Hallo patecuo
Interessanter Thread den du da aufgemacht hast, habe ich mir noch nie drüber Gedanken gemacht, weil meine Blickrichtung ganz anders war.
In Deutschland hatte ich kaum Hobbys, da habe ich gearbeitet, bin beruflich durch die ganze Welt gejettet, ja und hab…

….natürlich gearbeitet. Das einzige was mich beschäftigt hat, war Musik hören

und viel lesen (kann man ja beides so schön unterwegs).
Als ich nach Brasilien kam und dann vor 8 Jahren hier fest geblieben bin, habe ich die Freizeit neu entdeckt. Am Anfang bin ich aus Gründen der „Connections“ hier im Minas-Tenis-Club Mitglied geworden und habe mich über die Schicki-Micki Leute der Mittel- und Oberschicht, die nach einem Satz Tennis sich 10 Bierchen reingezogen haben, amüsiert. Irgendwann habe ich dann angefangen, mein Leben an die hiesigen Gegebenheiten anzupassen. Habe nach langer Zeit wieder angefangen, die dort angebotenen Sportarten zu betreiben. Ist halt leichter, unter älteren Leuten mit vergleichbarer schlaffer Figur anzufangen, als im Fitness-Club in Deutschland, wo man meistes von perfekten Athleten umgeben ist. Mit der verbesserten Kondition haben wir dann mit Wandern und Bergwandern angefangen, danach Reiten

, Laufen und Fahrrad fahren. Meine Frau hat mit Tai Chi und mit Malen angefangen. Dazu machen wir hier beim Jeepeiro Club leichte Rallys mit. Letztendlich entwickelt man sich hier natürlich zum Hobby-Photographen.
Wenn ich sehe, was Brasilien selbst hier in der Nähe von BH an Möglichkeiten bietet, finde ich das enorm, leider hält mich mein Alter davon ab, diese Angebote zu nutzen: Rafting, Cannoning bzw Rapel, Avorimo, Survival-Touren und Bergklettern über mehrere Tage, Mountainbiking, Motocross, Drachenfliegen und Paragliding, Fischen

. Die ganzen Hobbys, für die man Strandnähe braucht

, habe ich als Mineiro mal wegelassen.
Die Vorteile in Brasilien liegen da ganz klar beim höheren Freizeitaufkommen. Die brasilianischen Kunden lassen um 17 Uhr den Bleistift fallen, also können wir gezwungenermaßen auch den Laden dicht machen. Kunden am Abend oder Wochenende, in Brasilien nicht üblich, höchstens im Club. Dazu kommt meist die Nähe zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, die ganze Pendlerzeit fällt weg. Der zweite Vorteil in Punkto Freizeitvergnügen liegt sicher darin, das die Kosten für die meisten Freizeitaktivitäten, Fitness-Clubs, Tennisclubs, Reitstunden, Segel- und Tauchkurse,Vermietung von Gerät und Führern etc. doch sehr viel günstiger sind, als in D. Zum Vergleich 1 Monat Reitunterricht, 8 echte Stunden, Vollblutpferd, der Cheftrainer Olympiateilnehmer, Abschluss nach 3 Monaten mit kleiner Turnierlizenz kostet ganze Reais150 pro Monat. Und Stall ausmisten, Pferdepflege und selbst satteln, wie ich es von meinen Töchtern kenne, wir hier nicht verlangt. Die haben immer doof geschaut, als ich das Pferd selber satteln wollte (weil man es im Interior halt auch selber machen muss)
Ich glaube, hier in Brasilien hat man ausreichend Möglichkeiten, Aktivitäten und Hobbys zu entwickeln, mehr als ich je in Deutschland gemacht habe. Ob es hier auch Briefmarken- und Schmetterlingssammler gibt weis ich nicht, auf jeden Fall sind Modelleisenbahner hier selten.
Viel Spaß
Manfred