Brasilia/Rom (LiZ). Die Rede von Papst Benedikt XVI. (bürgerlich: Joseph Alois Ratzinger) bei der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Aparecida in Brasilien, in der dieser behauptet hatte, die Ureinwohner hätten die Christianisierung "still herbeigesehnt", hat scharfe Kritik ausgelöst. Ratzinger meinte auch, die katholische Kirche habe die Ureinwohner erlöst. "Es ist respektlos und arrogant, unser kulturelles Erbe als zweitrangig zu bewerten", sagte Jecinaldo Satere Mawe, Koordinationsleiter der Organisation indigener Amazonasvölker. Sandro Tuxe, der Koordinator der nördlichen Stämme, zeigte sich ebenfalls empört: "Zu sagen, dass die kulturelle Dezimierung unserer Volkes eine Reinigung darstellt, ist beleidigend und - offen gesagt – beängstigend."
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Venezuelas Ministerin für indigene Völker Nizia Maldonado nannte die lateinamerikanische Kolonisation einen "Völkermord". Abel Barrera, ein mexikanischer Menschenrechtler, verurteilte die Äußerung als "ethnozentrische, rassistische und wenig respektvolle Sicht der indigenen Kulturen". Luis Evelis Andrade, Direktor der Organisation der Ureinwohner Kolumbiens, warf Ratzinger eine Verschleierung der Geschichte vor.
Der katholische Indianermissionsrat bilanzierte, daß in Brasilien zwischen 1500 und 2001 beinahe 1500 Volksgruppen der Indianer vernichtet wurden. Durch die Kolonisation Lateinamerikas, die von der katholischen Kirche unterstützt wurde, starben Millionen von Ureinwohnern durch Massaker, Krankheiten und die Folgen von Versklavung. Benedikts Vorgänger Papst Johannes Paul II. hatte noch 1992 in einer Rede Fehler bei der Evangelisierung der einheimischen Stämme eingeräumt.
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