Dreiste Barackenbedienungen und aufdringliche Ambulantes in Piata
Teil V
Mit dreisten Ambulantes musste ich mich dagegen kaum herum schlagen. Jedenfalls in Piata. In Pelourinho ist mir jedoch noch kein elegantes Mittel eingefallen, um die glücksbändchenverschenkenden Halsabschneider abzuwimmeln. Natürlich habe ich sie alle abwimmeln können, nur eben alles andere als elegant. Komisch, nachdem die Verkäufer erfahren hatten, dass ich Deutscher bin, hatten sie übrigens plötzlich alle einen deutschen Uronkel oder sonstige Verwandtschaft.
Ein ambulanter Kettenverkäufer wanderte täglich fleißig zwischen Jaguaribe und Itapua. Wenn ich am Strand war, traf ich ihn prompt. Ich hatte ihm dummerweise zu viel von mir erzählt. Meinen Namen, den Ortsteil meiner Unterkunft, meine Nationalität und das Abreisedatum, was grundsätzlich ein Fehler ist. Er hatte ein gutes Gedächtnis, und das wollte ich belohnen und ihm am letzten Tag eine Kleinigkeit abkaufen.
Prompt sprach er mich an: "Wolltest Du nicht heute in Itapua an den Strand?", fragte er fast vorwurfsvoll. "Da war ich heute morgen auch, aber Du warst nicht da. Jetzt habe ich es vorgezogen, die letzten Stunden vor dem Abflug in Piata zu verbringen." "Verstehe, viele geile Frauen, gell?!" "Nee, ich habe zwar nichts gegen Putaria, aber ich habe eine Freundin, die tagsüber im Shopping arbeiten muss." "Oh, entschuldige, mein Freund, entschuldige!", sagte er beschämt, dass man glauben konnte, er meine das mit der Entschuldigung ernst. Ich grinste innerlich. So werde ich es künftig immer machen.
"Komm, Bruder, kauf mir ne Kette ab." Ich wollte keine Kette, sondern ihn nur für seinen Small-Talk und das immerhin überdurchschnittliche Kurzzeitgedächtnis belohnen. Ich zeigte auf die Kleinste mit ein bisschen Schnur und ein paar Holzklecksen.
"Was soll die Kosten?" "R$ 3." „Komm, mein Freund, die ist nicht mal einen Wert, ich gebe Dir 2." Ich machte einen Fehler und gab ihm einen Fünfer-Schein. Prompt versuchte er das auszunutzen: "Nimm 2 Ketten für 5, oder eine für 3", und er laberte solange, schweifte ab auf belanglose Dinge, so dass der Schwachkopf doch tatsächlich annahm, ich hätte vergessen, was für einen Schein ich ihm zugesteckt hatte. Dann tat er so, als hätte er gedacht, es handle sich um einen Zweier-Schein. Er versuchte noch alle erdenklichen Tricks, ich blieb aber hart, kassierte den Schein zurück, gab ihm einen Zweier, wünschte ihm viel Glück und dass er bei Gott bleiben solle ... immerhin ist mir so ein Typ lieber, als einer mit ner Knarre, der grade einen Bus überfällt ...
Die Typen vom Nachbartisch grinsten mir zu: "Gut gemacht, Gringo!"
Nebenbei sei angemerkt, dass es den brasilianischen Gästen auch nicht wesentlich besser ergeht. Die persönlichen Erfahrungen sind offenbar wirklich sehr unterschiedlich, was möglicherweise an Familienstand, Teint (je brauner, desto weniger Bescheißgefahr), Sprachkenntnissen etc. pp. liegen kann. In Recife - von User bayer als besonders negatives Beispiel angeführt - wurde nie versucht, mich übers Ohr zu hauen. Mag daran liegen, dass viele Barackenbesitzer Nachbarn meiner "Namorada" waren, oder daran, dass man mich aufgrund meines Aussehens und Verhaltens eher als Carioca oder Paulista hielt (obwohl die fast genauso als Goldesel angesehen werden, wie Gringos) ...