Boli hat geschrieben:
... Mich stört
unheimlich, dass in Brasilien, von der beste Freundin, ĂŒber Bekannte und Verwande, GeschĂ€ftspartner bis zum MinistĂ©rio das RelaçÔes Exteriores - ausnahmslos!!!

keiner antwortet (wenn sie ĂŒberhaupt antworten!) rechzeitig eine Mail. Nach 4, 5 oder 6 Wochen kommen allen mit der blöde Ausrede "ich/wir habe/n Problem mit dem Computer".
Ich habe enge Freunde, Leute mit GeschÀfte, die sagen:
1 x im Monat schaue ich nach meine Mails!
Nicht ohne Grund, dass AuslÀnder in BR schneller Erfolg haben als Brasilianer

...
Ja, hier hast Du ein guten Punkt angesprochen. Ich glaube, wer in Brasilien auf Behörden, Banken und viele andere Organisationen angewiesen ist - und das sind wohl die meisten die dort leben oder GeschĂ€fte machen - der wir das als sehr störend und beschwerlich empfinden. Ich wĂŒrde das nicht nur auf E-Mails beziehen. Dinge, die man in anderen LĂ€ndern per E-Mail, Brief oder mit ein paar einfachen Telefonaten nebenbei erledigen kann, werden in Brasilien zu einem Geduldsmarathon und arten in sehr viel Arbeit aus. Das Warten, Nachhaken, das Hinlaufen weil ein Mail nicht beantwortet wird usw. ist natĂŒrlich unangenehm. Und erst der ProduktivitĂ€tsverlust fĂŒr das ganze Land. Kling geschwollen, muss aber enorm sein. Also ich habe hier mit unnötigen ĂmtergĂ€ngen schon viele Arbeitswochen vertrödelt. Das auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet. Na Prost Mahlzeit.
Ich denke mal, was Du hier angesprochen hast gehört zu dem Punkt: "UnzuverlĂ€ssigkeit und UnpĂŒnktlichkeit", tatsĂ€chlich eine nicht zu leugnende Untugend einiger Brasilianer, oder etwa nicht?
Boli hat geschrieben:
... Bei den brasilianischen GeschÀftspartner (egal ob Frau oder Mann) stört mich, dass wenn ich Portugiesisch schreibe (so schrecklich ist meine Grammatik nicht!) oder spreche, das Interesse geht sofort verloren. Egal ob in BR oder hier.
Manchmal denke ich, dass sie Angst haben, dass ich hinter den Kulissen schaue und sehe dass sie die Leute nur verarschen wollen nach dem Motto "todo gringo Ă© burro".
Vor Jahre, auf der ITB, habe ich lange GesprÀche in Englisch mit einer hochkarÀtige Mitarbeiterin der Embratur gehabt (
sie hat mich auf Englisch angesprochen!). Nach einer Weile, als ich gesagt habe, dass wir Portugiesisch sprechen könnte, sie ist aufgestanden und ist gegangen.
Mir passiert es sehr selten, aber damals war ich wirklich sprachlos.
Problemas de povo colonizado: tudo que Ă© estrangeiro Ă© melhor

mesmo que seja a melhor m....
Das verstehe ich nicht ganz. Also brasilianische GeschÀftsleute oder Beamte etc. verlieren das Interesse, wenn man zeigt, dass man Portugiesisch kann? Man muss ja erst mal jemand finden, der Englisch kann. Bei uns in Recife sehr schwer.
Meine Erfahrung geht genau anders herum. Ich finde das hier sogar sehr angenehm und wĂŒrde es eher als positiven Punkt werten. Mein Eindruck ist, dass ich als portugiesisch sprechender AuslĂ€nder tendenziell eher besser bzw. bevorzugt behandelt werde. Ich habe mir angewöhnt bescheiden, geduldig und gepflegt aufzutreten. Auch wenn ich das eigentlich gar nicht bin. Aber Show ist manchmal alles

Man muss das einfach realistisch betrachten. Man kommt hier her als absoluter Nobody. Keine Connections, absolut nichts, einfach nur: "Hallo, hier bin ich Gringo". Bestenfalls kann man erwarten, dass man ganz normal, wie jeder andere "Nobody" auch behandelt wird. Vielleicht sogar etwas schlechter, da man die Gepflogenheiten vielleicht doch nicht so 100%ig drauf hat und daher eher mal aneckt. So geht es gewöhnlich einem AuslĂ€nder in Deutschland. Sobald der Beamte oder Angestellte aber merkt, dass der Gringo sogar einigermaĂen Portugiesisch kann, sonst auch ganz freundlich zu ihm ist und auf Augenhöhe mit ihm umgeht, vielleicht mal etwas nicht einfordert sondern ein bisschen verzweifelt bittet etc. ja da tauen viel auf und werden sehr hilfsbereit. Klar immer nur im Rahmen der oft sehr begrenzten Kompetenz und Befugnis.