Missionar, Manager und Ermutiger
Warum der Franke Werner Völkel der brasilianischen Urbevölkerung das Evangelium bringt
Für die indianische Urbevölkerung Brasiliens ist schon lange nichts mehr, wie es einmal war. Ihre Lebensgrundlage, der Tropenwald, ist vielerorts abgeholzt. Statt Fallenstellen und Spurensuchen beschäftigen sie sich heute mit ihrer Stereoanlage und dem monatlichen Lebensmittelpaket der Regierung. Oft genug werden sie allerdings von skrupellosen Geschäftemachern ausgebeutet. Galten christliche Missionare früher häufig als Kulturzerstörer, so sind sie heute für manchen Indianerstamm die letzte Hoffnung. Werner Völkel (45) aus Geroldsgrün bei Hof ist einer dieser Missionare, die ihr Leben dafür einsetzen, das Leben der Indianer zu verbessern.
Foto: Mockler
»Hier bin ich, sende mich«: Werner Völkel kam von Geroldsgrün nach Lagoa Rica.
Wie kommt ein gelernter Kunststoff-Formgeber aus Franken dazu, Ureinwohner Brasiliens mit der Botschaft der Bibel bekannt zu machen? Werner Völkel wurde 1983 bei einem Jugendmissionstag klar, dass der biblische Missionsauftrag auch ihm gilt. Zwei Wochen später lag er nach einem Motorradunfall im Krankenhaus und erkannte, dass Gott ihm sein Leben erhalten hat, um ihm zu dienen. Freunde brachten ihm in die Klinik Predigtkassetten von der Bobengrüner Pfingsttagung. Thema war Jesaja 6, Vers 8, in der Gott fragt: »Wen soll ich senden? Wer wird mein Bote sein?« Werner Völkel antwortete mit dem Propheten: »Hier bin ich, sende mich.«
In Absprache mit seinem Gemeindepfarrer Gerhard Hägel entschied sich Völkel für eine Ausbildung an der Bibelschule Adelshofen (bei Heilbronn) und knüpfte erste Kontakte zur evangelikalen Deutschen Indianer Pionier Mission (DIPM). Dieses Missionswerk wurde Anfang der 60er-Jahre bei Stuttgart gegründet, prominentester Vorsitzender war bis 2001 der spätere württembergische Landesbischof Gerhard Maier. Das Missionswerk mit Sitz in St. Johann auf der Schwäbischen Alb arbeitet heute in Paraguay und Brasilien, veranstaltet aber auch Kinderwochen und Zeltevangelisationen in Deutschland.
Werner Völkel lebt mit seiner Frau Angelika und der Tochter Sarah in der Nähe von Dourados, 1200 Kilometer westlich von São Paulo. Die benachbarte Indianersiedlung Lagoa Rica hat 750 Einwohner. Besaßen die Indianer früher in der brasilianischen Gesellschaft kaum mehr als den Status von »Tieren des Waldes«, so kommen sie heute immer stärker in den Genuss staatlicher Leistungen. Das hat auch Auswirkungen auf die Mission. Die medizinische Arbeit der Missionsstation, die 1969 gegründet wurde, hat vor sieben Jahren der Staat übernommen. Die Missionsschule wurde 2005 an den Staat abgegeben. Beide Einrichtungen widerlegen das alte Vorurteil, evangelische Mission würde die Leute nur mit Bibelversen traktieren, sich aber nicht um das Wohl der Menschen kümmern. Krankenhilfe, Alphabetisierung, Gesundheitserziehung, landwirtschaftliche Unterstützung hatten immer einen gewichtigen Anteil bei der Weitergabe des christlichen Glaubens.
Tatsächlich hat sich die Mission inzwischen aber erheblich verändert. War sie Ende der 60er-Jahre buchstäblich Pionier-Arbeit, wie sie im Namen der DIPM festgehalten ist, geht es heute immer mehr darum, indianische Christen in ihren missionarischen Anstrengungen zu helfen. So liegt heute ein Schwerpunkt darauf, christliche Indianergemeinden zu unterstützen und ihre Leiter zu schulen. Das Thema Pioniermission ist damit allerdings noch lange nicht vom Tisch. Nach wie vor gelten von 258 Indianerstämmen in Brasilien 92 als unerreicht - dort haben also die Indianer noch nie die Botschaft der Bibel gehört.
Werner Völkel hat neben der Arbeit auf der Missionsstation noch eine herausfordernde Zusatzaufgabe. Für die DIPM ist er seit über einem Jahr Feldleiter in Brasilien. Das bedeutet: Er betreut die 23 Missionare auf sieben Stationen, die sich über ein Gebiet von 3000 Kilometern erstrecken. Bei seinen Besuchen spricht er mit ihnen über die Entwicklung der missionarischen Arbeit sowie über strategische Personal- und Finanzfragen. Er ist froh, dass er mit den Kollegen auch seelsorgerlichen Austausch pflegen und im Gebet die Arbeit gemeinsam vor Gott bringen kann. So ist der Franke Werner Völkel in Südamerika Prediger, Manager und Ermutiger - und würde seinen Einsatz als evangelischer Missionar mit keinem Beruf tauschen.
http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news ... _11_01.htm