Zukunft Brasiliens

Aktuelle Tendenzen und Prognosen der brasilianischen Regierungspolitik und Wirtschaftsentwicklung / Daten und Fakten aus der mehr als 500-jährigen Geschichte Brasiliens

Re: Zukunft Brasiliens

Beitragvon GatoBahia » So 11. Feb 2018, 00:07

Itacare hat geschrieben:Fazit. Religion verbieten, nie und nimmer. Jedermanns/frau persönliche Angelegenheit.
Religion verbreiten, mit welchen Mitteln und Versprechungen auch immer, Köpf kürzer, rettet viele Menschenleben.

Viel Spass beim IS :D :lol: :P
a curiosidade matou o gato
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Re: Zukunft Brasiliens

Beitragvon Brazil53 » Mi 14. Feb 2018, 10:20

In Brasilien steht die große Rentenreform auf der Kippe. Die wichtigsten Elemente sind die Verlängerung des Renteneintrittsalters und die Berechnung nach Beitragsjahren. Das alles würde zu einer drastischen Rentenkürzung führen.

Die Sozialversicherung in Brasilien nähert sich griechischen Verhältnissen.
Im vergangenen Jahr belief sich das Defizit der Sozialversicherung auf R$ 268,7 Mrd.
Allein im Jahr 2017 stieg das Defizit um R$ 41,9 Mrd.

Heute beginnen die Verhandlungen um Änderungsvorschläge in das Papier einzufügen. Besonders die Beamten und das Militär haben eine starke Lobby und wollen keine Änderungen.
Die Privaten Rentenbezieher haben da schlechtere Karten, sie werden wohl auf der Straße kämpfen müssen.

Man kann sich Vorstellen, dass dieser starken Einschnitt bei den Renten beim Volk überhaupt keine Zustimmung findet.

Am 28. Februar soll die Abstimmung im Parlament sein. Wenn es allerdings keine Mehrheiten bei den Gouverneuren und Bürgermeistern gibt, dann kommt das Gesetz nicht auf die Tagesordnung. Allerdings glauben nur noch unerschütterlich Optimisten, dass die nötigen 308 Stmmen im Parlament erreicht werden. Es ist Wahljahr und wer möchte sich gerne dem Unmut des Volkes aussetzen.

Rentenreformen werden immer wieder versucht, aber scheitern immer weil man keine Mehrheiten findet. Also "Griechenland" lässt grüßen. Mit den immer höheren Belastungen durch Rentenzahlungen der Länder und Städte werden Spielräume für Investitionen immer geringer.
Man darf ja nicht vergessen, das die Bundesregierung die Schuldenaufnahme per Gesetz für die nächsten 18 Jahren gedeckelt hat.

Da kann man sich schon Sorgen um die (ökonomische) Zukunft in Brasilien machen.
Ich glaube nur Tatsachen, die ich selbst verdreht habe
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Re: Zukunft Brasiliens

Beitragvon Colono » Mi 14. Feb 2018, 11:42

Brazil53 hat geschrieben:Heute beginnen die Verhandlungen um Änderungsvorschläge in das Papier einzufügen. Besonders die Beamten und das Militär haben eine starke Lobby und wollen keine Änderungen.

Ich sehe das Problem bei den Angestellten im öffentlichen Dienst. Diese konnten in den letzten 10 Jahren den Hals nicht volbekommen. Nicht wenige gehen heutzutage im Durchschnitt zwischen 10 und 20 Tausend pro Monat bereits nach 20Jahren Dienstzeit in Rente. Zwei Beispiele: Ein einfacher Postbeamter bei uns bekommt rund 14 Tausend Reais im Monat Rente weil er sich mit abgeschlossenem Studium in den einfachen Dienst einstellen hat lassen. Eine Witwe eines Federalen Autobahnpolizisten mit lediglich einem Jahr Dienstzeit bekommt jedes Monat 12 Tausend überwiesen. Die Frau ist natürlich nur noch mit dem Taxi unterwegs.
Falls ein Pensionist dann verstirbt, bekommen ledige Töchter die Rente der Eltern in voller Höhe ihr Leben lang weiter. #-o

Man kann sich mal die Gehälter bzw. Pensionen die bezahlt werden auf folgender Seite anschauen.
http://www.portaldatransparencia.gov.br/servidores/Funcao-ListaFuncoes.asp

Ein einfacher Rentner des INSS kann davon nur träumen. [-o<
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Re: Zukunft Brasiliens

Beitragvon Brazil53 » Mi 14. Feb 2018, 15:24

Die brasilianische Justiz ist Weltspitze, zumindest bei den Kosten

Wenn der Staat zum Selbstbedienungsladen für die Elite wird, dann kennt das keine Grenzen.
So halten die korrupten Politiker die Justiz bei Laune.
Und die besseren Familien brauchen entsprechende Arbeitsplätze für ihre Kinder…
Und man geht auch gerne sehr früh in Pension...

Ich habe mal zusammengefasst was in der „terra“ geschrieben wurde. (Originalartikel ist von der Deutschen Welle.)

Ein brasilianischer Richter verdient am Anfang seine Kariere, das dreifache mehr, als sein deutscher Kollege bekommt.

Eine öffentliche Diskussion über die Gehälter bei der Justiz begann wieder einmal, nach dem bekannt wurde, dass die „Lava Jato“ - Richter Wohnungsbeihilfen kassierten, obwohl sie Wohneigentum vor Ort hatten.
Im Jahr 2017 kostete die Wohnungsbeihilfe den öffentlichen Kassen 399 Millionen Reais.

Die Gesamtausgaben für die Richter und Staatsanwälten lagen 2016 bei 84,8 Milliarden Reais.
So kostete im Jahr 2016 ein Richter 47.700 Reais, obwohl die verfassungsrechtliche Gehaltsobergrenze bei 33.000 Reais liegt.
Um das Limit zu umgehen, werden die Gehälter durch Zusatzleistungen wie Wohngeld, Essenszulage, Erziehungszulage, höhere Urlaubszuschläge und andere, ergänzt. Natürlich Einkommensteuerfrei.
Das sind 572.000 Reais im Jahr.

In Deutschland variieren die Jahresgehälter, je nach Position, Gerichten und Dienstzeit.
Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei 442.000 Reais. (obwohl die Einkommen in Deutschland etwa 5 mal so hoch sind.)

Ein erfahrener deutscher Richter mit einer mindestens 20-jährigen Laufbahn vor einem Bezirksgericht bekommt etwa 310.000 Reais im Jahr. Das ist fast die Hälfte des Durchschnittslohns brasilianischer Richter.

Brasilien hat eines der teuersten Justizsysteme der Welt. Es entspricht 1,4% des BIP, in Deutschland liegen wir bei 0,4% des BIP.
Obwohl das brasilianisch Justizsystem mehr kostet, hat es deutlich weniger Richter.
Deutschland hat je 100.000 Einwohner 24 Richter, in Brasilien sind es nur 8 Richter.

In Deutschland sind 67 Justizangestellte je 100.000 Einwohner beschäftigt.
In Brasilien sind es aber mit 205 Mitarbeitern deutlich mehr.

https://www.terra.com.br/noticias/brasil/judiciario-brasileiro-e-35-vezes-mais-caro-que-o-alemao,27c156a930fd39ab56170e42d1176f89xhid24zh.html
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Re: Zukunft Brasiliens

Beitragvon cabof » Mi 14. Feb 2018, 21:36

Brazil53 - danke für die Ausführungen, mir wird schwindlig bei all den Zahlen.

Colono - ich verkehre nicht in den oberen Kreisen. Darf aber aus meinem größeren Bekanntenkreis sagen,

viele Beitragsjahre und gezwungen neben der Rente weiter arbeiten zu müssen - da stehen Beträge zwischen

2 und 3 tausend Reais im Spiel - inkl. der kargen Rente, das ist so gerade das Minimum um über die Runden

zu kommen. Energiekosten scheinen in BR höher zu sein als bei uns. Auch wer ein eigens AP hat stöhnt über

die Umlage, fast wie Miete. Urlaub und Auto kann man da vergessen.
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Re: Zukunft Brasiliens

Beitragvon Itacare » Mi 14. Feb 2018, 22:15

Brazil53 hat geschrieben:Die brasilianische Justiz ist Weltspitze, zumindest bei den Kosten

Wenn der Staat zum Selbstbedienungsladen für die Elite wird, dann kennt das keine Grenzen.
So halten die korrupten Politiker die Justiz bei Laune.

.............

In Deutschland sind 67 Justizangestellte je 100.000 Einwohner beschäftigt.
In Brasilien sind es aber mit 205 Mitarbeitern deutlich mehr.
......


Steuerprüfer sollen soweit mir bekannt ähnlich hoch bezahlt sein. Müssen sie in B aber beide auch, damit sie den allgegenwärtigen Korruptionsangeboten widerstehen. Weniger korrupt, niedrigere Kosten für Steuerprüfer und Richter. Das Volk hat es in der Hand.

Zählt bei den Justizangestellten die Polizei mit? Dann kann ich sinngemäß nur wiedeholen. Weniger Kriminalität, weniger Justizangestellte. Das Volk hat es in der Hand.
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