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Dreiste Barackenbedienungen und aufdringliche Ambulantes in Piata
Teil I
Im Winter kann es schön sein in Salvador. 27°, Sonnenschein, am Strand weht ein angenehmer Wind, wenige Touristen. Doch damit ist man als Gringo natürlich ganz besonders im Visier der Barackenstrandbesitzer, seinem Personal und den Ambulantes.
„Ei, Amigo, willst Du Dich nicht in meine Baracke setzen, wir haben eisgekühltes Bier, Musik und schöne Frauen ...“, ist meist einer der Einleitungen. Dann wird gefragt, aus welchem Land ich komme und wie ich heiße. Ich laufe weiter, der „Animateur“ begleitet mich. Meist werde ich fälschlicherweise als Italiener identifiziert, oft auf italienisch angesprochen.
Meine Standardabsagen variieren. „Ich will ein bisschen Spazieren gehen, aber ich komme nachher zurück“, so lautet eine. „Morgen komme ich, Ehrenwort, heute habe ich eine Verabredung in der Baracke XY“, eine andere. Dabei immer den Daumen hoch und freundlich lächeln. Meist habe ich dann schon meinen Arm auf die Schulter des Verkäufers gelegt. Dumm ist nur, dass aufgrund der geringen Anzahl an Touristen der Wiedererkennungswert meiner Person doch sehr hoch lag, und ich auch am nächsten Tag vertrösten musste. Meist erinnern sich die in dieser Hinsicht klugen Dienstleister an meinen Absagegrund. Also muss ein neuer her: „Ach, schau mal nach oben, heute ist das Wetter für den Strand zu schlecht“ oder „Ich bin schon verhaftet, habe in einer Baracke noch eine Rechnung zu zahlen, aber nachher komme ich ganz bestimmt bei Dir vorbei!“
Ja, das ist manchmal ein bisschen anstrengend, manchmal ergebe ich mich auch und setze mich in die Baracke dieses Verkäufers.
Das erste mal, bei der ich solch einer „Einladung“ nachkam, verlief folgendermaßen:
Nachdem ich einen Blick in die Karte geworfen hatte, bestellte ich ein „Bohemia“, R$ 3,50 die Flasche, der Preis ist verhältnismäßig fair für die Touristenstrände Salvadors. Ich hatte ein bisschen Hunger, und erinnerte mich, dass ich in einer anderen Strandbaracke bei Juagaribe eine wirklich leckere Portion „Mandioca“ mit Vinagrette und einer sehr ordentlichen (= scharfen) Pimenta für kleines Geld serviert bekam. Ich fand nichts derartiges auf der Karte und fragte nach, ob ich denn auch hier eine Portion bestellen könne. Klar, ich könne.
Die Portion war weit weniger schmackhaft, wie beim anderen Mal, aber für den kleinen Hunger langte es.
Ich langweilte mich in der Baracke und wollte weiter ziehen, so bestellte ich die Rechnung. Eine Bettlerin und ihre vier Kleinkinder, die ich aus Itapua bereits kannte, lud ich ein, die Reste der frittierten Mandioca zu essen, wobei es sich eher um eine fast komplette Portion handelte, da ich nur drei, vier Teilchen genascht hatte.
Natürlich nahm sie die Einladung dankbar an.
Der Garcom kam mit der Rechnung. R$ 7 für zwei Bohemia, das war in Ordnung. Doch dann kams ... R$ 15 für Mandioca, R$ 10 für Vinagrette, R$ 5 für Pimenta und Servicepauschale von R$ 10 = R$ 47!
Ich schüttelte den Kopf, war ob dieser Dreistigkeit doch tatsächlich ein wenig sauer geworden. „Spinnst Du? Glaubst Du, nur weil ich Gringo bin, kannst Du mich verarschen? Dein Scheiß Mandioca kostet vielleicht R$ 4, am Strand meinetwegen R$ 5, die Vinagrette höchstens R$ 3.“ Bevor ich weiter ausholen musste, ging der Garcom zurück, um „die Rechnung noch mal mit dem Geschäftsführer zu überdenken“, wie er doch tatsächlich sagte ... er kam zurück und präsentierte mir eine völlig neu gestaltete Abrechnung: Soweit so gut, Bier R$ 7, das stimmte ja. Dann, man höre und staune, R$ 12 für das Gericht, eigentlich immer noch R$ 4 zu teuer. Auf die Servicepauschale von R$ 10 wollte er nicht verzichten, so dass Summa Summarum unter dem Additionsstrich R$ 29 stand.
Ich hatte bereits Geld in der Hand, einen Zwanziger und einen Zehner. Der Kellner wollte mir einen Deal anbieten, morgen gäbe es ein Freibier und alles wäre für mich billiger. Ich solle ihm doch wenigstens R$ 25 geben. Ich gab ihm den Zwanziger, wie gesagt, immer noch viel zu viel, eigentlich hätte ich nur R$ 7 für das Bier, vielleicht R$ 8 für Manioca und Vinagrette bezahlen müssen, die üblichen 10% Tax hätte ich ihm streichen sollen. Aber ich hatte keine Lust auf weitere Diskussion, überhörte, ja ignorierte den dreisten Verkäufer, der deshalb immerhin ein wenig bedröppelt dreinblickte, drückte der Bettlerin für alle gut sichtbar die R$ 10 in die Hand, stand auf und ging.
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