So, jetzt noch mal mein Senf zum Thema: Ich lese hier dauernd,
dass der teure Real so schrecklich wäre, dadurch Arbeitsplätze
vernichtet werden, gar das Auslandskapital sich zurückhält und
die Exporte auch immer weniger werden. Die Statistik sagt was
anderes, es verhält sich genau umgekehrt. Exporte steigen und
Importe auch. Und zwar seit etwa 2002/3. Wer anderes schreibt,
Takeo, liegt falsch. Der hohe Real ist doch gerade ein Zeichen dafür,
dass mehr Geld ins Land strömt als raus geht. Es wird also ganz
massiv investiert. Freundlicherweise hält die Regierung zwischenzeitlich
leicht den Daumen auf den noch weiter steigenden Real, auch wenn
sie sich dadurch bezüglich möglicher frühzeitiger günstiger Rückzahlung
von Schuldenbergen selbst torpediert.
Da sich dieser Boom nicht in Arbeitsplätzen und dgl. bemerkbar macht
liegt an der Struktur der bras. Wirtschaft. Der Boom betrifft nämlich
überwiegend Rohstoffe und vor allem anderen die Landwirtschaft.
Das sind nicht gerade besonders arbeitsintensive Sektoren. In der
Landwirtschaft reicht -überspitzt formuliert - ein Mann, ein Traktor
und eben Land also Kapital.
Das der Boom sich auch im Sozialsystem nicht niederschlägt mag an
der Politik und der Kapital- bzw. Machtverteilung in Br. liegen.
Die hier immer wieder abgeführten Beispiele von irgendwelchen
Pousadainvestitionen u. dgl. sind volkswirtschaftlich völlig belanglos,
mag es auch den einzelnen Investor durch den teuren Real noch so
hart treffen. Tourismus ist meines Wissens ohnehin keine Größe
in Brasilien, für Europäer und Amerikaner liegt das Land zu weit
weg und hat außer Strand und einigen wenigen Spots im Inneren
auch wenig zu bieten für den Pauschalreisenden.
Der bras. Boom wird sich ebenso schnell abkühlen wie er begonnen hat.
Nämlich gemau dann, wenn die Nachfrage nachläßt und die Produkte
zu teuer werden (weil sie in anderen Ländern überhaupt oder billiger
hergestellt bzw. aus der Erde gegraben werden können). Das dürfte
in geschätzt 5 Jahren der Fall sein. Solange wird der Real (leider) auf
seinem relativ hohen Niveau bleiben. Es sei denn die nächste Regierung
wird unzuverlässiger als der Clan um Lula.
