Was nervt am meisten in Brasilien

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Was nervt am meisten in Brasilien

Beitragvon Hans-Joachim Menzel » Fr 10. Dez 2004, 19:54

Hallo,

wir mögen zwar alle Brasilien und fühlen uns auch wohl, aber hin und wieder merken wir doch, daß es das Paradies auf Erden nicht gibt, auch wenn uns Brasilien manchmal als dieses erscheint.
Da könnten wir hier doch mal alle diejenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, nach Brasilien auszuwandern, mit den Informationen versorgen, die man ggf. bei einer Urlaubsreise nicht oder kaum erhält und die das alltägliche Leben - na nennen wir es mal - exotischer machen und einer gewissen Gewöhnung bedürfen.

Gruß

H-J
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Auswander-Informationen

Beitragvon Hans » Fr 10. Dez 2004, 20:19

Da hast du recht, solche Informationen wären sehr hilfreich!

Ein Freund ist blind und ohne Vorbereitungen und ohne viel Geld nach Fortaleza ausgewandert - zur Familie seiner Frau, die ein kleines Zuschneider-Geschäft haben, und ist nach nur 10 Monaten desillusioniert wieder nach Deutschland zurück gekommen. Er hatte nur Schwierigkeiten dort, mit den Behörden usw.

Tja, er wollte nicht auf mich hören und hat somit nicht das Auswandern von Deutschland aus vorbereitet, z.B. Permanencia hier im brasilianischen Konsulat beantragen usw.

Beim ihm traf das Vorurteil wirklich zu, dass er blind durch die rosarote Paradisbrille "Brasilien" ohne großes Überlegen einfach "ausgewandert" ist und viel Lehrgeld zahlen mußte.

Ich denke, man kann selbstverständlich auswandern, solange man realistisch daran geht ...und dafür braucht man viele Informationen!!! ....es sei denn, man ist einfach nur ein Abenteurer, dem nichts anhaben kann!!!

Vielleicht wäre so ein Threat wirklich hilfreich, den einen oder anderen "Auswanderer" fundierte Informationen an die Hand zu geben, in dem einige "Insider" ihre Erfahrungen posten.

Hans



P.S. Vielleicht sollte man den Threat anders nennen, damit man nicht meint, dass hier nur über nervige Dinge geschrieben wird?
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Beitragvon helveticus » Fr 10. Dez 2004, 20:29

Hallo Hans und Hans (-Joachim)

Interessantes Thema, vielleicht müssten wir etwas genauer definieren zwischen "was nervt" und "was die Voraussetzungen sind" um in Brasilien zu leben. Das eine geht mehr Richtung Schlaglöcher und anhängliche Caju-Verkäuferinnen (DL :lol: ) und das andere Richtung Gesetze...

Gruss,
Raphael
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Geduldsprobe an der Kasse im Supermarkt

Beitragvon Hans-Joachim Menzel » Fr 10. Dez 2004, 20:31

Habt ihr es auch schon erlebt? Man möchte mal noch ganz schnell was im Supermarkt einkaufen und, zum Glück ist man ja in Brasilien und wird nicht vom deutschen Ladenschlußgesetz gepeinigt, freut sich, daß der Supermarkt auch noch abends geöffnet hat. So weit, so gut. Man hat sogar Glück und findet die gewünschten Prokute. Glücklich rollt man an die Kassen heran. Man fährt die 43 kassen, von denen immerhin 14 geöffnet sind 3 x auf und ab, um schließlich die Kasse zu erwischen, an der nur 3 Kunden stehen, deren Einkaufswagen auch nicht allzu voll ist.
Erste Begegnung der unheimlichen Art: Während die Ehefrau gelangweilt am Einkaufswagen steht, kommt plötzlich der Ehemann mit dem 2. Einkaufswagen angerollt und plötzlich stellt man fest, das die Summe der Produkte in den beiden Einkaufswagen die Wartezeit um weitere geschätzte 10min verlängert. Mittlerweile hat das Mädel an der Kasse seinen Dienst unterbrochen, denn der Strichcode einer Flasche Wein ist nicht im Kassensystem gespeichert. Man wartet schaltet ein Lampe an und wartet .....
Nach 7 min ist das Problem schon (!!) gelöst und es geht weiter. Schaut man der Kassiererin zu, die eigentlich die Produkte nur am Scanner vorbeiziehen muß, fällt einem auf, daß dies mit einer Geschwindigkeit geschieht, daß man Angst hat, die Arme klappt gleich wegen Entkräftung zusammen. Zwischen dem scannen von zwei produkten unterhäl sie sich dann noch mit der Kollegin. Jedes zweite Produkt muß 4-5 mal am Scanner vorbeigeführt werden, weil dessen Scheibe verschmutzt ist. Das ist dann der Augenblick, in dem ich mir wünsche Millionär zu sein, um dem Mädel an der Kasse einen Bildungsurlaub bei Aldi zu finanzieren. Beim Zuschauen, wie die Mädels bei Aldi das Zeug vom Förderband ziehen, würden die brasil. Kassiererinnen wahrscheinlich nach 2 min bewusstlos umfallen, weil ihnen schwindelig wird. Nun gut, schließlich sind wir sowit, daß gezahlt werden könnte, wenn... ja, wenn man nicht das geld bzw die Kreditkarte vergessen hätte. Zum Glück hat der Kunde noch einen Scheck einstecken. Der wird umständlich ausgefüllt, auf der rückseite werden alle lebensdaten und das Curriculum festgehalten und dann geht's mit dem Scheck ab zum Gerente, weil ja jetzt erst überprüft werden muß, ob der Name des Kunden auch sauber ist. Dann geht es endlich weiter und der nächste Kunde kann sich auf den Zahlvorgang vorbereiten.
Das Tollste ist dann immer wieder, wenn die Kassierin noch die magische Frage stellt, ob man sonst noch einen Wunsch habe... Ja, abhängig von der Kassiererin könnte man da schon noch Wünsche haben, aber ob die dann auf der Stelle erfüllt werden ???? Da habe ich doch meine Zweifel.
Also gut, ich hab' da mal einen Test gemacht (Nicht was ihr jetzt wieder denkt...). Ich war ja anständig und habe sie ur darum gebeten, mir noch 500g Nudeln einer bestimmten Marke zu holen. Ergebnis: Sie hat sie mir nicht geholt, sondern mich gebeten, sie noch schnell zu holen, während der Rest der Schlange (geduldig ???) gewartet hat. Die Situation war mir dann aber so peinlich, daß ich den Test nie mehr wiederholt habe.
Du bist dann also durchaus zahlungswillig, nachdem unmittelbar vor dir die Papierrolle für den beleg ausgewechselt werden muß und die Ersatzrolle erst bei einer anderen Kasse ausgeliehen werden muß. Du zückst deinen 50 R$-Schein, die Kassenschublade schnellt auf ... und ...gähnende Leere, oder mit anderen Worten, es ist kein Wechselgeld in der Kasse. Den Fuffi zu wechseln, ist dann auch schon die letzt Etappe bei diesem Geduldsspiel.


Die Moral von der Geschicht' :

1) Vergiß' daß es ALDI gibt und wie es dort an den Kasen zugeht.

2) "Mal schnell was einkaufen", kannst du vergessen. freue dich über alles, was du erledigt hast und vergiß die Zeit, die du dafür aufwendest.

3) Versuch erst garnicht die Kasse ausfindig zu machen, wo es vermeintlich am schnellsten geht. Die Wahrscheinlichkeit von unvorhersehbaren Vorkommnissen überrascht zu werden ist nahezu 100%.

4) Such die die Kasse aus, wo ein interessantes Mädel in der Schlange steht oder an der Kasse sitzt und nutze die Wartezeit für die Dinge, die Brasilien interessant machen.

5) Glücklich, den Einkauf bewerkstelligt zu haben, gönnt man sich erstmal ein Chopp.

Saúde !!
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auf der Bank

Beitragvon Bagi » Fr 10. Dez 2004, 21:24

Meine Frau hat ein Konto bei der Bradesco Bank. Das brauchst Du Nerven!!

1. Egal, zu welcher Zweigstelle du gehst, Du kannst Davon ausgehen, dass mindesten 50% der Geldautomaten nicht funktionieren.

2. Mich wundersts, was die Brasilianer für eine Geduld haben um an ihr Erspartes zu kommen. Aufgrund der Warteschlangen an den verbleibenden Automaten könnte man meinen sie bekommen das Geld geschenkt.

3. Du kannst davon ausgehen, dass mindestens zwei Leute in Deiner Schlange nicht wissen wie man den Kasten bedient. Nach etlichen Versuchen gibt es dann professionelle Unterstützung von der Bank.

4. Meistens kommt genau zur Mittagszeit, wenn jeder auf die Bank geht, der Panzerwagen mit dem Geldnachschub angerollt und alle Geldautomaten werden heruntergefahren, damit sie aufgefüllt werden können.

5. Ich wunder mich immer wieder was jemand 10 Minuten an einem Geldautomat machen kann. Da werden zigmal Geheimzahlen und weiß Gott was für Nummern eingeben. Dann werden meterlange Abrechungen ausgedruckt, etc…. dann die Karte noch mal in hineingesteckt um die Wasserrechung zu bezahlen ….


Ich selber bin Kunde bei der Citibank und da läuft eigentlich alles wie am Schnürchen.
Zuletzt geändert von Bagi am Sa 11. Dez 2004, 00:32, insgesamt 2-mal geändert.
Bis dann
Bagi
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Beitragvon helveticus » Fr 10. Dez 2004, 21:27

Hans- Joachim Menzel, ich habe mich in jedem einzelnen Satz selber gesehen..... Herrlich erzählt!

Ich war am Montag wiedereinmal auf dem Postamt. Wie das so ist in São Paulo musste ich natürlich mit dem Auto hin, weils zu Fuss einfach zu weit ist. Natürlich nicht auf anhieb gefunden, da das Einbahnsystem in São Paulo sich jeder Logik entzieht. Irgendwann aber doch angekommen und natürlich gibt es vor dem Postamt wieder einmal keine Parkplätze und man muss doch wieder ein estacionamento aufsuchen. Noch kurz die Preise gecheckt, 3.50 für eine halbe Stunde, 6.00 für eine ganze... aber ich will ja nur kurz einen Brief aufgeben, sollte also gleich zurück sein! Denkste... Erst mal auf dem auf der Maschine geguckt welche Nummer ich ziehen muss und da steht es wieder MEIN UNWORT DES JAHRES: PESSOAS PREFERENCIAIS. Nichts desto trotz, noch voller Überzeugung gleich wieder draussen zu sein ziehe ich meine Nummer bei "outras". Die Nummer scheint mir zwar etwas hoch, aber noch 20 Personen und ich bin dran und alle Schalter sind ja geöffnet! Das geht doch ganz schnell!doch ganz schnell!doch ganz schnell!doch ganz schnell!... Warten und noch mehr warten... und immer wieder zischen rüstige sechzigjährige an mir vorbei und konnten Ihren Brief aufgeben, auch der Herr der das ganze mit Sedex schickte ist schon wieder weg. Nun gut, nach 50 Minuten erschien dann doch meine Nummer, nachdem auch noch jeder Schalterangestellte deomonstrativ eine Kaffepause gemacht hat. Mein Brief kostete dann auch nur schlappe 1.50 nach Rio. So jetzt aber, schnell wieder nach Hause. Zurück wieder beim Estacionamento denke ich noch so, gut, wenigstens hab ichs geschafft und der Brief ist weg und knapp unter einer Stunde bin ich auch. Aber da will noch jemand anders seinen Wagen abholen, wie halt das so ist, will er wohl seine Parkgebühr von 6.00 Reais in 10 Raten mit der goldenen Kreditkarte bezahlen... und das dauert.. das dauert so lange, als ich endlich dazu gekommen bin meine Parkgebühr zu bezahlen, ich schon die Gebühr von 2h bezahlen sollte. Warum denn 2h fragt ich freundlich, er sehe mich doch schon seit 10min hier warten. Als Antwort habe ich nur ein "porque sim" erhalten....

Fazit:
Ein Brief von Sao Paulo nach Rio kostet zwar nur 1.50 aber Nebenkosten und Nebenwirkungen kosten einiges mehr.

Gruss,

Raphael  :-)br
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Beitragvon Hans-Joachim Menzel » Fr 10. Dez 2004, 21:57

an alle Interessierten: Schaut mal unter dem Thema: "Frage: Eröffung Bankonto in Brasilien nach"
Dieses Thema gehört sicherlich auch zu den Top 10 der gewöhnungsbedürftigen Dinge in Brasilien...

Gruß

H-J
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Re: Was nervt am meisten in Brasilien

Beitragvon yens » Fr 10. Dez 2004, 23:52

Hans-Joachim Menzel hat geschrieben: Leben - na nennen wir es mal - exotischer machen und einer gewissen Gewöhnung bedürfen.

Gruß

H-J


Hm. Also ich bin ja kein echter Brasilienkenner, auch wenn ich jetzt fast immer im Ausland wohne. Aber was mich in Brasilien genervt hat:

Der Joghurt. Da haben die im Supermarkt 20 verschiedene Joghurthersteller aber nur die Geschmacksrichtung: "Erdbeere". Na ja, machmal auch noch Joghurt mit Honig.
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Beitragvon Floriano » Sa 11. Dez 2004, 01:43

Eine der für mich bisher und gerade auch wieder schlimmsten Dinge ist, dass all das, was man in Deutschland zentral in einem Einwohnermeldeamt erledigen (und auch vorher erfragen) kann, hier unendliche Wege, Beglaubigungen, Umwege, Ausschweifungen, Wartezeiten, Falschinformationen, neue Umwege, ... benötigt.

Ich habe heute schriftlich eine Info vom "Abteilungsleiter Recht" der AHK in São Paulo bekommen, die da lautet (Auszug):

Die entsprechenden Genehmigungen bis zum 31.12. zu erhalten, ist nach unserer praktischen Erfahrung ebenso unwahrscheinlich, wie die erforderlichen (zahlreichen) Informationen "gebündelt" zu erhalten.

Ebenso teilte mir heute ein sehr freundlicher und auch hilfsbereiter Mitarbeiter eines Cartorios in Pinheiros mit, dass der Erhalt einer Grundbuchkopie vermutlich einige Tage benötigen wird, da die Angestellten im entsprechenden Amt "arbeitsunwill und unfreundlich" seien. Wohlgemerkt meinte er, man müsse persönlich mehrere Tage dort zubringen.

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Beitragvon patecuco » Sa 11. Dez 2004, 01:44

da koennte man ueber Hotels in Salvador schreiben, die das Bezahlen des Zimmers als Voraussetzung fuer die Reservierung vorschreiben. Dann beim Einchecken aber meinen, das Zimmer sei nicht frei und man solle es doch woanders probieren. Die Anzahlung wollen sie auch nicht mehr rausruecken, erst nachdem die dB meiner Antwort die eines Carro de Som erreichen klappt es dann doch noch, mit der Rueckerstattung nicht mit dem Zimmer.

Eine andere Geschichte ist die DETRAN, eigentlich recht lustig, waere da nicht immer der Systemabsturz und eine Zulassung braucht 3 TAge bis 2 Wochen.

Was mir unverstaendlich blieb ist, warum das deutsche oder auch amerikanische Konsultat sich in ihrer Arbeitsweise schon total brasilianisiert haben.
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