Wenn die Callas des Tanzes spricht

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Wenn die Callas des Tanzes spricht

Beitragvon mikelo » Mi 18. Apr 2007, 14:45

Sie ist eine der berühmtesten Tänzerinnen Deutschlands - und kommt aus Brasilien. Marcia Haydée, die ehemalige Chefin des Stuttgarter Balletts, wird 70 Jahre alt.

Wohl nur Ballettlegenden können mit solchen Ehrerbietungen aufwarten: Wenn das Stuttgarter Ballett am 21. April «Romeo und Julia» gibt, schnüren für Márcia Haydée noch einmal Altstars der internationalen Ballettszene die Tanzschuhe. John Neumeier aus Hamburg und Egon Madsen aus Dänemark und andere gastieren in dem Klassiker, der für Tänzer im Rentenalter sonst keine Rollen zu bieten hat.


Dass die Karten - bis zu 240 Euro das Stück - rasch vergriffen waren, zeigt, wie beglückt Fans über diese besondere Feier zu Haydées 70. Geburtstag (am 18. April) sind. In Stuttgart feierte die Ballerina ab den sechziger Jahren und später als Ballettdirektorin und Choreografin ihre größten Erfolge. Die Brasilianerin hatte zeitweise den Ruf, der «einzige richtige Mann am Stuttgarter Staatstheater» zu sein. Trotz einiger Tiefen habe sie nie an sich gezweifelt und sei vor nichts zurückgeschreckt. In ihren großen Frauenporträts in «Romeo und Julia», als Tatjana in «Onegin» und Katharina in «Der Widerspenstigen Zähmung» zeigte sie, wie eine Tänzerin Energie aus sich selbst schöpft, der Kraft des Geistes vertraut - und nicht nur auf Muskeln und Technik setzt. Diesem Stil ist Marcia Haydée Salaverry Pereira da Silva, die am 18. April 1937 in Niteroi bei Rio de Janeiro als Tochter eines Arztes geboren wurde, bis heute treu geblieben.

Noch viel vor
Neben ihrer Arbeit als Ballettchefin in Santiago de Chile - die sie 2008 noch einmal verlängern will - steht sie nicht zuletzt wegen des Blumenregens und der Hochrufe bis heute immer wieder als zarte Tragödin auf der Bühne. In diesem Jahr war sie schon in Maurice Béjarts «Mutter Teresa und die Kinder dieser Welt», als Hexe Madge in «La Sylphide» und als Mamma Rosaria in Mauro Bigonzettis «I Fratelli - Die Brüder» zu sehen. «Ich will noch so viel machen», sagt sie.
Dabei hatte sie auch Kritik einstecken müssen, etwa als sie 1991 mit ihrer Kreation «Die Planeten» ihre ganz persönlichen Träume von Ballett vermitteln wollte - und Buhrufe erntete. «Ich habe sehr oft schlechte Kritiken gehabt - das muss man lesen und verdauen, mir hat dabei immer Yoga geholfen, nicht nur, um meinen Körper fit zu halten, sondern vor allem für die Meditation», so Haydée. Die von ihren Fans als «Maria Callas des Tanzes» Verehrte sieht sich nicht als klassische Tänzerin im engen Sinne. «Ich war immer eine tanzende Schauspielerin», sagt Haydée, die zum Missfallen einiger, für die Tanz alles ist, auch mal spricht auf der Bühne. Im klassischen Ballett des 20. Jahrhunderts hat Haydée einen deutlichen Fußabdruck hinterlassen.

Mit vier Jahren begann sie zu tanzen. Sie absolvierte die Royal Ballet School in London. Crankos jetzt wieder aufgeführte Choreografie zu Sergej Prokofjews «Romeo und Julia» war für sie 1962 der Beginn einer großen Karriere. «Ich hatte immer das Glück, dass Choreografen für mich Charakterollen geschaffen haben.»



Sprechen auf der Bühne

Cranko hatte sie vom Monte-Carlo-Ballet nach Stuttgart geholt. Er machte sie zur Ballerina. Er formte sie zu einer der besten Aktricen ihrer Zeit, die in den 1960ern rasch zum Inbegriff des erzählenden klassischen Tanzes wurde. Heute nennen sie Tanzfans in einer Reihe mit Margot Fonteyn und Galina Ulanowa. Es gibt kaum einen Namen der Ballettwelt, der nicht auch mit ihr verbunden wäre. Sie tanzte mit Neumeier, Rudolf Nurejew, Mikhail Baryshnikov und Erik Bruhn. Mit ihrem Tanzpartner Richard Cragun lebte sie 16 Jahre zusammen. Selbst ein Star, förderte sie gezielt den Nachwuchs wie Uwe Scholz und William Forsythe. Und immer wieder engagierte sie namhafte Choreografen wie Béjart und Jirí Kylián für Stuttgart. Trotz ihrer Ausflüge an die großen Bühnen der Welt ist Stuttgart ihre Heimat geworden. Hier hat sie Crankos Erbe gepflegt, bis sie das Amt als Ballettdirektorin Mitte der 1990er nach einer Zeit künstlerischer und personeller Stagnation aufgab. Hier ist sie seit 1995 mit ihrem Yoga-Lehrer Günther Schöberl verheiratet. Ans Aufhören denkt sie allerdings nicht. «Ich kann jetzt in Santiago pflegen, was ich gelernt habe», sagt sie. Vieles aus dem «Ballettparadies» Deutschland sei in Südamerika noch nicht bekannt. (Ulf Mauder, dpa)

http://www.netzeitung.de/entertainm...ple/617070.html
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