Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Aktuelle Tendenzen und Prognosen der brasilianischen Regierungspolitik und Wirtschaftsentwicklung / Daten und Fakten aus der mehr als 500-jährigen Geschichte Brasiliens

Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon dimaew » Fr 5. Dez 2008, 16:39

Heute drehen sich die Meldungen wieder mal im wesentlichen um die aufkommende (oder ist sie schon da?) Weltwirtschaftskrise.

Dabei sehen die Aussichten für Brasilien
http://www1.folha.uol.com.br/folha/bbc/ult272u475595.shtml
und Deutschland
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bundesbank102.html
wohl sehr unterschiedlich aus.

Während die OECD für Brasilien nur eine leichte Abschwäschung der Konjunktur erwartet - im Gegensatz zu den restlichen BRIC-Staaten Russland, Indien und China - sieht die Deutsche BUndesbank die schlimmste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg auf Deutschland zukommen.

Woran liegts? Die Ökonomen haben da sicher ihre bereits feststehende oder vielleicht auch vorgefertigte Meinung.

Aber was merkt man davon im Alltag?
Meine Eltern in Deutschland haben sich bisher noch nicht so sehr beschwert. Da sie als Rentner aber ohnehin mit wenig auskommen müssen, merken sie vielleicht gar nicht so sehr, dass Luxusgüter teurer werden.
Hier in unserem Städtchen in Brasilien merke ich auch noch nicht so viel. Zwar reden die Leute viel über die Krise (und reden sie herbei?). Aber Geld wird trotzdem ausgegeben, gerade jetzt vor Weihnachten.

Was meint Ihr?
Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt (chin. Sprichwort)
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon cabof » Fr 5. Dez 2008, 17:39

das Leben der "Normalos" in DE dürfte sich soweit nicht ändern, biste arbeitslos musst Du knappsen aber verhungerst nicht, was interessiert mich wenn Luxusgüter (ua Autos) teurer werden, die kann ich mir dann sowieso nicht mehr leisten.
Der Knackpunkt für uns alle: die gestiegenen Energiekosten... da geht (fast) kein Weg dran vorbei, den Akku für`n Laptop lade ich in der Firma auf....
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon morgenrot » Fr 5. Dez 2008, 18:01

cabof hat geschrieben:Der Knackpunkt für uns alle: die gestiegenen Energiekosten... da geht (fast) kein Weg dran vorbei, den Akku für`n Laptop lade ich in der Firma auf....


Auch bei mir im Freundes-und-Bekanntenkreis sind es hauptsächlich die steigenden Energiekosten die zu Schaffen machen,gleich gefolgt von den Lebensmittelkosten die merklich und stetig steigen,aktuell von den Händlern bei uns auf dem Weihnachtsmarkt wird ausgesagt,daß deutlich weniger gekauft wird wie in den Jahren zuvor.
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon patecuco » Fr 5. Dez 2008, 20:08

In D wird ein Rueckgang des PIB von 1% als Katastrophe bezeichnet.

Wenn ich statt 5000 Euro nur 4950 Euro zur Verfuegung haette, waere mir das sch....egal.

In BR lebt die bucklige Verwandtschaft seit Geburt bzw. Beginn des Arbeitslebens in einer Wirtschaftskrise, der selbst verschuldeten Ueberschuldung und Kreditkrise (parcelado, cheque predatado).

Solange ich Auftraege ablehnen muss, aus Zeitmangel, ist mir das alles ziemlich schnuppe und der steigende Kurs Reais/Euro bringt mir kurzfristig eher einen Vorteil, bis die Inflation das wieder auffrisst.
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon ana_klaus » Fr 5. Dez 2008, 20:39

patecuco,

Wie kommst Du darauf, dass, wenn das Bruttosozialprudukt um 1 % sinkt, dass das gleichbedeutend ist mit 1% Einkommensverlust? Betriebs-und volkswirtschaftlich eine überdenkenswerte Aussage, Die Auswirkungen sind weitaus verheerender. Insolvenzen-Abbau von Arbeitsplätzen-sinkendes Lohngefüge. Was das bedeutet brauche ich niemandem erklären.

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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon Frarry » Fr 5. Dez 2008, 21:45

ana_klaus hat geschrieben:patecuco,

Wie kommst Du darauf, dass, wenn das Bruttosozialprudukt um 1 % sinkt, dass das gleichbedeutend ist mit 1% Einkommensverlust? Betriebs-und volkswirtschaftlich eine überdenkenswerte Aussage, Die Auswirkungen sind weitaus verheerender. Insolvenzen-Abbau von Arbeitsplätzen-sinkendes Lohngefüge. Was das bedeutet brauche ich niemandem erklären.

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Patecuco hat wirklich einen riesigen Humor !!
Sie haben das Recht zu Schweigen denn alles was
Sie zitieren, kann gegen Sie verwandt werden .
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon tinto » Sa 6. Dez 2008, 00:11

An anderer Stelle habe ich vor ein paar Monaten geschrieben:

In Brasilien mag das anders sein. Ich glaub, an der Bovespa sieht es gar nicht so schlimm aus, im Vergleich etwa zu Rußland, China, also den anderen BRIC-Staaten, und den USA, Europa oder Japan. Brasilien könnte aufgrund der Demografie, der Ölvorkommen, der anderen Rohstoffe und moderner Flugzeugindustrie sowie der Artenvielfalt als Gewinner aus der Krise hervorgehen.



Vielleicht liegt in der Tat darin der Schlüssel für Unterschiede...
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Schöne Grüße,
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon Itacare » Sa 6. Dez 2008, 17:08

Es sieht doch in jeder Branche anders aus. Einen Autokauf kann man verschieben, so lange die alte Karre noch fährt.
Eine Waschmaschine wird sowieso nur ersetzt wenn sie hinüber ist. Da sind wir längst bei einem reinen Ersatzmarkt, die frägt nicht ob gerade Krise ist oder nicht. Es gibt Spezialunternehmen, beispielsweise eines das Isolatoren für Hochspannungsleitungen herstellt. Die kennen weder Hochkonjunktur noch Krise.
Siemens hat einen Auftragsbestand von 1,5 Jahren.
Größere Bauvorhaben, die sich schon im Endstadium der Planung befinden, werden nicht verschoben, da dies mit enormen Zusatzkosten verbunden wäre. Da sorgt auch der attraktiver werdende Zins dafür.
Von einer wirklichen Krise rede ich erst, wenn das mal ein paar Jahre hintereinander anhält.

Aber ihr habt recht, wir Deutschen sind die Weltmeister im Jammern.
Läuft in Brasilien die Wirtschaft gut - wird natürlich gefeiert. Läuft sie schlecht, wird auch gefeiert, kann ja nur besser werden.
Läuft in Deutschland die Wirtschaft schlecht - da kann man doch nicht feiern! Läuft sie gut, dann natürlich auch nicht, weil es könnt ja wieder schlechter werden!
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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon ana_klaus » Sa 6. Dez 2008, 18:33

@ Itacare
warum haben aldi, lidl und Konsorten Zuwachsraten, und der klassische Einzelhandel steckt in einer absoluten Krise?
Wenn Du heute durch die Innenstädte gehst, wirst Du feststellen, dass die Mehrzahl der Geschäfte Filialen von bundes-oder
europaweit agierenden Unternehmen sind. Versuche ein in D. hergestelltes Produkt anzutreffen, fast aussichtslos. Der klassische, beratende Einzelhandel ist am Tropf. Geiz ist geil, ein arbeitsplatzvernichtender Slogan. D. hat immer von einem florierenden Mittelstand gelebt und der ist durch eine verfehlte Politik, weltweit, zerschlagen. Das produzierende Gewerbe wandert in Billiglohnländer ab, 100.000 nde Arbeitsplätze vernichtet. D. hat nun keine Bodenschätze, wir sind auf Teufel komm raus von unserem know how abhängig. Unser Export, immer ein Garant, bricht ein, Arbeitsplätze stehen zu Disposition.
Wir zahlen im Moment die Zeche der Raubtierkapitalisten die glaubten horrende Summen hin-herzuschieben, ohne auch nur einen Mehrwert zu schaffen. Die Blase ist geplatzt und nun zahlen wir mit unseren sauer verdienten Steuergeldern die Zeche.
Ergebnis: Für notwendige Investionen fehlt weltweit Geld. Überlege einmal was man mit diesen Milliarden hätte, zum Wohle der Menschheit, anfangen können.

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Re: Wirtschaftskrise auf Brasilianisch und auf Deutsch

Beitragvon Itacare » Sa 6. Dez 2008, 19:16

@ana_klaus
was ist los, hast Du die Hälfte deines Milliardenvermögens verloren oder willst Du als größter Schwarzmaler in die Geschichte eingehen? Kannst Du mir aus dieser eine Krise nennen, die nicht vorüber gegangen ist? Schau doch mal ein wenig optimistischer in die Zukunft.

Im Einkauf liegt der Gewinn, aldi&co haben eben andere Stückzahlen als der Einzelhändler.

Wer eine funktionierende Waschmaschine hat, kauft keine zweite. Wem die hops geht, der wird kaum mit der Hand waschen sondern eine neue kaufen. An solchen Märkten ändert sich nix, wenn Du so willst, dann haben die seit Jahren "Krise" und "Stagnation", leben aber ganz gut damit. Andere müssen das wohl erst noch lernen....

Also gibt es Branchen, die werden das ganz erheblich spüren, und andere merken überhaupt nichts davon.

Eines der Probleme ist doch, dass haufenweise Manager mit Profilierungsneurose von 5-10 % jährlichem Wachstum träumen, dies aber über einen längeren Zeitraum nicht der Realität entspricht. Wenn sich das Wachstum wieder auf langfristiges Durchschnittsniveau einpendelt, kommen die langen Gesichter.

Die Abwanderung von Arbeitsplätzen haben wir seit Jahrzehnten. Es gab mal Zeiten, da waren 3 Millionen Menschen in der deutschen Textilindustrie beschäftigt. Die Gier nach mehr Lohn, entfacht von den Gewerkschaften, hat dem ein Ende bereitet.
Heute liefern wir andererseits einen Groteil der Textilmaschinen weltweit....

Es bewegt sich etwas, und das ist gut. Momentan zwar in die falsche Richtung, aber das legt sich wieder. Schlimmer wärs wenn sich nix bewegen würde.
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