Verschiffen nach Rio

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Verschiffen nach Rio

Beitragvon toRIO » Mo 3. Dez 2012, 00:36

Hallo,

wir lösen unseren Haushalt in Barcelona (Spanien) auf und wollen nach Rio. Ich habe in diesem Forum viel gelernt, vielleicht habt ihr auch ein paar hilfreiche Kommentare zu unserem Vorhaben.

- wir sind 1x Brasilianerin und 1x Deutscher mit RGE Karte, verheiratet. Der Hund ist Holländer, hat aber schon mal in Brasilien gelebt. Wir haben denk ich knapp 10 m3, was glaub ich ein halber der kleinsten Container ist, bestehend aus Möbel, Matratzen und technischen Geräten.

- obwohl in einigen Diskussionen hier vom Seeweg abgeraten wird--v.a. wegen der schwer kontrollierbaren Wartezeiten mit dem Zoll wenn ich's richtig verstanden habe--denke ich dass sich in unserem Fall verschiffen eigentlich anbietet (hier in Barcelona ist der Hafen <0.5km weit weg, in Rio müssen wir auch nur ca. 1km weit vom Hafen weg).

- aus meiner Erfahrung mit bürokratischen Vorgängen in BR sehe ich die Gefahr dass unser Zeug ankommt aber dann erstmal im Zoll verschellen könnte so dass dann hohe Lagergebühren anfallen. Wir sind zur fraglichen Zeit bereits in Rio, hat jemand Erfahrung ob man als Privatperson selber in den porto maravilha marschieren kann, um bei der Freigabe des Guts behilflich zu sein? Ist es auch möglich wenn ich einen ausreichend grossen Transporter dabei habe und es keine Probleme gibt, dass ich die Sachen gleich mitnehme und mir Lagerkosten komplett spare (nach meinen Infos sind das nämlich +/-R$1300 für die erste Periode von 15 Tagen)?

- meine Gesamtrechnung für Kosten die am Zielhafen anfallen ist: knapp 700 Euro Fixkosten (Deconsol US$ 100, liberação R$ 220, ISPS code R$ 17, TRS R$ 70, Lagerung R$ 1300 f.d. 1.Periode), plus nochmal R$ 30 / m3 (Capatazias). Alles in allem komme ich dann auf ca 780 Euros f. ca. 10 m3, weiss jemand ob das halbwegs realistisch ist?

- ich habe erste Angebote von Speditionen eingeholt, bin aber noch dabei sie zu verstehen, zB die Firma iContainers (http://www.icontainers.com/es/en) bietet nur CFR oder FOB Verschiffung an, beides beinhaltet die anfallenden Kosten am Zielort nicht, aber ich tue mir noch sehr schwer zu verstehen was diese Incoterme genau bedeuten. Meistens sind die Verantwortlichkeiten als Verkäufer/Käufer oder Exporteur/Importeur formuliert, und ich verstehe nicht was ich und was die Spedition in dem Zusammenhang ist. Ich muss gestehen, ich habe nichtmal die Tabelle im deutschen Wikipedia verstanden. Gibt es irgendwo eine (einfache) Beschreibung was die ganzen 3-Buchstabencodes an verdeckten Kosten bedeuten?

- in einem Beitrag hier wurde vom Container teilen abgeraten, da bei Problemen mit dem Gut der anderen Partei ggf. unnötige Wartezeiten beim Zoll riskiert werden. Gilt das auch für Beiladung, wenn eine Spedition den Transport managed und ich die andere(n) Partei(en) gar nicht kenne? Umgekehrt zielt meine Frage eigentlich darauf ab, ob ich--falls der Preisunterschied nicht zu hoch ist--einen Vorteil in der Abwicklung des Imports gewinnen kann.

- Verschiffen scheint nicht immer der sanfteste Weg zu sein, deshalb wuerde ich empfindliche Geräte zB unseren LED Fernseher lieber im Flugzeug mitnehmen. Gibt es Erfahrungen solche etwas delikaten Sachen alternative mit Quirx oder Tomba Express über den Luftweg zu versenden?

- MwSt/USt zurückfordern: ich habe im Internet gesehen, dass es möglich sein soll die MwSt/USt zurückzufordern, wenn ein gekaufter Gegenstand binnen 3 Monaten die EU verlässt. Die genauen Regelungen scheinen Länder-spezifisch zu sein, hat jemand damit (positive) Erfahrungen?

Vielen Dank für alle Kommentare und Tipps!
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Re: Verschiffen nach Rio

Beitragvon cabof » Di 4. Dez 2012, 00:07

Die letzen Umzüge die ich von DEUTSCHLAND aus begleitet habe, kein Spediteur übernahm die Kosten Hafen Brasilien - nur bis Hafen BR,
danach ist es ein Vabanque-Spiel, auf jeden Fall sollte ein Despachante zwischengeschaltet werden, zerbrechliche Güter wie TV (Frage-
wird er überhaupt in BR funktionieren?? PAL M System) sollten gut verpackt in den Container - bei Flug "fliegt" er aufs Gepäckband -
das könnte ins Auge gehen. Viel Glück und berichte mal!
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Re: Verschiffen nach Rio

Beitragvon Trem Mineiro » Di 4. Dez 2012, 01:07

Hallo toRio
Viele Fragen - ungewöhnlicher Fall. Da würde ich mit einem Spediteur am Abgangsort eng zusammenarbeiten, wenn du dir einen ausgesucht hast, löchere den dann mit Fragen.
Du must zuerst dafür sorgen, dass deine Fracht als Umzugsgut deiner Frau deklariert wird, die mindestens ein Jahr in Portugal gelebt haben muss und die sich darüber eine Bescheinigung des Konsulats besorgen muss. Dann ist die Sendung steuerbefreit und wird, wenn nichts dazwischen kommt, in Rio flott abgefertigt. Wichtig ist aber, dass die Papiere perfekt sind. Du selber müsstest bereits ein VIPER haben um das auf deinen Namen zu machen.

Bei Ankunft in Rio brauchst du einen Despachanten (Zollagent) der die Freigabe deiner Sendung bewirkt udn die nötigen Abgaben bezahlt. Das kann der Despachant deiner Spedition sein, der ist sicher ein wenig teurer als wenn du dir einen suchst. Der sagt dir auch, was für Kosten dich erwarten. Die Freigabe dauert im besten Fall 2-3 Tage, also wird die erste Containerstandzeit-Miete immer fällig. Die sollte aber im Grundpreis drin sein, die von dir genannte Gebühr von 1300 Reais (?) war bei mir im Grundpreis drin. Wenn sich die Freigabe verzögert, kann das natürlich anfallen. Ist der Container frei und alle Gebühren bezahlt, kannst du die Ware aus dem Container auspacken (oder dir den Container vor die Tür fahren lassen, kostet natürlich.
Die Incoterms regeln die Punkte an denen die Verantwortung für die Ware übergeht und wer welche Kosten bezahlt.
FOB nützt dir gar nichts, weil das ja schon mit der Verladung in Portugal enden würde, also trifft für dich CFR zu. Das heißt der (von dir) beladene Container wird aufs Schiff gebracht und nach Rio geschifft. Alle Kosten, die anfallen, wenn das Schifft sanft an den Kai angelegt hat, gehen anschließend zu deinen Lasten. Das sind Transport des Containers vom Schiff auf den Kai und Transport auf einen Lagerplatz im Hafen, alle im Hafen anfallen Gebühren, Zoll, Steuern (in eurem Fall keine). Dazu wird für den gesamten Transport eine Versicherung fällig.

Wenn du nicht grade den dümmsten Spediteur ausgesucht hat, kann der die Gebühren (mit seinem Despachanten)in Rio sehr gut abschätzen. Der macht nur nicht gerne einen Festpreis, weil das immer ein Risiko ist. Die Kosten dort sind nicht gering.

Mein Spediteur hat die Kosten in Brasilien auch übernommen, aber sei sicher, dass ich da einen Preis bezahlt habe, der alle Risiken mit drin hatte. War aber egal, da die Firma bezahlt hat.

Bei Elektrogeräten bitten prüfen ob sie 110 Volt und 60 hz vertragen, bzw. beim Fernseher Pal-M reproduzieren können. Aber gut verpackt (incl. Nässeschutz) ist ein Container schon eine sichere Sache.
Wegen der MWSt.-Erstattung musst du einen Spezialisten vor Ort in Portugal fragen. Das ist kompliziert, weil du ja Ausfuhrnachweise beibringen musst.
Viele Fragen kann man auch nur grob beantworten, mit den Spediteuren musst du schon selbst verhandeln/sprechen. Und lass dir alles schriftlich geben.

Dann mal viel Spaß

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Re: Verschiffen nach Rio

Beitragvon frankieb66 » Di 4. Dez 2012, 01:22

toRIO hat geschrieben:- MwSt/USt zurückfordern: ich habe im Internet gesehen, dass es möglich sein soll die MwSt/USt zurückzufordern, wenn ein gekaufter Gegenstand binnen 3 Monaten die EU verlässt. Die genauen Regelungen scheinen Länder-spezifisch zu sein, hat jemand damit (positive) Erfahrungen?

Ja, das ist prinzipiell möglich, aber in deinem Fall nicht. Zumindest nicht so wie du dir das vorstellst. Du darfst beim steuerfreien Umzugsgut nämlich nur "Gebrauchtware" importieren.
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Re: Verschiffen nach Rio

Beitragvon Trem Mineiro » Di 4. Dez 2012, 02:12

Das mit den Neu- oder Gebrauchtsachen ist nicht so klar. In meinem Fall hab ich alles gebraucht aussehen lassen, bis auf einen Katzenkratzbaum, der in letzter Sekunde angeliefert wurde.
Es gab aber hier im Forum Leute, die meinten, auch Neuwaren mit dem Hausrat zoll- und steuerfrei einführen zu dürfen. Selbst Werkzeuge für ein Werkstatt, die einer drüben aufmachen wollte. Zur Not Speditionen fragen weil denen diese zollfreie Einfuhr von Haushaltsgut bestens bekannt ist.

Dazu sind 3 Monate, die der TE als Rückerstattungsfrist angegeben hat, ein Zeitraum, den man als gebraucht bezeichnen kann. Zur Not einmal aus und dann wieder einpacken kann, mit Gebrauchsspuren.

Nur sollte man eins immer bedenken. Wenn der Zoll in Brasilien Lust hat, zu diskutieren und du auch, bleibt die Ware so lange im Zoll, für 1300 Reais Standgebühr, die sich von Woche zu Woche erhöht, wenn's sein muss bis zum St. Nimmerleinstag. Daher sollte man alles, was solche Diskussionen auslösen könnte, vermeiden.

Gruß
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