onnte angeblich an mehreren Orten gleichzeitig sein: Antônio de Sant'Ana Galvão 10. Mai 2007
Selbst an einem gewöhnlichen Nachmittag ist die Kirche zur Gottesdienstzeit um 15 Uhr voll besetzt. Während der Priester die Messe zelebriert, überreicht eine der Frauen, die den Devotionalienstand am Eingang bedienen, dem Besucher ein Papiertütchen.
An neun Tagen hintereinander, also während einer Novene, müsse das auf dem Beipackzettel stehende Gebet gesprochen werden, erläutert die Frau. Dazu seien am ersten, fünften und neunten Tag je eine der beiliegenden drei „pilulas“, klitzekleine Kügelchen, einzunehmen. In das Gebet könne man einen Wunsch einschließen, den der selige Frei Galvão, den rechten Glauben vorausgesetzt, erfüllen werde.
Erster Heiliger Brasiliens
Die wundertätigen „pilulas” werden bis heute kostenlos verteilt Die wundertätigen Kügelchen, sie bestehen, materiell betrachtet, aus nichts als einer winzigen Masse Papier, haben den Ordensgeistlichen Antônio de Sant'Ana Galvão in Brasilien berühmt gemacht. Frei Galvão soll nach unzähligen Wunderberichten nach dem Beten der Novene gesundheitliche Probleme und finanzielle Engpässe beseitigt, Arbeitsplätze beschafft sowie Frauen zu Schwangerschaft und komplikationsfreien Geburten verholfen haben.
Die 1200 Gläubige fassende Kirche in einem abgelegenen Viertel der brasilianischen Stadt Guaratinguetá, in der Frei Galvão verehrt wird, gibt es erst seit 1983, doch ist sie rasch zu einer beliebten Wallfahrtsstätte geworden. Mitglieder der Gemeinde drehen eifrig die „pilulas“, die kostenlos abgegeben werden.
Das Grab zieht Pilger in Scharen an Man könne sie, erläutert die Frau am Devotionalienstand, gegen Einsendung eines Freiumschlags sogar per Post anfordern. Wenn Benedikt XVI. jetzt Brasilien besucht, wird der Kult um den Frei Galvão auch weit über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt. Denn der Papst wird ihn kanonisieren - als ersten Heiligen Brasiliens.
An mehreren Orten gleichzeitig anwesend
Für die Brasilianer war er von jeher eine heiligmäßige Gestalt. Geboren wurde Antônio Galvão 1739 als viertes von zehn Kindern. Sein Vater Antônio Galvão de França, der aus dem portugiesischen Faro stammte, war ein ranghoher Militär und eine Art Bürgermeister in der Stadt Guaratinguetá, deren Name in der Sprache der Tupi-Guarani-Indios „Überfluss von weißen Kranichen“ bedeutet.
Als er 13 Jahre alt ist, schicken ihn seine Eltern nach Bahia in das Jesuitenseminar, 1760 wird Antônio Novize des Franziskanerordens in Rio de Janeiro und nimmt den Namen Antônio de Sant'Ana Galvão an. Am 11. Juni 1762 wird er zum Priester geweiht, zur Beendigung seiner Philosophiestudien geht er in das Franziskanerkloster nach São Paulo. Unterwegs macht er in seinem Heimatort Station und feiert seine erste Messe in seiner Taufkirche.
In São Paulo erlangt Frei Galvão, wie er fortan nur noch genannt wird, Ruhm durch seine Rednergabe, predigend und wundertätig zieht er durch das Land, „erteilt Rat, behandelt Kranke und hinterlässt überall den Eindruck eines Heiligen“, wie es in einer Chronik heißt. In Frei Galvãos Geburtshaus im Zentrum von Guaratinguetá, das als schmuckes Museum hergerichtet wurde, hängen Bilder, die illustrieren, über welche wundertätigen Kräfte Frei Galvão verfügte: Er konnte an mehreren Orten gleichzeitig anwesend sein, er konnte zukünftige Ereignisse vorhersehen und, wenn er betete, über dem Boden schweben.
„Mann des Friedens und der Nächstenliebe“
In dem Museum wird auch die Geschichte erzählt, wie es zu den wundertätigen Papierpillen kam. Eines Tages klagte ein Junge über starke Nierenschmerzen. Er bat Frei Galvão um seinen Segen. Im Glauben an die Allmacht der Mutter Gottes nahm dieser einen Zettel, schrieb darauf „Mutter Gottes, bitte für uns“, knüllte das Papier zusammen, formte winzige Kügelchen daraus und sagte dem Jungen, er solle sie hinunterschlucken. Kaum hatte der Bub sie verschluckt, stieß er die Nierensteine aus und war geheilt.
Am 23. Dezember 1822 starb Frei Galvão in dem 1774 von ihm selbst gegründeten „Kloster da Luz“ in São Paulo, dem heutigen „Kloster der Unbefleckten Empfängnis“ an der Avenida Tiradentes. Begraben liegt er in der Kapelle des Klosters. Von Papst Johannes Paul II. ist er am 25. Oktober 1998 als „Mann des Friedens und der Nächstenliebe“ seliggesprochen worden.
Obwohl sich Benedikt XVI. ganz in der Nähe von Guaratinguetá, im benachbarten Wallfahrtsort Aparecida aufhalten wird, sieht das offizielle Besuchsprogramm des Papstes keinen Abstecher in die Geburtsstadt von Frei Galvão vor. Benedikt wird den Ordensgeistlichen an diesem Freitagmorgen bei einem Gottesdienst auf dem „Marsfeld“ bei São Paulo, einem Flugplatzgelände, heiligsprechen.
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