Was nervt am meisten in Brasilien

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Beitragvon Jorginho » Di 15. Feb 2005, 15:05

Trem Mineiro hat geschrieben:Ich verlange etwas, bekomme es versprochen und habe die Frechheit, da einer Woche zu insistieren. – Mein Gott, kann so ein Ausländer nicht ein wenig Geduld haben.


Das Schlimmste ist ja, daß diese Leute die Geduld, die sie von dir verlangen, im umgekehrten Fall nicht aufbringen. Dieses ambivalente Verhalten ist schon ein bißchen symptomatisch für die brasilianische Gesellschaft. Das Motto "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu" scheint dort schon weitestgehend unbekannt zu sein.

Ein Beispiel: Die Tatsache, daß sich jemand gerade noch wie ein Irrer über das unverschämte Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers aufgeregt hat, hindert dieselbe Person nicht daran, sich einen Augenblick später dieselbe Unverschämtheit herauszunehmen und sich dann auch noch über die Verärgerung der anderen zu ereifern. (Das ist natürlich keine rein brasilianische Spezialität - mein Bruder kann das auch perfekt! -, aber dort leider flächendeckend verbreitet.)
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Beitragvon sefant » Mi 11. Mai 2005, 23:33

Dann mal auch mal was von mir.

Man geht Richtung Busstop um seinen Bus Richtung Heimat zu kriegen, da sieht man aus der Entfernung von der anderen Straßenseite den Bus...verpasst...und dahinter gleich noch einer...und noch einer der gleichen Linie. Alle so gut wie leer.

"Nicht schon wieder" :censored:

Danach steht man sich mindestens 20 weitere Minuten die Beine in den Bauch, um dann in den nächsten Bus dieser Linie zu steigen. Der ist natürlich gnadenlos überfüllt. :bazooka:

Analog ist es auch schön in einen vollen Bus zu steigen, da man nicht die Lotterie des Wartens spielen möchte und wenige Meter später wird man von 1-3 fast leeren Bussen der gleichen Linie überholt :nono:

Aber hätte man in diesem Moment den vollen Bus nicht erklommen, wäre der nächste Bus sowieso wieder frühestens in 30min gekommen.

Den 9250 von Ecke Savassi Square Richtung St. Tereza/Pompeia liebe ich in der Hinsicht :evil:
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Beitragvon Careca » Do 12. Mai 2005, 23:34

Komisch. Gerade das hat mir am meisten imponiert, als ich das erste Mal in Brasilien war. Man stellte sich an einer Halte und wartet. Kommt der Bus gleich nicht, kommt er später. Nie konnte ich Murphys Law besser nachvollziehen als da.
Es hat mich aber nie so frustriert wie in Deutschland, wo der Bus um 13:41 pünklich kommen sollte, dann aber schon 13:40 abfuhr, so dass ich die Rücklichter sah und nu 21 Minuten zu warten hatte.
Gut.
In Deutschalnd kann man seine Uhr nach der U-Bahn stellen und wenn die eine Minute zu spät kommt, dann hat man schon ne halbe Palastrevolution am Bahnsteig. Da kocht dann die Volksseele. Da wird die U-Bahn-Haltestelle zum Stammtischlokal. Da fliegt dann auch schon mal das ein oder andere verbale Stuhlbein übers leere Gleis.
Besonders gut ist das immer im Winter mit Frost, Schnee und Kälte zu beobachten. Alle wollen die S-Bahn um 4:53, um exakt eine Minute vor Arbeitsbeginn am Stempelautomaten zu stehen und dann kommt die Bahn zehn Minuten zu spät und alle fluchen, weill sie nicht um 14:42 gehen können sondern bis um 14:51 arbeiten müssen, und damit beispielsweise die ersten zehn Minuten der deutschen 16:00-Uhr-Telenovela ("Bianca-Wege zum Glück") verpassen. Die S-Bahn ist dann eine Art Freiheitsberaubung für die. Statt dass die früher aufstehen, wenn die ihre Novela sehen wollen ...

In Brasilien lernste, dass Warten auch ne Kunst der Selbstbeherrschung sein kann. Am besten gar nicht erst ne Uhr mitnehmen und wenn doch dann nie drauf schauen (hilft eh nichts. Die Uhr läuft dadurch auch nicht schneller).
Gut. Damals war ich Tourist und fand Haltestellen ohne Fahrplan cool.
Aber selbst bei meiner Arbeit in brasilien hatte ich mit der eigenwilligen Pünktlichkeit der Busse keine Probleme. Paarmal bin ich sogar zu Fuss die fünf Kilometer zur Firma gegangen und habe erstaunte Blicke der Kollegen geerntet: "Wir haben hier in Brasilien auch Taxis." Gut, ich ging hemmungsfrei zu Fuss (... lang lebe die Kernarbeitszeit ...).
Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"
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Beitragvon sefant » Fr 13. Mai 2005, 01:28

Da stimme ich schon mit Dir überein.

Und die Busgeschichte ist ja auch nichts, worauf ich Brasilien verfluche...es ist eben dieses Murphys Law, was da immer wieder passiert :wink:

Allerdings passiert es dort sehr viel öfters, als in Deutschland der Bus, der zu früh kam. Nerven tut mich beides gleich viel, gelegentlich kann ich aber auch drüber lachen.

Was anderes was mich gelegentlich nervt: Plastiktüten im Supermarkt. Da steht man im Extra oder EPA und sieht, wie im Schnitt 50 Artikel in 40 Plastiktüten verstaut werden. Als wenn es nicht genug Müll auf der Welt gibt. Herrlich ist es auch, wenn man nach der Rückkehr dann wieder vor seiner gelben, blauen, braunen und schwarzen Tonne steht und man sich denkt "Ja, aber auch mein kleiner Beitrag hilft dem Umweltschutz" :wink:

Wäre mal interessant zu sehen, wenn alle Supermärkte 5 centavos für die Tüte nehmen würde. Dann könnte man mit Stoffbeuteln verkaufen reich werden :shock:
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Beitragvon Moranguinho » Fr 13. Mai 2005, 09:01

[quote="Careca"][...]
In Deutschalnd kann man seine Uhr nach der U-Bahn stellen und wenn die eine Minute zu spät kommt, dann hat man schon ne halbe Palastrevolution am Bahnsteig. Da kocht dann die Volksseele. Da wird die U-Bahn-Haltestelle zum Stammtischlokal. Da fliegt dann auch schon mal das ein oder andere verbale Stuhlbein übers leere Gleis.
Besonders gut ist das immer im Winter mit Frost, Schnee und Kälte zu beobachten. Alle wollen die S-Bahn um 4:53, um exakt eine Minute vor Arbeitsbeginn am Stempelautomaten zu stehen und dann kommt die Bahn zehn Minuten zu spät und alle fluchen, weill sie nicht um 14:42 gehen können sondern bis um 14:51 arbeiten müssen, und damit beispielsweise die ersten zehn Minuten der deutschen 16:00-Uhr-Telenovela ("Bianca-Wege zum Glück") verpassen. Die S-Bahn ist dann eine Art Freiheitsberaubung für die. Statt dass die früher aufstehen, wenn die ihre Novela sehen wollen ...

[...]quote]

Hallo,

das Problem ist, dass viele noch eine Anschlussverbindung, z.B. mit dem Bus haben. Das können dann aus einer Minute Verspätung schnell 30 werden. Alles schon erlebt. Ist kein Problem, wenn es einmal passiert, kommt es aber jeden Tag vor, dann fragt man sich doch, warum die Bahn nicht einfach den Fahrplan richtig erstellt. Die U-Bahnen haben ja auch einen vernünftigen Fahrplan, die haben aber auch mit der geliebten Bundesbahn nichts zu tun.

Viele Grüße

Moranguinho
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Beitragvon Jorginho » Do 21. Jul 2005, 10:43

Zum Kotzen finde ich die schiere Geldschneiderei in den brasilianischen Konsulaten. Da meine Frau im Herbst alleine mit meiner Tochter nach Brasilien fliegt, braucht sie meine Einverständniserklärung. Peng, das macht dann gleich schon mal 20 Euro, die man der gefräßigen Bürokratie in den Rachen werfen muß! Da der brasilianische Reisepass meiner Tochter bereits abgelaufen ist (die beiden ersten Pässe haben ja nur eine Gültigkeit von zwei Jahren - zum Vergleich: der deutsche Kinderreisepass kostet 13 Euro und gilt bis zum 10. Lebenjahr) kommen dazu dann noch einmal 30 Euro für den neuen Pass (der erste hatte 37,50 Euro gekostet). Den Pass bekommt sie aber nicht einfach so, obwohl wir den Antrag ja unterschreiben. Nein, weil man ja sonst nichts zu tun hat, darf man auch noch eine Autorisierung für die Beantragung des Reisepasse unterschreiben und einreichen. D.h. im Prinzip: Wir autorisieren uns selber, den Pass unserer Tochter zu beantragen. Was das kostet, weiß ich jetzt nicht. Bei der Gelegenheit kann meine Frau dann auch gleich ihre Registrierung im Konsulat aktualisieren (wir sind ja umgezogen). Das kostet dann nochmal 10 Euro und hat den Effekt, daß man im Konsulat zwar weiß, wo meine Frau wohnt, aber nicht im Traum auf die Idee käme, ihr etwa eine Mitteilung zu schicken, wenn Wahlen bevorstehen.

Einen Vorteil hat das Ganze ja: Brasilianische Kinder wissen gleich von klein auf, wofür sie da sind. Nämlich dafür, den brasilianischen Staat, der sich ansonsten einen Dreck für sie interessiert, zu alimentieren.
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Beitragvon patecuco » Fr 22. Jul 2005, 23:33

Trotzdem geh ich lieber auf ein Konsulat, als zur bras. PF, denn dort sitzen nur hirnamputierte.

Im Konsulat kriegste wenigstens den Pass, in BR muss man die Geburtsurkunde vom Konsulat ueber ein Gericht neu austellen lassen, da sie anscheinend keine Gueltigkeit in BR hat. Die Beamten haben auch gleich eine Visitenkarte eines befreundeten Anwalts zur Hand.


Gleichzeitig sollen aber BR Kinder mit dem BR Pass einreisen. Wir machen das manchmal, da man dann keine Verlaengerung des Visum braucht, die Kinderausweise sind ja nur 3 Seiten dick, da ist gleich alles voll mit Stempeln. Die alleinige Ausreise nur mit Erklaerung ist der naechste Duennschiss im System, wenn meine Tochter auch Deutsche ist, was gilt dann, deutsches oder brasilianisches Recht ???

Deutsche Kinderausweise sind uebrigens auch nur 2 Jahre gueltig, sofern sie ein Bild haben, ohne Bild sind sie 10 Jahre gueltig. Wer das kapiert, soll sich mal bei mir melden.

Wir haben deshalb einen Ausweiss ohne Bild beantragt und spaeter ein Bild einfuegen lassen, die Gueltigkeit blieb bei 10 Jahren, da niemand drauf kam diese Frist zu verkuerzen.

Mein Fazit:

BR ist gut fuer Urlaub und Freizeit, Arbeiten oder dort abhaengig leben, nicht in 1000 kalten Wintern. Mit genug Euronen kann man es sich aber gutgehen lassen.
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Beitragvon Lemi » So 24. Jul 2005, 21:23

Jorginho hat geschrieben:Zum Kotzen finde ich die schiere Geldschneiderei in den brasilianischen Konsulaten. Da meine Frau im Herbst alleine mit meiner Tochter nach Brasilien


Momentan finde ich die Baianos zum Kotzen, die sich einfach an öffentliche Strandzugänge stellen und mir einreden wollen, dass ich gerade das Privatgelände einer "Sra. Sowieso" passieren würde und dafür 5 R$ pro Person abdrücken müsste. Das dies eine Lüge sei, hatten mir vorher die Jungs am "Parkplatz" (3 R$) erzählt .......... der Zugang gehöre der Prefeitura und sei öffentlich. Der Strand ist es ja sowieso, da er Marine gehört ............. :roll:
Man sieht sich,
In der Unterschicht
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Beitragvon Takeo » So 24. Jul 2005, 23:37

was mich am meisten nervt?

1.) "President" Lula
2.) PT "Regierung"
3.) Korruptionsskandal und Mensalão
4.) Movimento "sem terra"
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Beitragvon Hans » Mo 25. Jul 2005, 09:22

Takeo hat geschrieben:was mich am meisten nervt?

1.) "President" Lula
2.) PT "Regierung"
3.) Korruptionsskandal und Mensalão
4.) Movimento "sem terra"


Recht hast du, aber dann kannste gleich alle Politiker ALLER Parteien und alle Beamten (incl. natürlich PF) von heute und von früher mit einbeziehen, denn überall war IMMER Korruption! :lol:
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