China, Brasilien und Indien verzögern die Beratungen beim Weltklimarat der Vereinten Nationen (Uno). Die drei Schwellenländer verlangen, dass die führenden Industrienationen die Verantwortung für den Klimawandel auf sich nehmen.
Bangkok - Die drei Schwellenländer pochten darauf, dass die Industriestaaten im Abschlussbericht des Klimarats explizit für einen Großteil der Klimaverschmutzungen verantwortlich gemacht würden, sagte ein Gesandter aus Europa. Die entwickelten Länder sollten sich zu ihrer "historischen Verantwortung" für den klimaschädlichen Ausstoß von Treibhausgasen bekennen, damit China, Brasilien und Indien mit ihren eigenen Emissionen aus dem Schneider seien.
Kraftwerksemissionen: Die entwickelten Länder sollen über 70 Prozent der Verschmutzung auf ihre Kappe nehmen
Die treibende Kraft bei den Gesprächen diese Woche sei China, bestätigte der französische Delegierte Renaud Crassous. Die Volksrepublik reagiere "misstrauisch" auf alles, woraus sich folgern lasse, dass es einfach sei, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Ein weiterer Gesandter aus Europa sagte, die von China, Indien und Brasilien vertretene Haltung sei Teil einer langfristig angelegten Verhandlungsstrategie der drei Schwellenländer. Die Beratungen des Klimarates kämen nur langsam voran. China, das derzeit bevölkerungsreichste Land der Welt vor Indien, besteht darauf, dass im Abschlussbericht des Klimarates genau aufgeschlüsselt wird, für welchen Anteil der Gasemissionen die reichen Nationen verantwortlich seien, wie aus Schriftstücken hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegen. Die entwickelten Länder sollen demnach förmlich zugeben, dass sie 95 Prozent der Gase verursacht haben, die von der vorindustriellen Zeit bis zu den 50er Jahren ausgestoßen wurden. Für die fünf Jahrzehnte von 1950 bis 2000 sollen die Industrieländer 77 Prozent der Gasemissionen auf ihre Kappe nehmen. Indien und Brasilien schlossen sich den Forderungen an, wie die europäischen Delegierten sagten.
Am Klimarat in der thailändischen Hauptstadt Bangkok nehmen seit Montag rund vierhundert Wissenschaftler und Fachleute aus etwa 120 Ländern teil. Sie beraten sich darüber, wie weniger Treibhausgase in die Luft gestoßen werden können und wie sich die Erderwärmung verhindern lässt, ohne der Weltwirtschaft ernsthaft zu schaden. Der Abschlussbericht wird am Freitag erwartet.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,480555,00.html