Trekking am Amazonas - Pico Neblina

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Trekking am Amazonas - Pico Neblina

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 27. Jun 2005, 14:06

Blumenküsser und Jararaca-Bisse

Faultiere, Anakondas, Tukane - der Dschungel am Amazonas ist reich an Tieren und fast undurchdringlich: Mit einer Geschwindigkeit von 800 Metern pro Stunde kämpft sich eine Expedition durch das Reservat der Yanomami zum Pico de Neblina.

Manaus - "Vorsicht, nicht bewegen!" Beunruhigt schaut Branco ins Dickicht. Alle halten den Atem an. Selbst die einheimischen Proviantträger verhalten sich ganz ruhig. Plötzlich holt Branco blitzschnell mit seinem Stock aus und schlägt zu. "Eine Jararaca, das hätte gefährlich werden können", sagt der Schlangensucher. Die braun-schwarze, zwei Meter lange Viper gehört zu den giftigsten Schlangen im brasilianischen Amazonas-Regenwald. "Wenn sie dich gebissen hätte, wäre es vorbei gewesen."

Die Dschungeltrekkingtour hat kaum begonnen und schon machen die Beine vor Aufregung schlapp. Rund zwölf Tage dauert das Wanderabenteuer durch den Regenwald zum Gipfel des Pico da Neblina, dem höchsten Berg Brasiliens, im Grenzgebiet zu Venezuela und Kolumbien. Der Weg führt durch den gleichnamigen Nationalpark. Nur wenige Trekking-Expeditionen dürfen jährlich in das von Yanomami-Indianern bewohnte Schutzgebiet. Die Regenwaldregion, die zu den entlegensten Landstrichen der Welt gehört, wurde kurzzeitig in den achtziger Jahren bekannt, als Goldsucher ein Massaker unter den Indianern anrichteten. Die erst Anfang der sechziger Jahre entdeckten Yanomamis leben immer noch weit ab jeglicher Zivilisation.

Flussdelfine umspielen das Boot

Von Manaus aus fliegt die Trekking-Gruppe noch 850 Kilometer mit einer kleinen Cessna in den Regenwald hinein. Von São Gabriel de la Cachoeira dringt sie per Jeep über erdige Dschungelstraßen weiter nach Norden. Immer wieder bleibt der Wagen in tiefen Schlammlöchern stecken. Nach einer Weile weiß jeder, was zu tun ist: raus aus dem Wagen, barfuß bis zu den Knien in den Matsch und mit Händen und Baumstämmen den Jeep heraushieven.

Endlich steigen die Abenteurer aufs Boot um: Auf dem Rio Negro und seinen Ausläufern geht es immer tiefer in den Dschungel hinein. Kleine Flussdelfine begleiten das Boot. Riesenotter spielen vergnügt in den Wellen, die das Boot erzeugt. Bunte Papageien, Fischreiher, Aras und Kormorane fliegen von einer Uferseite zur anderen.

Trekking am Amazonas: Von Manaus geht es in nordwestlicher Richtung zum Pico da Neblina

Bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit und 50 Grad Celsius ist eigentlich Zeit für ein Bad, doch ein Blick ans Ufer und die Badehose bleibt im Gepäck: Riesige Kaimane liegen in der Sonne und behalten das winzige Boot genau im Auge, bis zu sechs Meter lange Anakondas hängen auf dicken Baumästen dicht über dem Wasser, und die berühmt berüchtigten Piranhas laden auch nicht gerade zum Badespaß ein.

Eines Morgens kommt hinter einer Flussbiegung eine kleine Siedlung von Yanomami-Indianern mit Yuccapalmen, Mango- und Papayabäumen zum Vorschein. Die Kinder, die zuvor noch unbesorgt im Wasser gespielt haben, erschrecken, als das Boot um die Kurve biegt. Vom Uferrand aus beobachten ältere Stammesmitglieder skeptisch, wie das Boot an der Siedlung vorbeigleitet. "Sie trauen uns immer noch nicht. Nur zu gut haben sie noch die Goldsucher in Erinnerung, die gnadenlos über sie herfielen, Krankheiten einschleppten und ihr Wild jagten", erklärt Dschungelführer und Archäologe Ari Silva.

Er kennt die Gegend und ihre Menschen so gut wie kein Zweiter. Vor wenigen Jahren hat er für das brasilianische Militär die Region vermessen, da es keine Landkarten des unerforschten Indianerschutzgebietes gab. Erst jetzt hat die Regierung ein Biologenteam in den Naturpark geschickt, um zu erkunden, welche Tierarten im entlegensten Winkel des Landes leben.

Gegen Mittag stellt Jeremias, der bisher das Boot durch die Stromschnellen gelotst hat, den Motor aus. "Aussteigen, jetzt geht's zu Fuß weiter", kommandiert Silva. Der Trupp setzt sich in Bewegung, allen voran Schlangensucher Branco. Mit seiner Machete schlägt er den Weg frei. Die Antwort auf die Frage an Ari Silva, wie viele Kilometer es bis zum Gipfel des Pico da Neblina sind, ist beunruhigend: "Wir zählen hier nicht in Kilometern, sondern in Stunden. Für 800 Meter brauchst du ungefähr eine Stunde in diesem Urwald." Das bedeutet noch drei Tage Fußmarsch bergauf und drei Tage bergab.

Branco erklärt, wo Schlangen am liebsten liegen, erzählt von Königsschlangen und riesigen Vogelspinnen. "Am meisten müsst ihr euch vor der Schwarzen Mamba in Acht nehmen - ein Biss und ihr seid in wenigen Minuten tot." Um ihr Revier zu verteidigen, verfolge sie Eindringlinge sogar.

Gewandert wird von 7 Uhr bis zur Dämmerung. 60 Meter hohe Urwaldriesen säumen den Weg. Mehr als 3000 Baum- und 2000 Vogelarten gibt es hier. Die Vielfalt der Fauna ist atemberaubend. "Sieht du dort? Ein Blumenküsser." Expeditionsführer Ari zeigt auf einen bunten Kolibri. Mit bis zu 100 Flügelschlägen in der Sekunde können die winzigen Flugakrobaten quasi in der Luft stehen bleiben, um Nektar aus den Blumen zu saugen.

Immer wieder huschen Affen durch die Baumkronen, kreuzen fingerlange Riesenameisen den Pfad. Tukane, Faultiere, Tapire und Schmetterlinge in den buntesten Farben sind zu beobachten. In der Ferne brüllt ein Jaguar. Der Weg ist beschwerlich, die Steigungen sind enorm. Teilweise muss die Gruppe an gigantischen Baumwurzeln und Lianen hochklettern, dann wieder kleine Flüsse durchqueren. Wenn es regnet, werden die Lehmpfade zur Rutschpartie.

Vogelspinne im Schlafsack?

Abends heißt es, Feuerholz sammeln, und die Hängematten zwischen die Bäume spannen. Plötzlich nähert sich jemand dem Feuer. Ein Yanomami hat das Licht gesehen. Zwar mögen die Indianer keine Fremden, doch der Mann braucht Medizin für seine Frau. Zum Tausch hat er geräucherte Piranhas und einen halben Kaiman mitgebracht.

Die nächtliche Geräuschkulisse ist so unheimlich wie beeindruckend. Alle liegen in Hängematten und fragen sich, ob das Tier, das unten am Boden diese komischen Laute von sich gibt, wohl giftig sei. Der Blick in die hohen Baumwipfel, durch die der Sternenhimmel funkelt, weckt auch keine Vertrauen: Wird eine Schlange herunterfallen oder eine Vogelspinne in den Schlafsack krabbeln? Aber das monotone Quaken der Frösche lässt die Gruppe schnell in tiefe Träume versinken. Der ohrenbetäubende Weckruf bei Sonnenaufgang kommt von Brüllaffen und Aras. Weiter geht es in nassen Klamotten - bei der Luftfeuchtigkeit bleibt kein Kleidungsstück trocken.

Nach zwei Tagen lässt die Gruppe den schwülen Dschungel hinter sich. Es geht bergauf, die Vegetation wird lichter, die Luft kühlt ab. Schließlich ist das Basiscamp auf 2000 Meter Höhe erreicht. Zum ersten Mal sieht die Gruppe die Spitze des 2994 Meter hohen Gipfels des Pico da Neblina - und das bei strahlend blauem Himmel. Meist liegt die Bergspitze im Nebel.

Durch tiefen Schlamm kämpft sich die Gruppe am nächsten Morgen weiter aufwärts. Die letzten 300 Meter sind eine reine Kletterpartie. Angeseilt geht es über kleine Wasserfälle und Abgründe, dann ist der Gipfel erreicht. Für die völlig Erschöpften ist der Blick auf das Amazonas-Becken atemberaubend. Eine Steilwand führt 1000 Meter in die Tiefe. Das Gefühl, zu den 150 Personen zu gehören, die jemals hier oben waren, lässt die Anstrengungen vergessen. Auch die Blasen an den aufgeweichten Füßen sind jetzt unwichtig. Schnell werden die Zelte aufgebaut, dann ruhen alle Blicke auf dem Sonnenuntergang.


Quelle Spiegel-online

Gruß

Manfred
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Beitragvon thomas » Mo 27. Jun 2005, 15:04

Hihi.. ob es sich hier um unseren Onkel Branco handelt ? :P
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Beitragvon Zambo » Mo 27. Jun 2005, 15:18

Klingt nach Spiegel-Kitsch, da es schwarze Mambas (Dendroaspis polylepis) nur in Afrika gibt.
Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, daß man sie ignoriert.
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Beitragvon Trem Mineiro » Mo 27. Jun 2005, 17:59

Oi Zambo
Der Spiegel-Autor läßt dir ausrichten, dass es nachts egal ist, ob sie nun grün oder schwarz ist. Lauuuffffff einfach ....... :lol: :lol: :lol:
Kannst den Tipp auch für die nächste Afrika-Reise benutzen.

Gruß

Manfredo
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Der Urwald

Beitragvon TOMMY » Fr 30. Sep 2005, 07:04

Hallo Trem Mineiro,
war für dich bestimmt ein heisses Abenteuer mal den Rio Negro flussaufwärts bis São Gabriel da Cachoeira zu reisen und an einer Expedition teilzunehmen.
Ich sage ganz ehrlich, dass ich so weit oben noch nicht war, aber ganz bestimmt 2006 dorthin kommen werde. Die Ziele sind gesteckt.
Dein Bericht über den "Pico da Neblina" ist super geschrieben für Laien.
Die Erfahrenen wissen, dass es schwer ist Tiere im Wald zu sehen, da sie von uns Menschen flüchten und ich kann mir kaum vorstellen, dass du in jeder Astgabel 6m lange Anacondas gesehen hast. Das ist unwahrscheinlich, auch wenn man irgendwie tief im Wald ist.
Alle Tiere sind scheu und suchen erstmal die Flucht.
Mit über 10 Jahren direkter Dschungelerfahrung hab ich viel gesehen, auch Anacondas, aber mit viel Glück, aber nicht mehrere auf einmal.
Wenn du mehrere auf einmal gesehen hast und dann alle so ca. 6 m. wäre das ein Phänomen.
Oder landen wir dann bei dem Spielfilm "Anacondas", der im Parana do Ariaú gedreht wurde mit der 40m langen Computer-Anaconada :-)
Ich freue mich, dass du São Gabriel und die Umgebung besucht hast, aber bleib doch ehrlich und "auf dem Teppich", wie die Deutschen zu sagen pflegen.
Erzähl doch, was du wirklich gesehen hast. Das muss ne ganze Menge sein, denn dort gibt's ja wirklich noch teilweise unberührte Natur.
Ich kann verstehen, dass Vögel, Schmetterlinge und Faultiere nicht so ankommen wie deine "wilden". Aber auch diese Eindrücke sind wichtig.
Seh es einfach mal so wie es wirklich ist.
Grüsse nach BH
Schick mir mal ne Mail mit deiner Tel.Nr., würde gern mal mit dir am Telefon quatschen, okay?
Liebe Grüsse aus Manaus, dem Herzen Amazoniens,
TOMMY
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Beitragvon Lemi » Fr 30. Sep 2005, 09:53

Oi Tommy,

ich glaube, dass bei Trem Mineiros Bericht eher der Wunsch Vater des Gedankens war ..................... er war nämlich noch nie dort !

Schau mal in seinem Beitrag ganz unten: Quelle Spiegel-online

Für TM müssen erst noch die 5-Sterne-Pousadas gebaut werden, um ihn dort hin locken zu können. "Descomforto" ist nicht so seine Sache. Wilde Tiere, Wasserfälle usw. schon .................
Man sieht sich,
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