Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasilien

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasilien

Beitragvon Wilma » Di 3. Sep 2013, 22:49

Hallo, zusammen! Ich spiele schon seit Jahren mit dem Gedanken, auszuwandern. Ich werde aus der wirtschaftlichen Situation in Brasilien nicht schlau. Mal heißt es, die Wirtschaft boomt, dann heißt es wieder, die Arbeitslosenzahlen steigen, was eher für eine schwache Wirtschaft spricht. Wie sieht es denn nun wirklich in Brasilien aus? Kann ich als Auswanderer dort Fuß fassen und möglicherweise sogar ein eigenes Geschäft eröffnen, sozusagen als Existenzgründung? Gibt es in Brasilien sowas wie Existenzgründerzuschüsse, wie hier in Deutschland?
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon Colono » Mi 4. Sep 2013, 02:21

Hallo,

du wirst je nach dem für welche Region du dich in Brasilien interessierst entweder Vollbeschäftigung, moderates Wachstum oder gar prekäre Lebensverhältnisse vorfinden. So einfach geht es nicht so ein diversifiziertes Land durch ein paar Forumszeilen zu beschreiben. Im Süden kannst du europäische Verhältnisse haben. Der Südosten ist traditionell am industrialisiertesten. Der Norden bzw. Nordosten sind Brasiliens Armenhäuser.

Selbstverständlich kann ein Ausländer heutzutage in Brasilien relativ einfach seine eigene Existenz gründen. Voraussetzung man bekommt eine Aufenthaltserlaubnis. Die Permanecia.

Es gibt in Brasilien Existenzgründerdarlehn ãhnlich der deutschen Kfw Kreditprogramme. Das Ganze nennt sich BNDS. Wie in Deutschland, wirst du in Brasilien ebenfalls anteilweises Eigenkapital für dein Vorhaben aufbringen müssen.

http://www.bndes.gov.br/SiteBNDES/bndes/bndes_pt/Institucional/Apoio_Financeiro/Programas_e_Fundos/Microcredito/microcredito_condicoes.html

Viel Erfolg
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon docsor » Mi 4. Sep 2013, 14:31

Man kann in Brasilien durchaus eine Firma Gründen und danach auch erfolgreich sein, sogar in ärmeren Gegenden. Dazu sollte man aber sein eigenes Geld mitbringen, genau wissen was man tut, Erfahrung und know how haben. Und man muss die Sprache auf einem sehr hohen Niveau sprechen, lesen und schreiben können. Man braucht jemanden fürs rechtliche und Steuern, jemanden dem man vertrauen kann, nicht jemand aus dem Internet oder Telefonbuch. Letztlich sollte man die Kultur kennen, z.B. wissen, dass Brasilianer gerne kaufen und in 10 mal bezahlen. Auch andere Dienstleistungen nicht a vista (cash), sondern in 2-3 mal bezahlt werden. das man seinem Geld oft hinterher laufen muss usw. Sich im eigenen Land selbstständig ist schwierig, dass woanders zu tun ist noch schwieriger, auch wenn die Steuern manchmal niedriger sind. Ich schreibe das nicht zur Abschreckung, wer weiß was er tut hat immer Erfolg.
Zum vorgeschlagenen Kredit, da sind nur 15.000 möglich sind nicht mal 5000€ und 4% monatliche Zinsen, das bedeutet der erste Monat kosten schon gute 200€ Zinsen. Willkommen in Brasilien!
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon amazonasklaus » Mi 4. Sep 2013, 15:25

Wilma hat geschrieben:Hallo, zusammen! Ich spiele schon seit Jahren mit dem Gedanken, auszuwandern. Ich werde aus der wirtschaftlichen Situation in Brasilien nicht schlau. Mal heißt es, die Wirtschaft boomt, dann heißt es wieder, die Arbeitslosenzahlen steigen, was eher für eine schwache Wirtschaft spricht. Wie sieht es denn nun wirklich in Brasilien aus?

Ja, manchmal geht's aufwärts, manchmal abwärts. Generell lässt sich sagen, dass in vielen Bereichen die Gewinnmargen in Brasilien höher sind als in Deutschland. Das macht das Land für den findigen Unternehmer attraktiv. Andererseits sollte man sich darüber im Klaren sein, dass dem auch höhere Risiken gegenüberstehen. Auf eine mögliche finanzielle Unterstützung durch den Staat würde ich an Deiner Stelle nicht bauen, aber durch Behörden verursachte Verzögerungen und Mehraufwendungen würde ich durchaus einkalkulieren.
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon Colono » Mi 4. Sep 2013, 15:31

docsor hat geschrieben:.
Zum vorgeschlagenen Kredit, da sind nur 15.000 möglich sind nicht mal 5000€ und 4% monatliche Zinsen, das bedeutet der erste Monat kosten schon gute 200€ Zinsen. Willkommen in Brasilien!


Das von dir erwähnte Beispiel bezieht sich auf Kleininvestments. Diese Kredite werden von vielen nur zum Teil oder gar nicht getilgt. Die paar ehrlichen bezahlen wie so oft in Brasilien für die besonders schlauen der Überholspur mit :^o

Das muß nicht unbedingt so sein. Da gibt es noch was anderes. Erkundige dich mal auf der vorgeschlagenen Site.


**** Das Ergebnis des Finanzierungsvorschlags konnt ich leider nicht verlinken. Siehe Textform


PS: Auch das ist Brasilien. Man muß dazu halt noch schlauer als die breite Masse sein. :mrgreen:



****** Textform

pções selecionadas:
Pessoa Jurídica >> Empresa >> Até R$ 2,4 milhões >> SC : BIGUACU >> Cnae: G4623106 >> Crédito Rural (Pronaf) >> Com acesso ao Pronaf >> Investimento
* A contratação do financiamento está condicionada à análise de crédito

Veja abaixo as opções de apoio financeiro que mais se enquadram ao seu negócio:

Clique na opção de apoio desejada para obter maiores informações

Nome do apoio financeiro (*) Taxa de juros Quanto o BNDES financia Prazo do financiamento
BNDES Programas Agrícolas Pronaf Agroindústria 1,0% ou 2,0% a.a. até 100% até 180 meses
Financiamento destinado aos investimentos, inclusive em infraestrutura, que visem o beneficiamento, processamento e comercialização da produção agropecuária, de produtos florestais e do extrativismo, ou de produtos artesanais, e a exploração de turismo rural. Este financiamento é realizado através dos agentes financeiros do BNDES (bancos comerciais, bancos de desenvolvimento, cooperativas de crédito etc). Para mais informações clique aqui.
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon cabof » Mi 4. Sep 2013, 19:26

Leute, hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Die erste Frage an Wilma: hast Du brasil. Papiere die Dir den Aufenthalt ermöglichen?
Ehe, Paß, Kinder.... ansonsten bleibt ihr nur das Investor-Visum mit der entsprechend, hohen Summe (weiß im Moment nicht wieviel) und
wenn man diese Summe hat und investieren will, braucht man bestimmt nicht die Kleinkredite der Regierung.
Wilma - warst Du schon mal in Brasilien? Sprichst Du die Sprache? - gewisse Vorausstzungen müßen gegeben sein, BR ist kein klassisches Einwanderungsland mehr.
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon Cheesytom » Mi 4. Sep 2013, 20:12

docsor hat geschrieben:Letztlich sollte man die Kultur kennen, z.B. wissen, dass Brasilianer gerne kaufen und in 10 mal bezahlen. Auch andere Dienstleistungen nicht a vista (cash), sondern in 2-3 mal bezahlt werden. das man seinem Geld oft hinterher laufen muss usw.


Deshalb sollte man Ratenzahlung nur auf Kreditkarten anbieten. Dann ist das Geld sicher da. Allerdings nehmen die so 5 % (glaube ich).
Gruss aus Maceió, Alagoas
Thomas
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon Berlincopa » Mi 4. Sep 2013, 21:56

In Deutschland ist es schon schwierig, sich durch den Foerderdschungel zu kaempfen, meist verliert man nur Zeit und Nerven, die man fuer die Existenzgruendung bräuchte; man sollte daher in Brasilien noch weniger erwarten und sich lieber anderweitig Geld besorgen, um rasch die Gruendungsidee umzusetzen, wobei einen eine Reihe vom bisher unbekannten Behörden schon ordentlich demotivieren können.
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon Limao » Do 5. Sep 2013, 04:40

Kredit aufnehmen ist ja ok, zumal wenn die Fremdkapitalzinsen niedriger sind als die erwartete Eigenkapitalrendite. So ein richtiges leveraging lohnt sich doch aber erst bei einer bestimmten Größenordnung und bei entsprechendem Spread zwischen den Größen. Dann wär ich der letzte der sagt, alles lieber aus Eigenmitteln bestreiten. Allerdings bei dem Behördendschungel hier einerseits - und die Kreditvergabe an Normalsterbliche ist ja auch begrenzt, entsprechend hohe Zinsen für Kredit auf Monatsbasis andererseits, summiert sich schon mal auf bis zu 100% p.a. (alte Inflationsängste?), wüsste ich nicht wie man als kleiner Geschäftsmann sein Geschäftsmodell ernsthaft auf Fördermittel/Kredite hier stützen könnte. Das Risiko der verspäteten Zahlung (Nichtgedeckte Konten bei Einzug usw. / höchste Beiträge für Kreditausfallversicherung etc. macht die ganze gefühlte höhere Marge doch wieder weg. Zum Schluss kommt prozentual nicht mehr raus als in Europa. Ich habe das Wechselkursrisko da noch außen vorgelassen. Ist eine Frage des Standpunktes.

Beispiel für Selbständigkeit: man nehme ein handelbares Verkaufprodukt (Einkaufspreis mit allem drum und dran, inkl. Laden, Personal, Diebstahl ,Zoll etc. 100 Einheiten ) kalkulierte Marge mal angenommen 100% macht dann 200 Einheiten Verkaufspreis, hinten dran allerdings Ratenzahlung für 10x vereinbart, nach Steuern eigentlich 180 oder 170 Einheiten Umsatz, zeitlicher Versatz bei der Umschlagsdauer, aussen vorgelassen, ersteinmal soweit so gut. Inflation während eines Jahres (der fixen) Ratenzahlung - x%, ausgefallene EK Rendite während der Laufzeit - x%, Versicherung, Kosten für Einzug/Mahnung - x%, Währungsunsicherheit +-/E(x)% , sonstiges – x%, Ergebnis: es kommt in der Betrachtung eines Zeitraumes auch nicht viel mehr raus als anderswo, je nachdem. Da noch an die bis zu 100% Kreditzinsen p.a oben drauf???

Anderes Beispiel Infrastruktur: Du hast die Reserve angelegt ,willst gerade Real in Dollar transferieren oder eine Wette darauf, was machst du, zur Absicherung einer Position, wenn gerade der Strom ausfällt, die Bank verantwortlich, wenn nicht rechtzeitig platziert? Oder etwas kleiner, dein Zulieferer macht Probleme, Straße nicht ausgebaut, bleibt stecken im Stau oder Privatfahrt zwischendurch? Hier in Brasilien ist „just in time“ kaum möglich, nur mit höherer Reserve/Lagerhaltung. Handfeste Qualitätsprobleme sind alltäglich, das bedarf öfter einer Nachbesserung als anderswo, Klima -Produktivität ??? etc.etc.etc

Fazit für mich: die erst einmal gefühlt höhreren Margen sind absolut notwendig, um die ganzen höchst volatilen Schwankungen einzelner Einflüsse/Parameter überhaupt aufzufangen. In der vergangenen Phase des (überbewertet) starken Reals mag bei dem einen oder anderen, das Gefühl der Goldgräberstimmung aufgekommen zu sein. Dabei ist aber ausser Acht gelassen worden, dass gerade Nordamerika/Europa eine "Schwächephase" durchgemacht hat. Es kommt immer wieder auf das gleiche hinaus: Brasilien muss beginnen eine vernünftige Infrastruktur in Angriff zu nehmen, die Bürokratie/Korruption eindämmen, und sich unabhängiger von Exportpreisen, von Rohstoffen machen, d.h. wettbewerbsfähige eigene Produkte auf den Markt bringen und nicht nur überwiegend importieren bzw. iportierte Vorprodukte im Land zusammensetzen lassen etc. Die geschönten zeitweiligen AH Überschüsse helfen da auch nicht weiter.
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Re: Wirtschaftliche Situation und Existenzgründer in Brasili

Beitragvon cabof » Do 5. Sep 2013, 07:29

Sorry Leute - viel geschreiben - aber auf den Punkt: ihren Aufenthaltsstaus nicht gekommen, diesen Fred kann man sicherlich abhaken.
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