Nachdem der venezolanische Staatschef Hugo Chávez Brasilien ein Ultimatum gestellt hat, um den Beitritt seines Landes in den Mercosur im Parlament zu ratifizieren, reagierte der brasilianische Staatschef Luiz Inácio Lula Da Silva gereizt: "Für den Beitritt gibt es Regeln, für den Austritt nicht. Wenn er nicht bleiben will, dann soll er doch gehen".
Da Silva machte die Aussagen bei dem Treffen mit Vertretern der Europäischen Union (EU) in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, wo sein Land mit der EU eine strategische Partnerschaft vereinbart hat, die den Handel zwischen Europa und Südamerika sowie den Umweltschutz fördern soll.
Grund für den Disput zwischen Brasilien und Venezuela ist die vorangegangene Kritik brasilianischer Parlamentarier gegen die Schließung des privaten TV-Senders RCTV in Venezuela, die daraufhin von Chávez als "Papageien im Dienste der USA" abgekanzelt wurden.
Der Beitritt Venezuelas zur Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) wurde zwar formell vollzogen, die Zustimmung des brasilianischen und paraguayischen Parlaments steht aber noch aus.
Argentinien ist besorgt und will vermitteln
Die Krise zwischen den beiden Ländern kommt just zu einem Zeitpunkt, zu dem Argentinien Differenzen mit Brasilien ausräumen konnte und auch die Probleme mit den kleinen Mitgliedsstaaten Uruguay und Paraguay, die sich in etlichen Punkten schlecht behandelt fühlten, ad acta gelegt wurden.
Nach Informationen der argentinischen Wirtschaftszeitung El Cronista hat Néstor Kirchner seinen Aussenminister Jorge Taiana aufgefordert, die Bemühungen auf diplomatischer Ebene zu intensivieren, weil man in Buenos Aires befürchtet, dass durch den Disput zwischen den Nachbarländern ein nicht mehr rückgängig zu machender Schaden entstehen könnte.
Lula da Silva, der in zahlreichen kritischen Situationen bewiesen hat, dass er über großes Verhandlungsgeschick verfügt, hat die Tür für Venezuela jedoch nicht endgültig zugeschlagen. In Lissabon betonte er gegenüber Pressevertretern nach der offiziellen Konferenz, dass es schließlich er gewesen sei, der sich für einen Beitritt Venezuelas ausgesprochen habe.
Auch der Botschafter Venezuelas in Brasilien, Julio GarcÃa Montoya, war am Mittwoch auf Moderation aus, indem er darauf hinwies, dass das von Chávez so scharf kritisierte brasilianische Parlament in diesen Tagen schließlich eine Delegation venezolanischer Abgeordneter empfange.
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