pocoto hat geschrieben:
Realistisch gesehen geht es mit R$ 1000 pro Person. Es ist hart, aber es geht. Alles darunter ist sehr, sehr schwer.
Ja, 10 Millionen fallen in diese Kategorie.
180 Millionen nicht. Uns sie überleben auch, haben Autos, kaufen Klamotten, Möbel. Leben zum überwiegenden Anteil eben auch nicht in der Favela.
Darum geht es mir. Kennt ihr SINE? Guckt doch mal rein, welche Arbeit wie gesucht und wie vergütet wird.
Schaut man der Realität in die Augen, dann wird man feststellen, dass 1000 R$ pro FAMILIE der Schnitt ist, und nicht pro Person. Das ist eine Tatsache und keine Meinung. Lest die Statistiken, beschäftigt euch mit der Materie und geht nicht von Hörensagen oder Gelaber aus.
Für einen verwöhnten Mitteleuropäer mag es hart sein mit 1000 R$ pro Person zu leben und es ist mit Sicherheit auch keine Motivation zum Auswandern. Darüber will ich gar nicht streiten.
Aber im normalen brasilianischen Alltag zählen eben andere Kennziffern. Bestes Beispiel mein Schwager. 1.200 R$ mit Frau und drei Kindern. Miete, Auto, Fahrten zur Verwandschaft, Hobbies, Ausflüge, PC. Geht alles ... und ohne Favelaflair und ohne abgetragene Klamotten.
Tatsache ist, dass rund 100 Millionen Brasilianer pro Kopf rund 100 Euro zur Verfügung haben, dabei nicht in der Favela leben und auch nicht kriminell werden. Ihr Kinder sind nicht unterernährt und tragen keine Lumpen und müssen auch nicht arbeiten. Das bitte ich bitte bei allen Überlegungen einmal zu berücksichtigen.
Und hart wird es mit diesem Geld nur, wenn man es der Upperclass und den Touristen nachmachen will und in die Marmor-Shopping-Tempel Sao Paulos marschiert und ständig einkauft.
Also ist der oben zitierte Realismus nur aus der Sicht eines deutschen Eigenheimbesitzers mit 2 Urlaubsflügen im Jahr und dreijährigem Autowechsel zu verstehen - Golfkurs und Saunakarte nicht eingeschlossen. Hartz IV Empfänger würden sonst im direkten Vergleich zu den Favelinhos zählen .....
Und die Qualität im Forum geht immer dann verloren, wenn Leute sich aus Langeweile an Diskussionen beteiligen, wo sie nur sehr wenig Ahnung haben und aus falschem Stolz ihre vagen Vermutungen als Gesetz manifestieren wollen, auch wenn sämtliche FAKTEN dagegensprechen.
Aber gerade bei solch subjektiv zu bewertenden Themen sollte man seine eigenen Aussagen durch entsprechende "Berechnungen" untermauern und nicht unbedingt einfach nur Zahlen raushauen. Aber dies ist in Ermangelung der Kenntnis tatsächlicher Zahlen meist schwer möglich. Da wäre dann Schweigen vielleicht sinnvoller. Oder Aussagen wie "ich würde mit .... zurechtkommen, da ich nur a) b) c) ausgebe" würden ein vernünftige Diskussionsbasis schaffen.
Aber meist kommen halt nur 2-3 Sätze "Dünnschiss" ...
Hinzu kommt, wenn ich mir Diskussionen aus der Vergangenheit betrachte, dass die Herrschaften in letzter Zeit gerne die Reais gedanklich in Euro umrechnen und dann aufgrund des derzeit für Europäer ungünstigen Wechselkurses anscheinden kräftig aufstocken. Wobei das Leben hier in Brasilien nicht proportional zur Aufwertung des Reals / bzw. Abwertung des Euros teurer geworden ist.
Soviel fürs erste ....