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Legendarios do Brazil
Stellen Sie sich vor: Rummenigge, Breitner, Beckenbauer, Seeler, Hölzenbein und Netzer würden gemeinsam eine CD mit deutschen Fußballklassikern aufnehmen. Ein musikalischer Alptraum mit Geschmacksverirrungen wie "Viva Argentina", "Fußball ist unser Leben" oder "Gute Freunde" - und sechs Altmeistern, die sich noch nie als sonderliche Sangestalente profiliert haben.
Ganz im Gegensatz zu Jair "Jairzinho" Ventura Filho, Altair Gomes de Figueiredo, Jair Marinho de Olivera, Hercules "Brito" Ruas, Marco Antonio Feliciano und Roberto Lopes de Miranda. Sechs Herren zwischen 55 und 70, die 1962 bzw. 1970 Weltmeister wurden und neben Pele zum ganzen Stolz der Selecao, der brasilianischen Auswahl, zählen. Zudem stehen sie für genau die Verbindung aus musica und futebol, die weder Herbert Grönemeyer, noch die Sportfreunde Stiller und schon gar nicht Bob Sinclair hinbekommen: Sie haben den Bossa Nova und Samba im Blut. Was sie unter der Regie des deutschen Produzenten Jan-Eric Kohrs (u.a. Gregorian Masters Of Chant) unter Beweis stellen - mit elf Stücken, die sich zum größten Teil aus Klassikern der MPB, der Musica Popular Brasileira, sowie zwei Neukompositionen zusammensetzen.
Den Auftakt des knapp 40minütigen Songparcours macht die erste Single "Pais Tropical", eine stimmungsvolle Interpretation von Jorge Bens Gassenhauer, der als inoffizielle brasilianische Nationalhymne gilt. Dargeboten mit kratzigen Männerstimmen, fetzigen Bläsern, verspieltem Piano und groovigen Percussions. Ein Sound, der vor kompensierter Lebensfreude, feurigem Rhythmus und sonnigen Vibes sprüht, und regelrecht ansteckend wirkt. Eben wie ein Aphrodisiakum, das Lust auf mehr macht. Und Nachschläge gibt es reichlich. Angefangen beim Ohrwurm "Carioca De Gema" von Leila Pantel (die auch selbst mitsingt), über das witzige "Taka Taka-Tak", Miriam Makebas "Pata Pata" von 1967, bis hin zum funkigen "Samba De Amor". Ein Stück, das ganz langsam und verhalten anfängt, um sich dann zu einer Lehrstunde in Sachen relaxtem Chill Out aufzubauen. Mit dichtem Shuffle-Rhythmus, süffisanten Querflöten und einem fetten, pumpenden Bass. In dieselbe Kerbe haut das entspannte "Saudade", das den perfekten Soundtrack zum Abschalten, Schwelgen und Relaxen liefert, ehe es mit "Besame Mucho" (Consuelo Velazquez) und "Magalenha" (Carlinhos Brown) noch einmal zwei stimmungsvolle Evergreens gibt. Die glänzen durch ihr hohes musikalisches Niveau, für das international angesehene Brasilo-Experten wie der Percussionist Armando Marcal (Pat Metheny, Paul Simon) und Wunderflötist José Carlos Machado Ramos sorgen.
Mit deren Hilfe können auch die beiden Neukompositionen des Albums die Klasse halten. Zum einen "Viva Brasil (Ne Na Na)" aus der Feder von Jan-Eric Kohrs, das sich als flotter Samba mit Ohrwurmrefrain und Original-Aufnahmen aus der WM-Berichterstattung von 1970 erweist. Zum anderen "Samba Do Jairzinho", eine Komposition von Dreifach-Weltmeister Filho, die sich weniger durch Originalität auszeichnet, als durch das darin verewigte Lebensgefühl. Insgesamt eine Platte, deren klares kommerzielles Kalkül allein durch ihre inhaltliche Klasse übertroffen wird. Und die hoffentlich nicht allzu viele europäische Nachahmer findet. Wie gesagt: Die deutsche Selecao von 1962 bzw. 1970 wäre nur halb so spannend. Wetten?
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Schöne Grüße,
tinto
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