...
Ich dachte, daß man das als Fake identifizieren kann ohne Fachmann zu sein.
Was mich an der ersten Nachricht stutzig gemacht hat, daß kein Hersteller oder Reaktortyp angegeben ist. Und dann die Größe und Kosten: ein Mini-AKW mit 40 MW und 30 Mio. Dollar. Da könnte man zynisch "small and beautiful" sagen, Nukleartechnologie angepaßt an die Bedürfnisse der Dritten Welt.
40 MW reichen gerade mal für eine kleine Kleinstadt. Aluminiumschmelzen brauchen enorm viel Energie, und zwar elektrische Energie. Von der Größenordnung habe ich offen gesagt keine Ahnung.
Wirtschaftliche AKWs haben über 1200 MW. Für ein AKW braucht man eben Druckbehälter, Wärmetauscher, Kühltürme, Operationszentrale unabhängig von der Größe auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik. Und das kostet! Und vor allem die spätere Stillegung und Demontage, die in den 30 Mio. sicher nicht eingerechnet ist. Ich wüßte auch nicht, ob ein wirtschaftlicher Reaktor in dieser Größenordnung auf dem Markt zu haben ist.
Inzwischen habe ich weiter gesucht.
Es soll sich um einen "Simplified Gas Cooled Reactor" mit inhärenter Sicherheit handeln. Das bedeutet wohl, daß es aufgrund des Konstruktionsprinzips nicht zu einer Kernschmelze kommen kann.
Über neue Reaktortypen habe ich diese Site des US-Energieministeriums gefunden
http://www.eia.doe.gov/cneaf/nuclear/page/analysis/nucenviss2.html
Danach gibt es nur einen Reaktor von Toshiba in dieser Größenordnung, der noch weit von der Produktionsreife entfernt ist. Sodium cooled heißt gekühlt mit Flüssignatrium. Ein Konzept, das man meines Wissens in Europa wegen der Gefährlichkeit (brennbar!) aufgegeben hat.
Natürlich kann ein ausländischer Betreiber in Surinam ein AKW errichten und in Betrieb nehmen. Einen TÜV gibt es wohl eher nicht.
Zur politischen Situation in
Surinam:
Die Militärdiktatur und der Bürgerkrieg sind seit langem beendet, aber von einer stabilen Demokratie kann man nicht sprechen. Es gibt einen internen Rassenkonflikt zwischen Kreolen einerseits und Indern und Javanern andererseits, und einen externen, meines Wissens noch ungelösten, Grenzkonflikt mit
Guyana. Deutschland dürfte keine Ausfuhrgenehmigung für Nukleartechnik erteilen und die anderen als Herkunftsländer der Investoren genannten Länder auch nicht.
Bei Lieferanten wie Iran oder Nordkorea wird die "imperialistische Regionalmacht" Brasilien ganz sicher ein Veto einlegen.
Bis dann,
Bequimão