Wohnsitz Brasilien

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Wohnsitz Brasilien

Beitragvon Careca » Mo 29. Nov 2004, 23:14

Hallo miteinander,

ich will der erste mit dem Deflorationspost in diesem Forum sein ...

... nein, mal im Ernst:
Eine Frage an alle Deutschen unter euch, die in Brasilien leben:

Lebt ihr ohne AirBag (Vollkaskoversicherung oder Teilkaskoversicherung des Lebens) in Brasilien?
Ich will damit nachfragen, ob ihr alle Bindungen (sozialer und/oder wirtschaftlicher Art) gekappt/aufgegeben/verloren habt.
Oder ob ihr noch immer die Möglichkeit (als Vorteil der binationalen Beziehung) euch in Reserve haltet wieder nach D-Land zurück zu kehren (nicht nur als touristisches Ziel)?
Ist euer Blut dicker als Wasser?
Wie weit seid ihr mit Brasilien verwurzelt?
Sind eure Sehnsüchte erfüllt worden?
Oder seid ihr Weltenbürger (kein Bürger eines Landes aber Bürger dieser Welt)?
Wo schlägt euer Herz (nicht das chauvinistische sondern die Seele von Herz)?



Kann man das überhaupt beantworten, was ich da gefragt habe? :roll:



Careca (*neugierig*)
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Na gut Careca

Beitragvon Gast » Di 30. Nov 2004, 10:22

antworte ich als erster.
Da ich in Deutschland nach wie vor halbtags im Block arbeite, lebe ich ein halbes Jahr in Deutschland und ein halbes Jahr in Brasilien, wo ich lieber lebe, ist nicht zu sagen, ich sehe in beiden Ländern Vorteile und Nachteile - meine Familie lebt überwiegend in Natal/Brasilien, allein von daher fühle ich mich dort natürlich kompletter ! Trotzdem verteufele ich D nicht, wie so viele andere Brasilienliebhaber, ich fühle mich wohl in Deutschland, in Dänemark, in Schweden, in Europa, aber auch sehr wohl in Brasilien - also wohl eher Weltbürger als auf ein Land fixiert.
Zuhause ist für mich immer da wo es mir gefällt, nicht nur eine Woche sondern für lange Zeit - aber ich hatte schon einige " Zuhauses " in meinem Leben, viel ausserhalb Deutschlands (Dänemark/Schweden) - Heimat wird für mich immer Deutschland sein, nicht unbedingt die mentale Einstellung vieler Mitmenschen dort - aber das Land, die Seen, Flüsse, Gebirge und Küsten - Deutschland ist ein schönes Land!!!
Ich bin froh, dass ich mich nicht für einen Kontinent entscheiden muß und meine soziale Absicherung in Deutschland habe, macht mein Leben ruhiger und ich habe immer eine Basisversorgung - aber allerhöchsten Respekt vor den Leuten, die in Deutschland alles abgebrochen haben und ihr Glück in Brasilien versuchen - könnte ich leider nie, da bin ich wohl zu wenig risikofreudig und zu feige, was das Risiko angeht, es in Brasilien oder anderswo nicht zu schaffen.
Aber ich fühle mich rundherum wohl, geniesse das Leben in D wie in B und habe ständig saudades nach dem einen oder dem anderen Land, wobei die saudades in D nach B deutlich überwiegen - aber ich könnte z. B. nie auf meine Woche Angelurlaub im Mai mit guten Freunden in Dänemark verzichten, da ich aber im Frühjahr und Sommer immer in D bin - no problem.
Aber was wäre denn auch ein Leben ganz ohne " saudades " ! :lol:
Deshalb lebe ich, lebt meine Familie getreu dem Motto " das Leben ist schön " und wir fahren verdammt gut dabei! 8)
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Beitragvon helveticus » Di 30. Nov 2004, 14:14

Hallo Careca,

Ich antworte mal als Schweizer der in Brasilien lebt.

So ganz ohne "Airbag" geht es bei mir nicht. Ich bezahle weiterhin in die Schweizer AHV ein und die Pensionskassengelder habe ich auch mal noch in der Schweiz gelassen, das Währungsrisiko war mir einfach zu gross. Die Kranken- und Unfallversicherung habe ich über eine International Krankenkasse gelöst, da es am Anfang (ohne CPF und den ganzen Papieren) nicht möglich war etwas in Brasilien abzuschliessen. Ja und meine sozialen Kontakte nach Europa versuche ich weiterhin so zu pflegen wie wenn es keinen Atlantik dazwischen gäbe, nicht als Absicherung sondern weil es auch für die "daheimgebliebenen" auch hart war als ich gegangen bin. Aber zurück nach Europa könnte ich mir nicht vorstellen... Sag niemals nie, aber ich denke wir leben glücklicher in Brasilien auch wenn einiges komplizierter und schwieriger sein mag als in der Schweiz.

Grüsse aus São Paulo,

Raphael
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Beitragvon Floriano » Di 30. Nov 2004, 15:19

Oi Careca,

sicher ist es nach ein paar Wochen noch zu früh für eine endgültige Antwort, aber ich kann mir momentan nicht vorstellen, die Reissleine gänzlich zu kappen. Beide Länder (vielleicht ja auch Kontinente) haben ganz sicher ihre Vorteile - aber meine dt. Staatsangehörigkeit würde ich nicht aufgeben, wer weiss, was einmal kommen mag.

Auf Deine weiteren Punkte vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Antwort zu geben, aber kommt Zeit kommt Rat (hahaha).

Floriano
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Beitragvon Lemi » Di 30. Nov 2004, 16:54

Oi Careca,

soweit ich das überblicken kann, habe ich keine finanziellen Verwurzelungen mehr mit Deutschland.

Im Klartext heisst das: Mein Salario krieg ich von meinem brasilianischem Arbeitgeber, der mich auch sozialversichert. Eine Privat-KV wird glücklicherweise auch vom AG anteilmässig gezahlt (nicht bei jeder Firma so). Als meine Zusatzrente sehe ich den FGTS an, einen Fundus, in den der AG jeden Monat 8% des Bruttolohns einzahlt. Das ist im Jahr rundgerechnet immerhin ein Extra-Gehalt + Zinsen, da der Fundus relativ normal verzinst wird (auf der CEF).

Aufgrund meiner recht guten Ausbildung und meiner beruflichen Laufbahn habe ich es zu einem guten Gehalt gebracht, das auf jeden Fall reicht, um die eigene Familie zu versorgen und 2 mal im Jahr Urlaub zu machen.

Das ich aus dem deutschen Rentensystem ausgeschieden bin, hat mich eher noch gefreut, denn was man dort einzahlt ist absurd. Die Krankenversicherung ist in Brasilien gar nicht so schlecht, aber bedeutend billiger als in DEU. Ich zahle hier bei UNIMED ca. 250 R$ für eine 4-köpfige Familie.

Ein altes Girokonto habe ich noch in Deutschland. Einfach nur, weil ich dem REAL noch nicht 100%-ig über den Weg traue, obwohl ich fast glaube, dass solche Geldeinfrier-Massnahmen wie früher schon passiert "longe da realidade" sind.

Irgendwann werde ich mal drüber nachdenken, mir Wohneigentum zuzulegen. Im Moment habe ich aber noch zu viele Hummeln im !&@*$#!, um mich auf einen Platz definitiv festlegen zu wollen. Ein kleines Sitio für WE wäre aber schön ..... mit allem was dazugehört: Caseiro, meine Schwager ........ :lol:

Was braucht man noch mehr ? Mir fällt nichts mehr ein.

Mein Lebensmittelpunkt ist Brasilien, da ich mich hier wohlfühle, nicht aber unbedingt immer sicher. Das ist aber eine andere Geschichte. Wenn ich mal keinen Job mehr hier finden sollte, gehe ich auch wieder nach Deutschland zurück. Ingenieure braucht man dort immer, obwohl es da das Problem der Re-Integration von "3.-Welt-Bürgern" gibt, welches die Personalchefs offen ansprechen. Habs schon mal erlebt .......
Meine Familie würde übrigens auch kein Problem darin sehen, mal wieder für ein paar Jährchen in Deutschland zu wohnen. So schlecht isses ja da auch nicht.
Man sieht sich,
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Beitragvon Hans-Joachim Menzel » Di 30. Nov 2004, 21:03

Hallo,

da kann ich ja auch noch meinen Senf dazu geben.
Ich bin duch den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) als Dozent nach Brasilien gekommen und habe zuerst 3 Jahre in Recife an der Uni gearbeitet. Seit 1997 bin ich an der Uni in Belo Horizonte also brasil. Beamter. Meinen deutschen Reisepaß habe ich natürlich behalten und meine Altersversorgung privat in Deutschland geregelt, ohne daß ich dafür Geld transferieren muß. Selbst wenn im deutschen rentensystem oder meinetwegen auch im brasilianischen oder in beiden das Chaos ausbrechen sollte, wird mich das nicht aus der Bahn werfen.
Ich bin jetzt gerade dabei, ein Haus zu bauen. Ich werde also in Brasilein bleiben und das private Sicherungssystem ist sowohl in Brasilein als auch in Deutschland vorhanden. Deshalb sehe ich der Zukunft sehr gelassen entgegen.

Gruß

H-J
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Beitragvon Bagi » Mi 1. Dez 2004, 02:26

Hallo Careca,

für viele Ausländer in Brasilien ist das Glücklichsein der Airbag und sie brauchen zumindest aus finanzieller und gesellschaftlicher Sicht keine Voll-/ Teilkaskoversicherung.

Wir (meine Frau und die zwei Kinder) wohnen in São Paulo. São Paulo ist eine kleine Insel in Brasilien. Kein guter Platz um die Seele baumeln zu lassen und der frische Meereswind weht einem auch nicht um die Nase. Von Brasilienromantik weit und breit keine Spur. Das Berufsleben wird durch eine Ellenbogengesellschaft geprägt und erschwert. Extreme Luftverschmutzung, Lärm, chaotische Verkehrsverhältnisse, Gewalt, usw. gehören zum Alltag.

Um hier in São Paulo mit einer Familie zu leben (ich spreche nicht vom überleben) musst Du finanziell gesichert sein und das Leben ist unterm Strich wahrscheinlich nicht billiger als in Deutschland. Meine Frau und ich könnten mit Sicherheit auf Dinge verzichten, die wir uns leisten um das Leben hier so angenehm wie möglich zu haben, aber bei den Kindern würde ich nie und nimmer einen Abstrich machen. Wären wir nicht in der Lage unseren Kindern eine sehr gute Schulbildung zu ermöglichen, mit der sie auch jederzeit in Deutschland etwas anfangen können, wäre Brasilien kein Thema. Das gleiche gilt für die ärztliche und medizinische Versorgung.
Ich möchte nicht aus Egoismus ihre Zukunft verbauen. Haben sie doch die deutsche Staatsbürgerschaft und sollen eines Tages selber entscheiden wo sie leben wollen.

Ich bin in Deutschland geboren. Einen Großteil meiner Kindheit und Jugend habe ich in Spanien und Mexiko verbracht. Meine Frau ist Brasilianerin, hat aber ihre Wurzeln in Argentinien. Wir sind nicht auf ein Land fixiert.
Wir könnten problemlos eines Tages nach Deutschland zurück. Wir (bzw. ich) haben dort unsere sozialen Kontakte niemals aufgegeben. Unsere zwei kleinen Räuber besuchen in den Ferien immer Oma und Opa. Ich komme sowieso öfters mal nach Deutschland und habe immer noch dieselben Spezies dort. Auch wäre der berufliche Gesichtspunkt zumindest für mich keine Frage.

Wir sehen momentan keine Grund nach Deutschland zu ziehen. Wir leben unser Leben hier und sind rundum glücklich. Aber wie schon gesagt, wir leben weit weg von jeglicher Brasilienromantik.

Vielleicht werden wir dann in Deutschland unseren Ruhestand verbringen. Aber darüber brauchen wir uns noch keine Gedanken machen …
Bis dann
Bagi
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Re: Wohnsitz Brasilien

Beitragvon Jorginho » Do 2. Dez 2004, 05:29

Wenn ich als mittlerweile zwar nicht mehr in Brasilien, aber in Portugal lebender Deutscher mich auch zu dem Thema äußern darf....

Careca hat geschrieben:Lebt ihr ohne AirBag (Vollkaskoversicherung oder Teilkaskoversicherung des Lebens) in Brasilien?


In dieser Hinsicht war ich lange Zeit leichtsinnig, kann mir das heute aber, angesichts der Tatsache, daß ich nun eine Frau und eine zweijährige Tochter habe, nicht mehr leisten. In Deutschland war ich über die Künstlersozialkasse abgesichert, mit der ich mich gerade herumstreite, weil sie mich nun wegen meines Auslandswohnortes nicht mehr als reguläres Mitglied versichern wollen. In Portugal muß man auch als Freiberufler der Pflichtsozialversicherung beitreten (die Mitgliedschaft bei der KSK würde mich davon befreien) und außerdem eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Careca hat geschrieben:Ich will damit nachfragen, ob ihr alle Bindungen (sozialer und/oder wirtschaftlicher Art) gekappt/aufgegeben/verloren habt.


Ich arbeite nach wie vor für viele Auftraggeber aus Deutschland und habe mit einem sogar einen Festvertrag, der mir eine monatliche Pauschale garantiert, die es uns erlaubt, über die Runden zu kommen. Daneben arbeite ich aber auch für Auftraggeber aus den USA, England, Frankreich, Brasilien und Portugal. Soziale Bindungen nach Deutschland habe ich natürlich auch noch.

Careca hat geschrieben:Oder ob ihr noch immer die Möglichkeit (als Vorteil der binationalen Beziehung) euch in Reserve haltet wieder nach D-Land zurück zu kehren (nicht nur als touristisches Ziel)?


Die Möglichkeit ist sehr theoretisch, da meine brasilianische Frau kein Deutsch spricht. Außerdem haben wir gerade erst beschlossen, weder nach Brasilien zurückzugehen noch nach Deutschland zu ziehen, sondern uns hier eine Eigentumswohnung zuzulegen.

Careca hat geschrieben:Ist euer Blut dicker als Wasser?


Dafür müßte ich mir im Bad gleich mal die Pulsadern aufschneiden und nachgucken. :lol: Immer wenn ich gefragt werde, warum ich aus Deutschland weggegangen bin, antworte ich nur salopp: Ich habe dort lange genug gelebt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Careca hat geschrieben:Wie weit seid ihr mit Brasilien verwurzelt?


Durch meine Frau, die wie (fast) jede im Ausland lebende Brasilianerin an dieser irrealen "saudade" leidet. Mittlerweile fühlt sie sich aber auch hier in Portugal sehr wohl und weiß - im Gegensatz zu vielen ihrer Landsleute, die wir hier kennen (und von denen ich leider die wenigsten mag), recht gut zu differenzieren. Zwar muß ich sie manchmal daran erinnern, daß in Brasilien bei weitem nicht alles so toll war, wie es ihr ihre Erinnerung vorgaukeln möchte, aber sie braucht dann meist nicht sehr lange, um mir Recht zu geben.

Careca hat geschrieben:Sind eure Sehnsüchte erfüllt worden?


In Bezug auf meine Frau: Ja, hätte es kaum besser treffen können. :D

Careca hat geschrieben:Oder seid ihr Weltenbürger (kein Bürger eines Landes aber Bürger dieser Welt)?


Meine Freunde witzelten schon während meiner Studienzeit, daß mein Sternbild wohl "Nomade" sei. Beantwortet das deine Frage?

Careca hat geschrieben:Wo schlägt euer Herz (nicht das chauvinistische sondern die Seele von Herz)?


Bei meiner wunderbaren Tochter und meiner ebenso wunderbaren Frau. L:-
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Re: Wohnsitz Brasilien

Beitragvon patecuco » Do 2. Dez 2004, 18:05

>Careca:
>Eine Frage an alle Deutschen unter euch, die in Brasilien leben:

So richtig lebe ich ja eigentlich nicht dort, auch wenn ich oft dort bin und mit einer Brasilianerin verheiratet bin, deshalb weiss ich gar nicht ob ich hier antworten soll, aber seis drum, die Fragen die du stellst hab ich mir oft genug selbst gestellt.

>Lebt ihr ohne AirBag (Vollkaskoversicherung oder Teilkaskoversicherung >des Lebens) in Brasilien?

Ich hab immer ohne Airbag gelebt, auch in D, das ist eher eine Frage der Einstellung als des Landes.

>Ich will damit nachfragen, ob ihr alle Bindungen (sozialer und/oder >wirtschaftlicher Art) gekappt/aufgegeben/verloren habt.

Nein und werde ich auch nicht tun, egal wo ich lebe.

>Oder ob ihr noch immer die Möglichkeit (als Vorteil der binationalen >Beziehung) euch in Reserve haltet wieder nach D-Land zurück zu kehren >(nicht nur als touristisches Ziel)?

Nun diese Moeglichkeit hast Du als Deutscher immer, ausser Du wirst Brasilianer, auch wenn jemand dies im Moment nicht einkalkuliert.

>Ist euer Blut dicker als Wasser?

Falls dies bedeuten soll, dass die Wurzeln immer noch in D sind, muss ich dies bejahen, das faellt einem aber erst auf wenn man ein paar Jahre weg war von D. Ich habe schon in 8 Laendern gearbeitet, temporaer, so dass sich die Frage dort nie stellte. Mit Brasilien gehts mir (noch) genauso. Das werde ich persoenlich wahrscheinlich auch nie ablegen.

>Wie weit seid ihr mit Brasilien verwurzelt?

Noch nicht sehr , siehe oben. Da bisher der Kampf im Arbeitsleben noch aussteht.

>Sind eure Sehnsüchte erfüllt worden?

In Bezug auf Beziehung und Famile ja.

>Oder seid ihr Weltenbürger (kein Bürger eines Landes aber Bürger >dieser Welt)?

Wuerde ich auch so sehen, wobei die Abstammung (vor allem kulturelle Werte) nie voellig abgelegt werden kann.

>Wo schlägt euer Herz (nicht das chauvinistische sondern die Seele von >Herz)?

Dort wo es mir gerade gefaellt.

>Kann man das überhaupt beantworten, was ich da gefragt habe?

Man kann es zumindest versuchen.

An alle die solche Fragen plagen habe ich einen Buchtip (in english)

http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/ ... 55-3037523

Pathfinder von Nicholas Lore.

Hab ich uebrigens in Brasilien gelesen. :lol:


Zur Zeit noch in Cabo Verde, aber schon auf halbem Weg nach BR
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Wohnsitz Brasilien

Beitragvon Fischkopp » Sa 4. Dez 2004, 13:07

Hallo Careca,
freut mich, dass auf deine Fragen so positiv reagiert wurde- im brasil-web gehts ja anscheinend anders zur Sache. Ich würde auch gerne den dt. Winter in BR verbringen, aber Fam. etc., muss noch abwarten. War 1972 als Seeman das 1.x drüben, in Vitoria/ Tubarao.Unvergesslich! Seit 95 fliege ich jedes Jahr rüber. 1x hin= immer hin. Sämtl. Themen, die du angesprochen hast werden auch im Buch "Das Feuer Brasiliens" behandelt. Es geht dort um einen Aussteiger, der seine Erlebnisse und Gefühle hautnah beschreibt. Vale a pena.
Habe paar Auszüge zuammen gestellt, vielleicht interessiert es dich:
1.)„Weißt du was“, sinnierte er, „flieg doch nächste Woche mit mir nach Rio, dort wirst du bestimmt mein Problem erkennen!“ Ich dachte sofort, dass ich vielleicht dort finden würde, was ich in meinem Innersten immer noch suchte, obwohl ich nicht genau wusste, was es eigentlich war. Irgendwie hing es mit dem Gefühl zusammen, dass ich vom Leben etwas Neues erwartete.Sollte das die Gelegenheit sein? Dann nahmen wir gemeinsam noch einige Krüge Bier und...
2.)So flog ich, ziemlich nachdenklich geworden und trotzdem voll guter Hoffnung und Abenteuerlust, um drei Uhr nachts über den Äquator, in die südliche Hemisphäre hinein.
3.)Jetzt fehlt bloß noch, dass mich meine zukünftige brasilianische Gefährtin am Anfang des Weges schon verlassen hat. Aber das war glücklicherweise nicht der Fall. Sie stand, als sich die große, zur Flughafenhalle hinausführende Aluminiumtür öffnete, in voller Größe und Schönheit vor mir. Ich spürte intensiv, was für eine prachtvolle Frau sie doch war. In freudiger Erwartung fuhren wir mit dem Auto zu ihrer Wohnung an der Copacabana. Dort begrüßten wir uns dann noch mal und unser Glück schien perfekt zu sein.
4.) Glaube ja nicht, dass es so einfach ist, hier ein Bein auf die Erde zu kriegen!Du gibst deine Heimat auf, wo du weißt, wo’s langgeht, wo du dich richtig auskennst und voll abgesichert bist. Es gibt ein Menge Leute, die nichts lieber täten, als in Deutschland oder Schweiz zu leben.
Brasilien ist noch eine junge Nation mit klaffenden sozialen Gegensätzen, wo noch viele, in anderen Ländern längst verwirklichte Reformen ausstehen, und eine gerechte und ausgewogene Gesellschaftsordnung erst aufgebaut wird. Das heißt, du kannst hier nicht mit dem sozialen Netz rechnen, wie es in deiner Heimat der Fall ist. Ohne Eigen-Initiative läuft hier gar nichts.
5.)Bevor ich mit gestutzten Flügeln nach Deutschland reiste, stand ich in der Abenddämmerung am Copacabana-Strand. Ich hatte ein sehr flaues Gefühl im Magen. War das schon das Ende meiner Laufbahn? Nein, das durfte nicht sein! Ich habe nicht richtig verloren, ich habe einfach nur erstmal verloren, versuchte ich mir weiszumachen. Die Realität lässt sich jedoch nicht so einfach verdrängen. Ich musste die Pumpe wieder in Betrieb setzen; das war ich mir einfach schuldig. Vor den sich brechenden Wellen schwor ich: Ich komme wieder! Und ich kam auch und lebe wieder hier.
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Und immer eine handbreit Rum in der Bilge
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