Zollgebühren bei Versand mit Post

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon gatinho » Mo 29. Aug 2011, 17:00

Hallo,

ich habe vor, mir Elektroniksachen aus Dtl. hierherschicken zu lassen. Wenn ich das richtig verstanden habe, muss ich, wenn der Brief/Paket ordentlich deklariert wurde, "nur" 60% des Wertes bei Abholung bei den Correios bezahlen. Richtig?

Veranschlagen die Zollbeamten tatshlich den Wert, der auf der beigelegten Quittung deklariert ist, oder setzen die den Wert "willkürlich" und eher an den brasilianischen Marktpreisen orientiert fest?

Besteht ein Unterschied, ob ich mir nur eine Digicam oder 10 zuschicken lasse, sprich ob das Produkt für private Zwecke oder Weiterverkauf bestimmt ist?

Noch eine weitere Frage, wenn ich Textilien, z.B. Biquinis, Hawaianas (neu) nach Dtl. schicke und deklariere, berechnet der Dt. Zoll nur die Umsatzsteuer?
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon Gunni » Mo 29. Aug 2011, 20:21

Hi Gatinho,

das hört sich gerade extrem nach den typischen "Gringo-Geschäftsideen" an, die man immer wieder zu hören bekommt, falls nicht, entschuldige ich mich gleich dafür :-)

Im obigen Fall merkt man das ziemlich schnell als berufserfahrener Postler/Zöllner, wenn man sich mal genau ansieht, was da in den Päckchen steckt - kann auch einige Male gutgehen, aber es gibt da keine Garantie.

Falls es nur eine reguläre Postsendung ist mit einer Warenbestellung für EIGENbedarf, dann wird man sich ansehen, ob eine ordnungsgemäße Rechnung beiliegt bzw. die Angaben außen korrekt sind und man informiert sich bspw. per I-Net, ob das die regulären Preise sind aus dem Absendeland (gibt ja auch viele, die versuchen, mit "modifizierten" Rechnungen was zu deichseln) - - ist aber alles ordnungsgemäß, wird auf die Rechnung dann die lokale Steuer erhoben (richtet sich in Brasilien auch nach dem Typ der Ware !). - - Liegt keinerlei Rechnung bei oder ist die Sendung bspw. als "Photos ohne Wert" deklariert, aber da ist dann doch was (nach Ansicht des Beamten) mit Wert drin, dann wird man in der Regel zur Aufklärung zum Zoll gerufen bzw. ein erheblich höherer Handelswert angesetzt, als wirklich vorhanden und auf Basis dieses geschätzten Wertes versteuert.

Sowas ist übrigens auch in Europa üblich und hat nichts mit Brasilien zu tun (ich werd mit schöner Regelmäßigkeit zur Vorsprache beim Zoll eingeladen - einziger Unterschied zwischen Europa und Südamerika sind für mich die Steuern, die ich auf kontrollierte Sendungen entrichten muß - wobei mir in Brasilien dann etwa der 3-fache Steuersatz abgeknöpft wird) - - kann sich aber dennoch lohnen, je nachdem, was du da versendest (bin übrigens langjähriger Sammler historischer südamerikanischer Dokumente mit Versand in beide Richtungen - daher die Ausführungen :-).

Bikinis, Kameras etc. würd ich allerdings mit Vorsicht geniesen - darauf sind die Beamten schon "spezialisiert", bei einigen anderen Sachen (s.o.) sind die aber noch ziemlich "hilflos" :-)

Hoffe, die Antwort hilft ein bischen

Gruß

Gunni
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon Gunni » Mo 29. Aug 2011, 20:34

Hab nochwas vergessen - zwingt man die Beamten zum schätzen, so gehen diese von einem kommerziellen Hintergrund der Sendung aus und kalkulieren auch zu erwartende Gewinne mit in den Wert - der fällige Steuerbetrag wird dann so hoch ausfallen, daß man bspw. schon einiges an Bikinis versenden muß, damit überhaupt was rausspringt.

Dein angegebener Steuerwert ist für Brasilien korrekt (bei Elektronik) - der deutsche Zoll berechnet bei normaler privater Postsendung aber die Mehrwertsteuer auf den Inhalt.
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon MESSENGER08 » Di 30. Aug 2011, 15:07

gatinho hat geschrieben:Besteht ein Unterschied, ob ich mir nur eine Digicam oder 10 zuschicken lasse, sprich ob das Produkt für private Zwecke oder Weiterverkauf bestimmt ist?


NATÜRLICH !!!

Bei einer Kamera ist es kein Problem die Kamera als privaten Gebrauchsgegenstand zu deklarieren, bei 10 Kameras glaubt das natürlich niemand, auch nicht in BRA !!!

Sobald komerzielle Einfuhr vorliegt oder auch der der Verdacht aufkommt ist es auch egal ob nun 1 oder 100 Kameras, denn komerzieller Import wird immer Versteuert.

gatinho hat geschrieben:Noch eine weitere Frage, wenn ich Textilien, z.B. Biquinis, Hawaianas (neu) nach Dtl. schicke und deklariere, berechnet der Dt. Zoll nur die Umsatzsteuer?


Textilien können kompliziert werden, da u.U. der Ursprung nachgewiesen werden muss und es auch für den Textilienimport gewisse Quoten gibt. Ausserdem wird meines Wissens nach bei Textilien (und div. anderen Sachen) neben Einfuhrumsatzsteuer (MWSt) auch Zoll fällig.

Am besten Du erkundigst Dich bei dem für Deinen Wohnsitz zuständigen Hauptzollamt !
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon gatinho » Di 30. Aug 2011, 18:42

Hallo,

vielen Dank für die ausführlichen und fundierten Antworten. In erster Linie habe ich Interesse daran Produkte in Dtl. zu kaufen. Selbst mit Porto und Steuer (60%) komme ich oft immer noch besser weg, als wenn ich hier kaufen würde (wo es viele Dinge nicht in der Qualität oder Ausführung) gibt.

MESSENGER08 hat geschrieben:
gatinho hat geschrieben:Besteht ein Unterschied, ob ich mir nur eine Digicam oder 10 zuschicken lasse, sprich ob das Produkt für private Zwecke oder Weiterverkauf bestimmt ist?


NATÜRLICH !!!

Bei einer Kamera ist es kein Problem die Kamera als privaten Gebrauchsgegenstand zu deklarieren, bei 10 Kameras glaubt das natürlich niemand, auch nicht in BRA !!!

Sobald komerzielle Einfuhr vorliegt oder auch der der Verdacht aufkommt ist es auch egal ob nun 1 oder 100 Kameras, denn komerzieller Import wird immer Versteuert.


Ich habe kein Interesse daran, die Steuer zu umgehen, egal ob ich mir für private oder anderweitige Zwecke was zuschicken lasse-die bin ich ja bereit zu zahlen. Die Frage zielte darauf ab, ob noch extra Gebühren (außer den 60%) anfallen oder ich mich mit irgendwelchen Formalitäten auseinandersetzen müsste.

Abraços
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon frankieb66 » Di 30. Aug 2011, 18:52

gatinho hat geschrieben:Ich habe kein Interesse daran, die Steuer zu umgehen, egal ob ich mir für private oder anderweitige Zwecke was zuschicken lasse-die bin ich ja bereit zu zahlen. Die Frage zielte darauf ab, ob noch extra Gebühren (außer den 60%) anfallen oder ich mich mit irgendwelchen Formalitäten auseinandersetzen müsste.

Wenn DU dich gut genug auskennst, kannst du das natürlich alles selber erledigen. Ansonsten engagiere einen despachante. Und die möchten bezahlt werden. Ob sich das in deinem Fall rechnet weißt nur du. Selbst grosse und international operierende bras. Firmen nehmen solche despachantes in Anspruch, weil es zum Teil sehr kompliziert sein kann mit dem Import nach Brasilien.

Frankie
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon dimaew » Mi 31. Aug 2011, 17:16

frankieb66 hat geschrieben:
gatinho hat geschrieben:Ich habe kein Interesse daran, die Steuer zu umgehen, egal ob ich mir für private oder anderweitige Zwecke was zuschicken lasse-die bin ich ja bereit zu zahlen. Die Frage zielte darauf ab, ob noch extra Gebühren (außer den 60%) anfallen oder ich mich mit irgendwelchen Formalitäten auseinandersetzen müsste.

Wenn DU dich gut genug auskennst, kannst du das natürlich alles selber erledigen. Ansonsten engagiere einen despachante. Und die möchten bezahlt werden. Ob sich das in deinem Fall rechnet weißt nur du. Selbst grosse und international operierende bras. Firmen nehmen solche despachantes in Anspruch, weil es zum Teil sehr kompliziert sein kann mit dem Import nach Brasilien.

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Man sollte hier unterscheiden. Für den rein privaten "Import" rentiert sich der despachante meist nicht. Anfallende Probleme kann man direkt mit dem Zoll klären, man muss eben gegebenenfalls da hin fahren, wo die Ware angekommen ist. Bei einem kommerziellen Import (auch wenn es um kleine Mengen geht) kommt man um den despachante praktisch nicht herum, da für die Importdeklarationen ein spezielles System "SISCOMEX" eingeführt ist, zu dem eine Zulassung bei der Behörde zu beantragen ist. Theoretisch kann das natürlich auch eine Firma selbst machen, aber der Aufwand ist recht groß, so dass sich wohl in den meisten Fällen die Inanspruchnahme des despachante, der diese Zulassung bereits hat, lohnt.
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon frankieb66 » Mi 31. Aug 2011, 17:26

dimaew hat geschrieben:
frankieb66 hat geschrieben:
gatinho hat geschrieben:Ich habe kein Interesse daran, die Steuer zu umgehen, egal ob ich mir für private oder anderweitige Zwecke was zuschicken lasse-die bin ich ja bereit zu zahlen. Die Frage zielte darauf ab, ob noch extra Gebühren (außer den 60%) anfallen oder ich mich mit irgendwelchen Formalitäten auseinandersetzen müsste.

Wenn DU dich gut genug auskennst, kannst du das natürlich alles selber erledigen. Ansonsten engagiere einen despachante. Und die möchten bezahlt werden. Ob sich das in deinem Fall rechnet weißt nur du. Selbst grosse und international operierende bras. Firmen nehmen solche despachantes in Anspruch, weil es zum Teil sehr kompliziert sein kann mit dem Import nach Brasilien.

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Man sollte hier unterscheiden. Für den rein privaten "Import" rentiert sich der despachante meist nicht. Anfallende Probleme kann man direkt mit dem Zoll klären, man muss eben gegebenenfalls da hin fahren, wo die Ware angekommen ist. Bei einem kommerziellen Import (auch wenn es um kleine Mengen geht) kommt man um den despachante praktisch nicht herum, da für die Importdeklarationen ein spezielles System "SISCOMEX" eingeführt ist, zu dem eine Zulassung bei der Behörde zu beantragen ist. Theoretisch kann das natürlich auch eine Firma selbst machen, aber der Aufwand ist recht groß, so dass sich wohl in den meisten Fällen die Inanspruchnahme des despachante, der diese Zulassung bereits hat, lohnt.


Hab ich was anderes geschrieben? ;)

Also wenn ich die Fragen des TE richtig verstanden habe, dann lese ich zumindest heraus, dass es sich um keinen rein privaten "Import" handeln wird ...

Veranschlagen die Zollbeamten tatshlich den Wert, der auf der beigelegten Quittung deklariert ist, oder setzen die den Wert "willkürlich" und eher an den brasilianischen Marktpreisen orientiert fest?

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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon popolado » Mi 31. Aug 2011, 19:47

Wenn man 10 Elektronikartikel importiert ist es gewerblich, dazu muß man eine Firma gründen und eine Importlizenz besitzen. Die despachantes sind auch notwendig, da man selbst am Zoll nichts erledigen kann, diese despachantes sind ja Dienstleister und haben den job incl. Beziehungen vom Vater / Großvater geerbt.

Falls Du am Ende des Tages dann wirklich billiger bist als die Brasilianer, viel Glück im neuen business....schau Dir aber mal die chinesische Konkurrenz in SP an, evtl. ist es billiger Du kaufst dort.
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Re: Zollgebühren bei Versand mit Post

Beitragvon TiKu » So 25. Sep 2011, 13:48

Hi,

ich klinke mich mal ein. Ich spiele mit dem Gedanken, ein Samsung Galaxy Tab 10.1 zu Freunden nach Recife zu schicken, da es dort fast doppelt soviel kostet wie in Deutschland. Die NCM habe ich noch nicht rausgefunden, Google hat da bisher nichts zu Tage gefördert. Müsste der Hersteller nicht die NCM kennen, sodass man da nachfragen kann?
Wie läuft das insgesamt ab? Ich kaufe das Tab hier, gebe es bei der Post als Sendung auf, fülle dabei den Schriebs aus bzgl. Inhalt und Wert. In Brasilien muss der Empfänger dann 60% des von mir angegebenen Wertes an den Zoll abdrücken? Wenn das wirklich so ist, dann lohnt sich das ganze nicht wirklich.

Danke für eure Hilfe!
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