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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 11:30 
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Ich mußte hier heute natürlich noch einmal vorbeischaun.

Ich fand daß TM ziemlich aggresiv rüberkam da fühlte ich mich eben angemacht. In einer nicht-virtuellen Unterhaltung hätte es so eine heftige und humorlose Reaktion wohl nicht gegeben.
Man muß doch merken daß mein erster Beitrag nicht ganz ernst gemeint war. Dafür doch auch die smilies.

Sollte ich arrogant klingen dann höchstens als Antwort auf TM, der mich als naiv bezeichnet hat, also ihm müßtest Du dann ja wohl Arroganz vorwerfen, gelle ?

Lemi wenn Du mir in Belo Horizonte den Strand zeigst :) können wir gern die eine oder andere Runde zusammen drehen.

Natürlich kann man Armut in Deutschland nicht mit der in anderen Ländern, z.B. Brasilien, DIREKT vergleichen. Das hätte sicher auch etwas zynisches.

Für mich ist der Hauptunterschied dass die Armen in Deutschland vom Staat Almosen erhalten, in Brasilien leider nicht. Die Armen hier werden ruhig gestellt, müssen sich noch schämen der Gesellschaft auf der Tasche zu liegen.

Dabei sind sie die Bauernopfer im Poker der internationalen Kapital und Produktionsströme. Mit dem Geld der deutschen Steuerzahler wurden und werden die Niedriglohnländer der EU entwickelt und hochgepäppelt, damit die Infrastruktur den deutschen Großunternehmen genügt um das Werk von hier dorthin zu verlagern. Die deutschen Arbeiter helfen also mit ihren Steuern direkt mit sich selbst arbeitlos zu machen.

Was steckt eigentlich hinter dieser perversen EU - Idee ?
Ich weiß es ehrlich nicht, vermute aber die eigentlich Absicht ist es den deutschen Konzernen zu ermöglichen billig im benachbarten Ausland produzieren zu können (um mit z.B. Asien doch noch auf dem Weltmarkt ein wenig konkurrieren zu können ?). Man hatte wohl gedacht deren Gewinne würden dann weiter in Deutschland versteuert und davon könne man dann die paar mehr Arbeitslosen durchfüttern.

Man sollte mal den Brasilianern sagen wir müssen leider eure Steuergelder nehmen um unsere Nachbarländer zu entwickeln damit ihr anschließend an die Argentinier, Chilenen, Paraguayaner etc. euern Job verliert. Die Reaktion möchte ich echt mal sehen.

Nur mal ein kleines Beispiel zu der Armut hierzulande, eine normale Blechkrone auf einem hinteren Seitenzahn kostet eine reine Eigenbeteiligung von über 300 Euro, bei einem Prämolaren schlägt eine Keramikkrone mit mehr als 500 Euro nur Selbstbeteiligung zu Buche !

Eine Bekannte ist seit 3 Jahren arbeitlos, war Verkäuferin in Bäckereien aber jetzt ist sie ca. 50 und keiner will sie mehr. Die jüngeren sind eben billiger (und attraktiver !) und lassen sich besser scheuchen. Hartz 4 spendiert ihr neben der Miete gut 400 Euro damit der Kackfaden nicht reißt. Wie soll sie sich davon ihren Zahn reparieren lassen ? Genau, gar nicht. Nur ein kleines Beispiel, aber wer die täglichen Handtaschenräube in den cities und die Flut von Wohnungseinbrüchen nicht registrieren will ist doch wirklich blind.

Bei einer anderen Bekannten (wohnt in Bochum aber das ist eigentlich egal) ist vor kurzem eingebrochen worden, die sind einfach so durch die Balkontür rein, im EG. Das muß sekundenschnell gehen, so eine Tür aufzuhebeln. Der Schaden war zu verschmerzen, nur etwas Schmuck war weg, aber das Mädel ist nun völlig traumatisiert, hat jetzt Angst nachts könnte einer in ihrer Butze stehen.

Oder meine Freundin hier in Deutschland z.B., nach mehrmaliger Arbeitslosigkeit hat sie nun einen Teilzeitjob (20 Stunden pro Woche) mit dem sie ca. 1020,- Euro por mes verdient. Die Miete für die 62 qm Wohnung ist aber schon 400,- Euro kalt + 165,- HK/NK + 27,- Strom + 40,- Telefon+Internet, macht also 632,- , bleiben ihr noch 400,- zum nackten Überleben. Nicht mehr als bei Hartz 4.

Vor 20 Jahren hat sie eine Lehre zur Kinderkrankenschwester abgeschlossen und danch 2500,- Mark netto bekommen. Die WARMmiete war damals mit 430,- Mark abgehakt, es blieben über 2000,- Mark mit denen sich damals gut leben liess. Den Beruf gibt es gar nicht mehr, einfach abgeschafft, es gibt ja auch kaum noch Geburten bzw. Säuglingsstationen. Was früher 5 Schwestern machten müssen heute 3 schaffen, und davon sind garantiert 2 Polin oder Russin. (werd ich hier jetzt auch noch als Nazi beschimpft ?)

Sie bekam einen Job auf einer Sterbestation für alte Männer, das hat sie seelisch nicht verkraftet. Tag und Nacht das Winseln der Sterbenden, die notwendigste Pflege kann nicht erbracht werden, Tags 2 Schwestern nachts nur eine. Sie mußte die armen Teufel in ihrer eigenen Sch... liegen lassen weil keine Zeit war. Sie hat sich dann berufsunfähig schreiben lassen und zur Bürokauffrau umgeschult. 2 Jahre Umschulung, danach keine Stelle, dann mal was für ein Jahr, klar wer nimmt schon eine Umsteigerin/Anfängerin mit 38 Jahren wo es topfitte 25 jährige zu Hauf gibt.

Jetzt beginnt sie die dritte Ausbildung zur Altenerzieherin oder so, mal sehen was das bringt. Jedenfall selbst mit Vollzeitstelle und 1500,- Euro Monatslohn biste einfach an der Armutsgrenze bei den Kosten hierzulande.
Ein für allemal vorbei die Zeiten wo man einfach mal ins Restaurant ging oder sich einen schönen Urlaub leisten konnte.

Die Kosten kennen nur eine Richtung, nach oben (allein die Energiepreise). Die Gehälter sind in den letzten 10 Jahren nicht oder kaum gestiegen, es gibt viele Unternehmer die sind so dreist und sagen sie müssen für weniger arbeiten sonst holen wir Polen an ihre Stelle.

Das ist die Zukunft Deutschlands TM, willkommen in der Wirklichkeit !

Wer einen feisten Job hat dem geht es weiter gut, das will ich nicht leugnen, aber das werden immer weniger.

Ich glaube vielen ist es noch nicht bewußt geworden wie sehr dieses Land in den letzten 15 Jahren abgebaut hat. Mir macht das jedenfalls große Sorge. Und wenn dann hier noch jemand schreibt die Gewerkschaften sein schuld dann wird mir klar dass viele noch gar nicht begriffen haben was abgeht.

P.S. Apropos Staatsschulden: Brasilien hat fast alle seine Schulden zurückgezahlt, ich habe neulich eine Statistik gesehen und gestaunt wie wenig Schulden Brasilien nur noch hat.

Im Gegensatz dazu Deutschland ist gnadenlos überschuldet, der Staat schafft kaum noch allein die ZINSEN zu zahlen !!! Jedes Jahr neue Rekordverschuldung, wenn ich erinnern darf. NIEMALS wird der Staat in der Lage sein seine Schulden zurückzuzahlen. Wie wird denn das Vertrauen in unsere Währung aussehen wenn die Probleme allein die Zinsen zu zahlen noch größer werden ?

Strandläufer


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 12:10 
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Strandläufer hat geschrieben:
Dabei sind sie die Bauernopfer im Poker der internationalen Kapital und Produktionsströme.


:roll:

Strandläufer hat geschrieben:
Ich glaube vielen ist es noch nicht bewußt geworden wie sehr dieses Land in den letzten 15 Jahren abgebaut hat. Mir macht das jedenfalls große Sorge. Und wenn dann hier noch jemand schreibt die Gewerkschaften sein schuld dann wird mir klar dass viele noch gar nicht begriffen haben was abgeht.


Natürlich sind auch die Gewerkschaften schuld. Deutschland hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und eine bestimmte gesellschaftliche Schicht stark privilegiert (Facharbeiter etc.). Durch die Gewerkschaften wurden ihnen vorgegaukelt, dass sie im weltweiten Vergleich ihr Leben lang so gut verdienen können, wie anderorts Leute die viele Jahre in ihre Bildung investieren. Jetzt beginnt das Kartenhaus zusammenzubrechen und der Fall wird noch tiefer. Das ist wie in Argentinien. Anstatt einen langsamen Angleich an realistische Niveaus wird lieber jahrelang über das eigene Einkommen gelebt, um dafür danach einen richtig großen Sprung vom Hochhaus zu wagen.


Strandläufer hat geschrieben:
Im Gegensatz dazu Deutschland ist gnadenlos überschuldet, der Staat schafft kaum noch allein die ZINSEN zu zahlen !!! Jedes Jahr neue Rekordverschuldung, wenn ich erinnern darf. NIEMALS wird der Staat in der Lage sein seine Schulden zurückzuzahlen. Wie wird denn das Vertrauen in unsere Währung aussehen wenn die Probleme allein die Zinsen zu zahlen noch größer werden ?


Schuld daran sind die Gewerkschaften und andere Linke, die der Bevölkerung jahrelang ein Wohlstandsniveau vorgegaukelt haben, dass durch die deutsche Wirtschaftsleistung nie aufgebracht werden konnte.

Leute wie Du, die den Zeiten der Illusion hinterherjammern, üben Druck auf unsere Politiker aus, weiter Schulden zu machen.

(sorry wenn ich das so direkt sage.. mir geht es nicht ums anmachen, sondern ums aufrütteln.. du hast uns hier aus der fröhlichen caipistimmung gerissen ;) also musst du es auch ausbaden)

Ich brauche mir nur hier in Berlin die Leute aus meiner Generation anschauen und mir ist klar, dass jeder fleissige Pole, Chinese etc. mehr rausholen wird. Die Leute hier sind übersättigt und völlig von jedem Leistungsfeedback entfernt. Tragischerweise sind sie mit dem Glauben an den Staat aufgewachsen, der für sie das ganze Leben regeln und sorgen wird. Die Leute tun mir leid, wenn sie in den nächsten Jahrzehnten aufwachen und sehen, dass alles eine Illusion war. Müntefering hat ja die Woche damit angefangen zuzugeben, dass die Rente im Alter zukünftig nicht ausreichen wird. Als die FDP das vor zehn Jahren vorhersagte, hat sie jeder bespuckt.


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 12:26 
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Strandläufer hat geschrieben:
Stellt euch doch mal vor, die Exportgewinne wären bereits im Jahre 2000 beim Wechselkurs damals von 1 Euro = 2 Reais schon gut gewesen. Die Kalkulation der Exportfirmen kennen wir doch gar nicht. Hätten sie Verluste bedeutet hätten die Brasilianer doch gar nicht exportiert, wer kann schon dauerhaft draufzahlen.
Dann waren sie beim Kurs von 1 : 3,50 einfach ein traumhafter Goldregen, und sind im Moment bei 1: 2,54 immer noch berauschend.
Also gibt es vielleicht gar kein Problem ?

Den Konjunktiv im ersten Satz kannst Du anstreichen. Die Exportgewinne waren im Jahr 2000 eben nicht so hoch.
Du darfst nicht vergessen, dass zur Produktion der Exportüberschüsse auch in der Landwirtschaft etwa 40% der Kosten Importe sind und die sind in den letzten Jahren auch drastisch gestiegen - unter anderem durch den starken Real. Maschinen, Chemikalien etc.
Die Margen sind zur Zeit extrem niedrig, teilweise sogar negativ.

Strandläufer hat geschrieben:
Der Rohstoffexport funktioniert doch gut im Moment, und ihm werden über 20 Jahre ein super Wachstum prognostiziert. Vor allem nach China, das uns sowieso alle überholen und plattmachen wird.


Der Rohstoffexport bringt gar nichts für den Rest der Bevölkerung. Das bisschen Kupfer oder Erdöl hilft Brasilien nicht.

Strandläufer hat geschrieben:
Der Markt regelt automatisch durch Angebot und Nachfrage. Das hat den Real ja auch überhaupt erst so stark gemacht. Also gute Aussichten.


Ein starker oder schwacher Real wird von den auslandsorientierten Branchen (Landwirtschaft bzw. Finanzen für inflows) geprägt. Die Binnensektoren haben da nicht einen so großen Einfluss drauf und denen geht es also uU erheblich schlechter als der Real im Außenverhältnis suggeriert. Brasilien hat starke selbstgemachte Probleme (Bürokratie, Korruption, Leistungskultur nicht immer int'l wettbewerbsfähig). Dann darf man auch nicht vergessen, dass die brasilianische Risikoprämie nicht nur wg. des gesunkenen Länderrisikos Brasilien gering ist, sondern eben auch aufgrund der gestiegenen Unsicherheiten im Rest der Welt.

Strandläufer hat geschrieben:
Deutschland war IMMER ein armes kaltes Hungerleiderland, nur die kurze Epoche nach dem 2. Weltkrieg brachte durch den eisernen Vorhang und die Ausschaltung der Länder des Ostblocks eine wirtschaftliche Blütezeit.


Das ist Unsinn. Wir haben zwar die Industrialisierung später als die anderen Großen mitgemacht, dann aber richtig. Bitte einfach mal historische GDP per capitas raussuchen und vergleichen.

Schau Dir nur mal den früheren Börsenstandort Berlin an. Größte Warenterminbörse Europas und jahrelang größerer IPO-Markt als die USA (Ende 19. Jh). Hier ging es ab.

Deutschland wurde von rechten (und dann linken) Extremisten kaputtgemacht. Das dann eine Sehnsucht nach einer kuschligen, stabil und dann erstarrten Republik einsetzte und die Grundlage für das ganze heutige Desaster gelegt wurde, ist ja auch noch so eine Spätfolge.


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 12:34 
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thomas hat geschrieben:



Der Rohstoffexport bringt gar nichts für den Rest der Bevölkerung. Das bisschen Kupfer oder Erdöl hilft Brasilien nicht.




Habe mich mit "TEMPLETON LATIN AMERICA A DIS" eingedeckt und werde so dem Euro-Verfall gegensteuern.

PETROLEO BRASILEIRO S.A. REG. ... 9,35 %
UNIBANCO - UNIÃO DE B./ UNI.HL... 5,46 %
CIA VALE DO RIO DOCE (CVRD) RE... 3,54 %


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 13:56 
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thomas hat geschrieben:
Das ist Unsinn. Wir haben zwar die Industrialisierung später als die anderen Großen mitgemacht, dann aber richtig. Bitte einfach mal historische GDP per capitas raussuchen und vergleichen.

Schau Dir nur mal den früheren Börsenstandort Berlin an. Größte Warenterminbörse Europas und jahrelang größerer IPO-Markt als die USA (Ende 19. Jh). Hier ging es ab.


Moment mal, Ende des 19. Jhdtrs war Deutschland die reinste Katastrophe. Ich war selber vor einigen Jahren in einem Museum in Bayern wo Hungersnöte dokumentiert wurden, es wurde gezeigt daß Menschen in dem ländlichen Bayern verhungert sind ! Und um 1860-1870 war doch die Auswanderungswelle nach Amerika (auch Südbrasilien) wegen der schlimmen Verhältnisse hier.
Also spiegeln Börsenkurse wohl nicht wieder wie es den Menschen geht...

thomas hat geschrieben:
Deutschland wurde von rechten (und dann linken) Extremisten kaputtgemacht. Das dann eine Sehnsucht nach einer kuschligen, stabil und dann erstarrten Republik einsetzte und die Grundlage für das ganze heutige Desaster gelegt wurde, ist ja auch noch so eine Spätfolge."


Seh ich auch so, wir haben uns irgendwie immer selber geschadet. Es wird wohl auch keine Alternative zu den aktuellen Umständen gegeben haben, wir müssen das irgendwie überstehen. Das einzige was hilft ist berufliche Qualifikation glaub ich. Der Kindermangel soll angeblich auch dazu führen daß in 15 Jahren wieder Arbeitskräfte fehlen, das lässt hoffen.

Ich bin einfach nur zeimlich geschockt zu sehen was aus Deutschland geworden ist, ich bin Baujahr ´63 und in die Blütezeit hineingewachsen, das war ein Schlaraffenland. Und heute an allen Ecken Probleme und unzufriedene Menschen. Wieviele Geschäfte, Restaurants usw. schließen mußten ist schon erschreckend. Also ich behaupte mal die Politik hat schwere Fehler gemacht, das hätte nicht passieren dürfen.

@Thomas: Also zumindest die Importe (40% der Produktionskosten) müssten doch günstiger werden bei einem starken Real. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen dass mit dem Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse viel zu holen ist. Obwohl Brasilien ja den Zuckerkrieg gegen die EU juristisch gewonnen hat und meinem oberflächlichen Eindruck nach die Großfazendeiros nicht gerade arm sind.

Das mit dem Rohstoffbomm liest man überall von sog. "Wirtschaftsjournalisten", das soll den Run auf brasilianische Aktien und Anliehen usw. erklären. Diese starke Nachfrage indirekt nach dem Real soll ihn hochgetrieben haben, so wie ich das verstanden habe.
Aber wenn wie hier geschrieben die Zinsen wieder im sinken sind (auf 12% von vormals 18% ?) dann sinkt auch die Nachfrage nach dem Real und dann sollte es auch wieder abwärts gehen.

Also im Grunde würde dann der starke Real dann ja nur auf Effekte durch Anlage/Spekulation zurückzuführen sein und nicht auf handfeste volkswirtschaftliche Entwicklungen.
Aber es kann doch trotzdem niemand vorhersagen wie er sich entwickeln wird, und der Euro ist eben auch extrem stark, was sich schnell ändern kann. Ich ganz persönlich würde deshalb jetzt doch tauschen wenn die Sache/Investition an sich sinnvoll wäre.

Und genau da setzen meine eigenen Bedenken an, ob Brasilien wirklich auf Dauer "lebbar" :) ist, wenn ich so in der Bauabteilung lese wie man da sein Haus sichern muß, wer will denn da im Bett liegen mit der Angst bei jedem Geräusch dass es jetzt soweit ist ??


Greets
Strandläufer


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 15:14 
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Strandläufer hat geschrieben:
Moment mal, Ende des 19. Jhdtrs war Deutschland die reinste Katastrophe. Ich war selber vor einigen Jahren in einem Museum in Bayern wo Hungersnöte dokumentiert wurden, es wurde gezeigt daß Menschen in dem ländlichen Bayern verhungert sind ! Und um 1860-1870 war doch die Auswanderungswelle nach Amerika (auch Südbrasilien) wegen der schlimmen Verhältnisse hier.
Also spiegeln Börsenkurse wohl nicht wieder wie es den Menschen geht...


Das ist alles relativ zu verstehen. Klar ging es den Leuten überall vor hundert Jahren noch viel dreckiger als heute. Aber Deutschland war im internationalen Vergleich kein Hungerleiderland. Schau Dir nur die Migrationszahlen aus England oder Italien zum Vergleich an.

Zitat:
@Thomas: Also zumindest die Importe (40% der Produktionskosten) müssten doch günstiger werden bei einem starken Real.


Das Problem ist folgendes:
Für jedes verkaufte Kilo Soja hast Du Anfang 2003 als Bauer in Bahia 45 R$ bekommen.
Diese Woche bekommst Du für jedes verkaufte Kilo Soja 20 R$.

Die lokalen 60% Deiner Kosten sind nicht gleich geblieben, sondern aufgrund von Lohnerhöhungen durch höheren SM, aufgrund von Inflation etc. gestiegen.

Das Problem mit den 40% ist, dass Du gerade nicht billiger auf dem Weltmarkt einkaufst. Warum? Weil Du ja alle Deine Produkte in USD auf dem Weltmarkt verkaufst. Du bekommst also schon weniger R$ rein und kannst daher die veränderte Währungsrelation überhaupt nicht ausnutzen.
Schlimmer noch: Da Du die Kohle für die importierten Insumos ein halbes Jahr vorher hingelegt hast, als die Preise noch besser waren, hast Du zu einem hohen Kurs (Inputs) eingekauft und zu einem niedrigeren Kurs (Outputs) verkauft. Durch das Mitmachens der Abwärtsbewegung aufgrund des Pflanzrhythmus hast Du also doppelt verloren.

Sollten Dir also klagende Fazendeiros begegnen: Sie haben Recht.

Zitat:
Also im Grunde würde dann der starke Real dann ja nur auf Effekte durch Anlage/Spekulation zurückzuführen sein und nicht auf handfeste volkswirtschaftliche Entwicklungen.


Nee-- man kann es auf *einige* volkswirtschaftliche Entwicklungen zurückführen (nämlich die auslandsrelevanten), aber nicht auf alle. Sprich: Das breite Armutsproblem ist dadurch nicht gelöst.

Zitat:
Und genau da setzen meine eigenen Bedenken an, ob Brasilien wirklich auf Dauer "lebbar" :) ist, wenn ich so in der Bauabteilung lese wie man da sein Haus sichern muß, wer will denn da im Bett liegen mit der Angst bei jedem Geräusch dass es jetzt soweit ist ??


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 21:17 
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Hallo Strandläufer
Tut mir leid, dass ich dich so heftig angegangen bin, aber ich hatte mich geärgert, dass jemand, der im (aus 3.Welt-Sicht) im satten, sicheren und reichen Deutschland sitzt die Verhältnisse in Deutschland so negativ darstellt. Hier reden wir ja über die Beziehungen/Verhältnisse Brasilien- Deutschland. Ich kam, wie gesagt, grade aus Brasilien nach D zurück und glaube zu wissen, wie die Verhältnisse dort sind und sehe D schon als kleines Paradies an, wenn auch nicht für alle.
Dazu war in den Vorgängerbeiträgen an sich geschildert, das der starke Realkurs für den gemeinen Brasilianer und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eine Plage ist. Das begünstigt die Reichen /Minen, Stahlwerke und Agrar-Großbetriebe und macht das Leben der Normalbürger noch schwerer.
Ich hatte mich aber bemüht, dich nicht zu beschimpfen, aber meine Ironie war schon krass. Freut mich aber dass du dich nicht, wie angekündigt zurückgezogen hast, sondern dich weiter der Diskussion stellst.

Viel Spaß weiter in diesem Forum.

Manfred


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BeitragVerfasst: 14 Mär 2006 21:26 
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Registriert: 27 Jun 2005 23:00
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Strandläufer hat geschrieben:
Nur mal ein kleines Beispiel zu der Armut hierzulande, eine normale Blechkrone auf einem hinteren Seitenzahn kostet eine reine Eigenbeteiligung von über 300 Euro, bei einem Prämolaren schlägt eine Keramikkrone mit mehr als 500 Euro nur Selbstbeteiligung zu Buche !

(...)

Oder meine Freundin hier in Deutschland z.B., nach mehrmaliger Arbeitslosigkeit hat sie nun einen Teilzeitjob (20 Stunden pro Woche) mit dem sie ca. 1020,- Euro por mes verdient. Die Miete für die 62 qm Wohnung ist aber schon 400,- Euro kalt + 165,- HK/NK + 27,- Strom + 40,- Telefon+Internet, macht also 632,- , bleiben ihr noch 400,- zum nackten Überleben. Nicht mehr als bei Hartz 4.


Das nennst Du Armut???

Ich sag' Dir mal wie's in Brasilien, Mexico oder Bangladesch aussieht: Krone? Weder Blech und schonmal garkein Gold: Zahn ziehn, falls er nicht schon vorher 'rausgefallen ist!!!

In Brasilien hättest Du ungefähr eine 5 km lange Schlange von Interessenten, wenn ein 20 Stunden Teilzeitjob vergeben würde, der mit 1020,- Euro dotiert ist...

Arbeitslosigkeit und Hartz 4 - Der unterste Sozialhilfeempfänger Deutschalnds zählte in Brasilien doch schon zur Mittelschicht!!!

Diese Beispiele zeigen mir aufs deutlichste, dass die Bundesbürger "sich mit vollem Bauch" beklagen, ohne zu merken, wie gut es ihnen geht ... eine Teilzeitarbeitskraft in einer brasilianischen Bäckerei verdient etwa 300 - 400 Reais, das sind wieviel? ... 100 - 150 Euro???


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BeitragVerfasst: 15 Mär 2006 11:20 
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Beiträge: 147
Wohnort: Sao Paulo
Geb Takeo vollkommen recht.
Der Sozialhilfeempfänger in Deutschland zählt hier schon zur Mittelschicht.
Nur ist der sogeanannte Hartz4 empfänger deshalb so am meckern, weil er halt nicht jedes Jahr in Urlaub fliegen kann, sich nicht den neuen Flachbildschimrfernseher kaufen kann und nicht das neue Auto fahren kann...... :shock:
Weil eins ist in Deutschland ganz gross an der Tagesordung... "Immer mehr haben als der Andere... :x

Und dieses Kapitaldenken muss aus den Köpfen verschwinden, sonst hat Deutschland auf Lange sicht keine Chance. Die Bürger haben die Macht, nicht die Politiker... wählen kann jeder - nur die wenigsten tun es und sind dann die Ersten die am Meckern sind.... Einige Einbussen müssen halt gemacht werden, sei es im Sozialwesen oder auch auf dem Arbeitsmarkt... die 40 Stunden Woche und felxible Arbeitszeiten müssen wieder an die Tagesordung. Und die 10 Euro Praxisbegühr pro Qualtal..... ich zahle hier in Brasilien bei jedem Arztbesuch von meinem Salário drauf.. das wird automatisch abgezogen zzg. den Kosten für die Plano de Saude....

Klar ist - Deutschland ging es mal besser - aber die Zeiten können nicht immer so bleiben.... aber jeder kann dazu beitragen das es wieder besser wird und nicht immer auf die Andere zählen.... :)

Deshalb einfach ein Tipp - mal nach Brasilien kommen, hier Leben und Arbeiten zu Lokalen Verhältnissen und dann nochmal über die Soziale und Arbeitstechnische Lage in Deutschland und Brasilien nachdenken :wink:

Siehe meine Bericht im anderen Tread...."Auswandern" Thema Lebenserhaltungskosten.... der gaaaaanz lange :-)

Grüsse aus São Paulo



"....dumm ist der, der dummes tut...." zitat Forrest Gump


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 Betreff des Beitrags: Hä?
BeitragVerfasst: 15 Mär 2006 14:48 
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Beiträge: 271
Vinhedense hat geschrieben:
Klar ist - Deutschland ging es mal besser - aber die Zeiten können nicht immer so bleiben....

Papperlapp, es ging "Deutschland" NIE besser als jetzt.
Steuereinnahmen und Staatshaushalt sind so groß wie
nie zuvor, es wird umverteilt, was das Zeug hält, jeder
Affe kann sich, Dank Globalisierung, heute sämtlichen
Elektroschnickschnack leisten, für duchgängige Unterhaltung
ist bestens gesorgt :D . Man futtern Litschis aus Thailand,
Weintrauben aus Brasilien und säuft dazu Weine aus aller
Herren Kontinente. Die Autos fahren, Vorsprung durch
Technik, einigemaßen sicher Stoßstange an Stoßstange
mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 km/h und
schaffen locker 250.000 km Gesamtfahrleistung . Es gibt in
Europa keine Grenzen mehr, (fast) keine Zölle. Bei den
Discountern können wir notfalls immer noch einen ganzen
Einkaufswagen für 25 Euro füllen. Wir können um die Welt
reisen für den Gegenwert eines lausigen Durchschnitts-
monatsgehalts. Das Leben und die Arbeit sind intensiver
geworden, die Eindrücke, Erkenntnisse, das Wissen und die
Lernmöglichkeiten haben sich vervielfältigt.
Neu Berufsbilder oder Jobs ermöglich(t)en rasante Karrieren
und Verdienstmöglichkeiten auch für halbgebildete Angelernte
(Stichwort Webdesiger :lol: ). Es gibt mehr Verantwortung
für jeden Einzelnen, wir können uns freier bewegen als je
zuvor, Jobs, auch nur für Monate, auf der ganzen Welt annehmen
und ohne Kopfschmerzen wieder zurückkehren.

Vergleicht das mal mit der ach so guten vergangenen Zeit!

Was also gibt es zu Meckern? Die Minderheit der Arbeitslosen stört?
Die lächerlichen paar Stunden Mehrarbeit im Monat? Alles Quatsch.
Deutschland hat nur relativ etwas verloren, also im Vergleich zu
anderen Ländern. Absolut geht es gut wie nie zuvor!


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