Da ich heute morgen noch ein bisschen traurig bin über die Seleção und ich mich frage, ob dieses Land es bei einer solchen Nationalmannschaft wert ist, darin zu leben, und weil die Thematik gerade im Moment in 2 Threads diskutiert wird, habe ich mich entschlossen, einen eigenen aufzumachen. Aber wahrscheinlich nur, weil es noch nichts kostet!
Aber nach dieser nicht erst zu nehmenden Einleitung zum eigentlichen Thema:
Es gehört meines Erachtens mehr Mut dazu, seine Heimat zu verlassen als dorthin zurückzukehren. Manche gehen für ein paar Monate oder Jahre weg, andere wollen das prinzipiell für immer.
Manche machen es aus Liebe, andere aus Abenteuerlust, wieder andere aus beruflichen Chancen oder weil sie vor dem Gesetz das Weite suchen.
Woanders ist es zuerst immer "anders". Doch nicht immer entpuppt sich der Alltag so, wie man es sich gedacht hat. Selbst nach vielen Urlaubsjahren kann man so manche Überraschung erleben. Aber eines macht man mit Sicherheit: Erfahrung.
Wohl sollte man sich da fühlen, wo man lebt. Wo das ist, ist egal. Und man hat schliesslich - genauso wie als Baby laufen gelernt hat - mehrere Versuche. Nichts ist endgültig. Auch die "Rückkehr" ist nicht ausgeschlossen.
Der Terminus "geschafft haben" klingt für mich sehr leistungsbezogen. Wie nach einer Prüfung. Dann habe ich so manche Oper in meinem Leben "nicht geschafft", denn da bin ich in der Pause abgehauen. Oder so manche Karriere, denn bevor ich so richtig aufgestiegen bin, habe ich gekündigt.
Was ich aber immer "geschafft habe" - ich war dort wo es mir gefallen hat. Ich habe meiner Heimatstadt den Rücken gekehrt und habe 2 Jahre in einem anderen Teil Deutschlands gewohnt. Und bin irgendwann wieder zurück. Habe ich nun in Berlin "versagt", es nicht "geschafft"? Und in welchem Zusammenhang? Finanziell, Lebensqualität, Freundschaft?
Wenn ich die Wahl habe, noch frei zu entscheiden, was ich machen will und wohin ich gehen will, dann liege ich ganz vorne. Für mich hat ein "Rückkehrer" nicht versagt, er hat hoffentlich das getan, was er wollte.
Wenn man an einem anderen Ort ist, vermisst man auch manchmal das vorherige. Oder man überlegt, was dort vielleicht besser wäre. Daran ist nichts falsch. Und man darf "heimkehren" .... man sollte immer nur dort sein, wo man glücklich ist.
Ich in meinem Fall habe immer Angst, mich irgendwo niederzulassen. Ein Haus zu kaufen. Es engt mich ein. Ich habe Angst um die Flexibilität. Glücklicherweise fehlt mir immer auch das Geld, eines zu kaufen, daher schiebe ich die Entscheidung vor mir her. Wenn ich morgen in den Nordosten gehen will, dann gehe ich. Wenn ich mit meiner Familie nach Deutschland will, dann gehe ich. Wenn ich hierbleiben will, dann bleibe ich hier.
Es ist Freiheit. Und diese macht mir das natürlich viel leichter. Ich entscheide. Und durch diese "freie Willensäusserung" wird man auch nie zum "Versager". Und nur weil sich Träume und Vorstellungen nicht realisieren liessen, ist man nicht "gescheitert". Man hat Erfahrung gesammelt. Denn das Leben ist wie das Meer - immer in Bewegung. Die Zeiten, wo man auf dem Stück Erde, wo man geboren wurde, auch sterben muss, sind vorbei.
Und in meinem Fall bin ich glücklicherweise derzeit auch immer "zuhause". Denn meine Familie ist um mich herum. Mehr als Frau und Tochter brauche ich nicht zum glücklichsein. Egal wie oder wo auf der grossen weiten Welt. Denn wenn ich sie in die Arme schliesse, bin ich mal wieder "zuhause" angekommen.
Reihard Mey hat geschrieben:
Morgennebel schwebt in feinen Schleiern im Scheinwerferlicht,
Das sich in sprühenden Tröpfchen wie in Katzenaugen bricht.
Rauhreif überzieht das Gras am Straßenrand, die Nacht war kalt,
Reifenspuren von den Feldern, sand‘ge Muster im Asphalt.
Und im Morgenhauch die Ahnung, daß ein Erntefeuer schwelt -
Nichts mehr, das ich jetzt noch brauche, da ist nichts mehr, das mir fehlt.
Paradies!
Hier ist das Paradies!
Ich brauch nicht mehr weiterzugehn
Ich hab‘s mit eignen Augen gesehn,
Auf dem Ortsschild steht:
Hier ist das Paradies!
Alte Häuser tauchen aus der Dämmrung auf, geduckt und grau.
Was drängte mich von hier fortzugehn, ich weiß es nicht genau,
War‘s ein Kummer oder Schmerz, hat mich ein Mißerfolg gekränkt?
Haben mich Geborgenheit und Überschaubarkeit beengt?
Etwas bessres als den Tod - so sagt man - findst du allemal!
Und vielleicht war das Gras wirklich grüner - im nächsten Tal?
Paradies! ...
Ausgeblich‘ne Ziegeldächer, Fenster müde und verhärmt.
Frösteln bis ins Herz und zugleich dies Glücksgefühl, das mich wärmt.
Nur, um das zu finden, weiß ich heut, hab ich mich aufgemacht,
Hat mich eine tiefe, dunkle Sehnsucht doch ans Ziel gebracht,
Mußt‘ ich mein Kap Horn umsegeln und meine Wüsten durchquer‘n:
Ich bin den weiten Weg gegangen, nur um endlich heimzukehr‘n!
Paradies! ...
Aber vielleicht seid ihr ja anderer Meinung!
