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Theologe Frei Betto: In Brasilien wird systematisch gefoltert
Sao Paulo, 18.7.06 (Kipa) In Brasilien wird nach Aussage des Befreiungstheologen Frei Betto fortdauernd und systematisch gefoltert. Hauptbetroffene seien Häftlinge sowie Arme und Verelendete, die man bestimmter Delikte verdächtige, schrieb der Dominikaner und frühere Präsidentenberater unter Staatschef Luis Inacio Lula da Silva in der Tageszeitung Folha de Sao Paulo (Dienstag).
Der Staat greife zu Methoden, die man seit dem Nationalsozialismus für überwunden gehalten habe, so Frei Betto. Als erschütterndes Beispiel nannte er das Gefängnis von Araraquara nahe Sao Paulo. Die Anstalt sei erst kürzlich in ein "Konzentrationslager" verwandelt worden.
1.440 Insassen in Gefängnis für 160 Personen
Brasiliens katholische Gefangenenseelsorge hat zuletzt gemeinsam mit nationalen Menschenrechtsorganisationen bei den Vereinten Nationen gegen die dortigen Haftbedingungen protestiert. Demnach wurden 1.440 Insassen in einen für höchstens 160 Personen geeigneten und von hohen Betonmauern umgebenen Hof gepfercht. Das Essen sei von oben in die Menge der fast nackten Gefangenen geworfen worden. Zur Entlassung bestimmte Häftlinge würden mit einem Seil hochgezogen. Während der Fussball-WM fand die Klage in- und ausserhalb Brasiliens fast keine Aufmerksamkeit.
Folterungen anzeigen
Frei Betto rief seine Landsleute auf, Folterungen mutig anzuzeigen. Es dürfe keine Angst mehr geben, Gräueltaten, die im Namen des Staates und des Gesetzes begangen würden, öffentlich anzuprangern. Journalisten, Anwälte und Richter müssten sensibilisiert werden.
Auch Brasiliens oberster Rabbiner Henry Sobel hatte zuletzt beklagt, dass Foltermethoden aus der Diktaturzeit weiter routinemässig angewandt würden. Menschen würden misshandelt, um sie zu Geständnissen über Taten zu zwingen, die sie gar nicht begangen hätten. Die Gesellschaft schweige oder applaudiere gar. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung heisse derartige Polizeigewalt gut. Gleichgültigkeit fördere Menschenrechtsverletzungen, warnte der Rabbiner.
(kipa/b/job)
Gruss brasilmen Thomas
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