Das Wunder Brasilien funktionierte wieder einmal ......................
Als ich früh völlig desillusioniert in meinen kleinen Fiat stieg und mich seelisch und moralisch auf ein hartes Stück Arbeit vorbereitete, sah ich sie plötzlich vor mir:
Die frisch asphaltierte BR 101 !
Es war einfach nicht zu glauben. Wo ich im Vorjahr noch im Schritttempo noch die Schlaglöcher umfahren musste, konnte ich jetzt mit Tempo 120 volle Kanne durchrauschen. Die gesamten 100 km von Itamarajú bis Eunapolis hatten eine neue Asphaltdecke bekommen. Das anschliessende Stück bis Itabuna ist zwar noch in Arbeit, aber die Verhältnisse waren für bahianische Umstände akzeptabel, so das ich flott vorankam. Die verbleibenden 400 km habe ich (besser gesagt: der Fiat) in 5 Stunden runterspulen können.
Als wir in
Itacaré ankamen, suchten wir uns erstmal eine Pousada. Dies war relativ einfach, da sich alles am Strand „Praia da Concha“ konzentrierte. Wir mussten feststellen, dass in Itacaré trotz Winter und Regenzeit
Hochsaisonpreise galten. Man erklärte uns, dass ja gerade Schulferien sind (das wussten wir bereits) und das im Monat Juli die besten Wellen anzutreffen sind und das Dorf deshalb voller Surfer ist. Auch das haben wir später feststellen können, zumindest haben sie ein gesundes Gegengewicht zu den zahlreichen
Hippies und Rastamännern gebildet.
Die Hippies sind so ziemlich das Nervigste, was man sich bei einem Strandurlaub vorstellen kann. Im 5-Minuten-Takt kommen sie mit ihren selber gebastelten Ketten aus irgendwelchen Kernen, Samen und Kokosnussresten und fragen, ob wir uns nicht für
ihre Kunst interessieren würden. Das ganze wäre nicht so leidlich, wenn nicht jeder Hippie haargenau dieselbe Produktpalette hätte ..............
Zurück zur Pousada. Wir fanden die
Pousada Bambú, die sich im Besitz eines recht schüchternen Engländers samt einer weniger schüchternen Baiana befindet. Die Pousada sah sehr neu aus und war ordentlich und sehr gemütlich eingerichtet und kostete 95 R$ Ü/F. Das war für uns ein akzeptabler Preis, zumal wir vorher schon Preise um die 150 – 200 R$ zu hören bekamen.
Alternativ gibt es im Stadtzentrum eine Jugendherberge für 15 R$ pro Person und ein paar einfache Pousadas, die sich aber allesamt in der nähe lauter Kneipen, Tanzsäle oder Bars befinden ......... also nicht unbedingt geeignet für Familien mit Kindern.
Nochmal zur Bambú- (nicht zu verwechseln mit
Bamboo !) Besitzern ............. Mal ganz davon abgesehen, dass sie ein ziemlich
attraktives Geschöpf war, bestand ihre Morgengarderobe aus relativ wenig Stoff. Da Lemi ja ein krankhafter Frühaufsteher ist, begegnete ich ihr ab und zu gegen 6 Uhr morgens an der Rezeption, wo sie einfach nur ein knallenges, kurzes Short und einen ziemlich knappen Spitzen-BH trug. Über dem Spitzen-BH stülpte sie dann noch eine
Art Netzhemd, was sie sich aber auch hätte sparen können. Aufsehenserregend war jedoch ihr BH, denn aus dem guckte
die Hälfte ihre Brustwarzen heraus und mir schien so als wäre das kein Unfall, sondern bewusst gesteuert. Gut. Ich wiess sie natürlich
nicht darauf hin, sondern wunderte mich über mich selber, dass ich bei den ausführlichen Morgengesprächen mit ihr nur höchst seltenst in ihr doch recht hübsches Gesicht schaute. Lemi hatte sich wieder mal als Busenfetischist geoutet ............
Zurück zu Itacaré und seinen Stränden, auf die ich wohl erst etwas später etwas ausführlicher eingehen werden. Wie schon gesagt, lag unsere Pousada direkt am „
Praia da Concha“, der sich als gar nicht so schlecht erwies. Es gab ein paar Barracas und eine geschützte, ziemlich wellenfreie Bucht. Wiederum vorteilhaft für Eltern mit Nicht-Schwimmerkindern, zumal es relativ flach ins Wasser ging.
Auf unserem Stadtrundgang habe ich wieder mal feststellen müssen, was ich schon in vielen anderen plötzlich vom Touristen-Boom überwälzten Fischerdörfern Bahias gesehen hatte:
Es wurde rasch eine Art
Touristen-Boulevard hingeschustert

, welches hauptsächlich aus
favela-ähnlichen Häusern bestand, die an ihrer Vorderfront unfachmännisch verputzt und
bunt angemalt wurden. Auf den ersten Blick erscheint das recht hübsch, wenn man etwas hinter die Kulissen schaut, sieht man, dass
keine Kanalisation existiert, sich überall der Schimmel breit macht ............ was dem Dorf dann in den heissen Mittagsstunden auch den entsprechenden
„Duft“ gibt. Alles ist nach dem Motto hergerichtet wurden:
„Mit wenig Aufwand möglichst schnell viel Geld verdienen“. Dementsprechend hoch sind auch die Kneipenpreise, die nicht immer kompatibel zur angebotenen Qualität sind. Ich brauche sicher nicht zu erzählen, dass wir einige Reinfälle auf dem „Pracht-Boulevard“ Itacarés erlebt haben. Glücklicherweise hat sich aber in einer recht hübschen aus kleinen Kolonialhäussern bestehenden Seitenstrasse des Zentrums Itacarés ein Art Kneipenviertel entwickelt. Dort trifft man neben gutem traditionellen Essen, wie z.B. Moqueca, Bobó de Camarão oder Acarajé auch ein angenehmeres Ambiente und desöfteren auch mal Live-Musik am Abend. Die Preise halten sich dort gerade noch so in Grenzen (trotzdem sollte man vorher einen Blick in die Speisekarte werfen) , sind aber auf jeden Fall kompatibel zur Qualität der angebotenen Speisen.
Wer wirklich
billig essen will, sucht einfach nur nach den Spuren der Surfer. Es gibt so eine Handvoll Kneipen, die anscheinend direkt auf
das Loch in der Surfer-Brieftasche zugeschnitten sind. Wir waren z.B. mal in einer solcher Kneipen und bekamen einen P.F. (prato feito) mit Reis, Bohnen, Farofa, Pommes und einem Fleischspiess nach Wahl für 3,50 R$. Satt wird man allemal davon, da die Teller ziemlich voll geknallt werden.
Interessant fand ich auch, dass Itacaré eindeutig in
2 Klassen gegliedert ist. Da sind die meist zugezogenen Restaurant- und Pousadabesitzer (häufig auch Gringos) und deren Angestellte, die wohl allesamt nicht mehr als den Mindestlohn beziehen. Weitab vom Dorfzentrum gibt es deshalb auch eine
favela-ähnliche Arbeitereinfachsiedlung, währenddessen sich es die Donos der Wirtschaften in den oberen Stockwerken ihrer Etablissements gemütlich machen.
Fortsetzung folgt.