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Vielleicht noch ein paar Bemerkungen zu den Ausführungen von Toni und Daniel aus meiner Sicht. Und Mikolo kann ich versichern, hier kann man wirklich schönen interessanten Urlaub machen.
Es ist schon richtig, das meine Pousada im Normalfall nicht zu den 15 Reais Pousada gehören kann. Ansonsten würde ich den gleichen Weg gehen, wie viele andere, die am Ende vor einer besseren Ruine stehen, weil sie die ständigen Unterhaltungskosten ausser Acht gelassen haben. Doch da wäre unter Umständen noch die reine Vermietung.
Da wir uns ja in der Auswandererrubrik befinden kann, kann ich ja etwas weiter ausholen und mich als Neuling in diesen Forum etwas transparenter machen.
Mir ging es wie den Droschkenkutschern beim Erscheinen der Motortaxis, mein Beruf als Fotomensch ernährte nicht mehr. Auch die Flucht ins Fernsehfach brachte zwar viel interessante Arbeit und Ehr, aber am Ende war das auch nicht finanziell tragfähig. Ein Leasingvertrag zur benötigten der Technik lösste den anderen ab, so schnell liess sich gar nicht das Geld herankarren. Aus Vernunftgründen galt es die Notbremse zu ziehen, am Ende hätte ich mit meiner Arbeit nur noch Schaden produziert.
Damals Mitte der 50 zeichnete sich ein düsteres Zukunftsbild ab, da vorher selbstständig auch keine Aussicht auf Frührente. Die Idee vage im Kopf fand sich noch ein Partner, der scheinbar auch finanziell das Zeug dazu hatte entscheidend bei dem Aufbau der Pousada in Brasilien da mit zu tun. 2-3 Touristenaufenthalte hatten mir das Land nähergebracht, eigentlich eine recht bescheidene Basis zur Entscheidungsfindung. Mit der Kenntnis von heute muss ich sagen, leicht verrückt war das schon. Doch was hatte ich am Ende zu verlieren, zu Sozialhilfe bzw. wohl nun Hartz 4 lässt sich immer noch überwechseln. Da gehört nun wohl wirklich nicht viel Mut dazu den Schritt zu wagen.
Ich verhehle nicht, für die Planungsphase war das schon ganz gut, zwei Köpfe brüten mehr aus als einer, als es jedoch in die entscheidende Phase ging, bekam er kalte Füsse. Doch mich von der Idee aus der Vernunft heraus zu trennen, das wäre möglicherweise das Naheliegende gewesen, dazu wollte ich mich nicht mehr durchringen, zu sehr war ich gedanklich schon mit einem Bein geistig hier. Von der Grundeinstellung her war mir auch klar, das goldenen Ei ist mit der vielleicht 12 000.den Pousada nicht zu gewinnen. Das reine Überleben schon als dicken Erfolg werten.
Noch dazu, ich hatte nicht ein Funken von Ahnung wie eine solche Pousada zu betreiben ist. Und ich wage es kaum auszusprechen, mein Wortschatz belief sich damals vielleicht auf 10-15 Worte. Heute bin ich auch noch kein Sprachwunder, aber für den Alltagsumgang reicht es erst mal.
Lange Rede kurzer Sinn, habe mein altes Haus für 75 000 Euro verkaufen können und damit die Sache hier aufgebaut. Die Trennung von den alten Kasten viel gar nicht so leicht, gab ich doch auch mein letztes Fitzelchen Sicherheit auf. Heute weiss ich, die Entscheidung war Eingebung und goldrichtig, im vergangenen Jahr fand eine verordnete grundhafte Instandsetzung der Strasse statt, so trommelte der Buschfunk unlängst, da schlugen um die 30 000 Euro zu Buche. Da wäre ich das Haus ohnehin losgewesen.
Natürlich hat das Geld hinten und vorn nicht gereicht, beim Start vor vier Jahren war war äusserlich zwar scheinbar alles fein, doch innen über die Hälfte noch Rohbau. Und für kleiner konnte ich mich nicht durchringen. Man möchte ja irgendwann für ein solches Projekt den Schlusspunkt setzen. An meinem offiziellen Anreisetag hatte ich gerade mal noch 350 Euro. Und kein Gast in Sicht. Das war schon gruselig.
Meine Zielrichtung waren und sind auch heute Deutsche , Brasilianer die Ausnahme. Warum, wieso das führt jetzt an dieser Stelle zu weit. In den 4 Jahren habe ich es nun aus den Einnahmen geschafft baulich soweit alles fertigzustellen und auch sonst den Laden soweit zu beherrschen. Doch im Selbstlauf geht da nichts und die finanzielle Basis ist immer stellenweise noch sehr wackelig. Es kostet viel Aufwand die Leute davon zu überzeugen nun ausgerechnet zu mir zu kommen. Dann die ständige Panikmache was die angeblich so erschreckende hier Kriminalität betrifft, das kann ich immer nur schwer nachvollziehen. Auch bei uns in Deutschland gibt es Kreuzberg und Fussballrandale und Viertel wo man sich nicht unbedingt freiwillig hinbegibt und Itaparica samt Salvador ist eben nicht Rio oder Sao Paulo. Ansonsten würde ich hier nicht leben wollen, würde ich mich bedroht fühlen. Doch auch das ist wieder ein Thema ganz für sich.
Als faktisch Alleinunterhalter kämpft man an allen Fronten, kümmert sich um Marketing per Internet und umsorgt seine Gäste permanent. Das hält mich ganz schön in Schwung. Mittlerweile weiss man nun auch , wie die Grundkosten monatlich so aussehen und was die Erhaltung so finanziell verschlingt. Nach den 4 Jahren habe ich praktisch alles neu durchrenovieren müssen. Das Meer und die hohe Luftfeuchtigkeit verlangen einem diesbezüglich da allerhand ab. Zugute kommt mir, als ehemaliger DDR Bürger mit polytechnischen Unterricht, dass ich mich handwerklich ganz gut auskenne. Einen Architekten habe ich auch nicht bemüht und die Bauleitung selbst übernommen. Nur so war das finanziell überhaupt zu stemmen. Wer baut kann ein Buch darüber schreiben, abenteuerlich war das schon, die Leute von der Strasse gesammelt, jeder Handgriff muss erklärt und überprüft werden, ausser Schubkarren keinerlei Hilfsmittel, keine Leitern oder uns geläufige Gerüste. Da ich teilweise bis zu 70 Leute beschäftigte um alles von A nach B zu bewegen, gemischt wurde auch alles mit Hand, blieb den Behörden nicht ganz verborgen was die Nichtabführung von Sozialleistungen betrifft. Da schaut man bei Ausländern schon genauer hin. Da kam ich mächtig in die Enge. Streik, Gewerkschaft, rote Fahnen, heulende Mütter die auf Wiedereinstellung ihrer Männer pochten, Anklage vor Gericht und ein Inbrandstecken meines Autos gehörten zu den Begleitumständen. Doch egal, Ergebnis zählt und ausserdem lässt sich gut darüber plaudern. Hat mir aber Brasilien in keiner weise vermiesst. Jetzt bin ich aber vom eigentlichen Thema hübsch abgekommen.
Natürlich steht bei mir im Vordergrund die touristische Vermarktung meines Objektes. Deutsche die zu mir kommen erwarten, dass ich praktisch rund um die Uhr für sie da bin, Ausflüge führe und saubere Zimmer und Wäsche bereitstehen und das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Und das Objekt muss natürlich auch gepflegt werden. Das hat natürlich seinen Preis. Das Personal was man dazu braucht, will ja auch bezahlt werden, die Grundsteuer entrichtet und die Lizenzgebühr für die Betreibung der Pousada entrichtet werden. Und das Auto zum Brötchen holen muss ja auch unterhalten werden. Entsprechend ist die Kalkulation, die das alles beinhaltet.
Auf der anderen Seite verfüge ich aber über genügend Zimmer und kann diese nicht immer füllen, selbst totale Leerstände muss man da schon verkraften können, da steht einem Langzeitaufenthalt unter einem anderem Vorzeichen nichts entgegen, wenn es sich um die Vermietung eines einzelnes Zimmer für eine Person handelt. Ich habe da keine schlechten Erfahrungen mit den sogenannten Wanderärzten des hiesigen Hospitals gemacht, die gelegentlich 3-4 Monate hier Unterkunft suchen.
Aber da sollte die sprichwörtliche Chemie stimmen, geht es auf einem solchen Gelände doch recht familiär zu. Unter der Voraussetzung, dass man keinen sonstigen Service in Anspruch nimmt, vermiete ich genau zu den angesprochenen 15 Reais. Zusätzlich Strom nach Verbrauch und 25 Euro Wasserpauschale monatlich. Unkomplizierte Rechnung. Die Zimmer haben Doppelbett, Kleiderschrank, Tisch, Ventilator und natürlich eine Dusche. Genutzt werden können die Freiflächen und Restaurantterrasse. Es spricht auch nichts dagegen in unserer Hotelküche sich selbst mal was am Herd zu brutzeln oder Kaffee zu kochen und das Geschirr dazu mitzunutzen. Sind Gäste im Haus, kann man sich auch an den Mahlzeiten nach Lust und Laune beteiligen. Doch das sind alles bereits Details. Das macht natürlich nur Sinn bei einem solchen Langzeitaufenthalt unter den genannten Bedingungen und ich betrachte das als praktikable Ausnahmesituation.
Muss ich dem noch etwas hinzufügen, ich denke nein.
Zu finden ist mein Internetauftritt für touristische Aktivitäten unter www. aquamarin-do-brasil.de
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